Die Wohlstandentwicklung ist in Österreich gut, Schwächen gibt es laut dem zweiten Wohlstandsbericht der Arbeiterkammer unter anderem bei Umwelt, Arbeit und fairer Verteilung. Am besten schneidet der Bereich Lebensqualität ab. Handlungsbedarf - auch für eine neue Regierung - sieht die AK vor allem bei der Klimapolitik und am Arbeitsmarkt.

Insgesamt ergibt der Wohlstandsbericht für die fünf Bereiche eine Gesamtbewertung von 72 Punkten - von maximal 120 möglichen. Wirtschaftswachstum stehe zu sehr im Mittelpunkt der wirtschaftspolitischen Berichterstattung und Debatte, Wohlstand sei mehr als Wirtschaftswachstum, begründete Markus Marterbauer, Leiter der wirtschaftswissenschaftlichen Abteilung in der AK Wien am Dienstag in einer Pressekonferenz den Bericht. Wohlstand heiße für die AK unter anderem hohe und gerecht verteilte Einkommen und Vermögen, gerecht entlohnte Arbeit, gute Arbeitsbedingungen, hohe Lebenszufriedenheit mit guter Versorgung von sozialen Diensten von Pflege bis Wohnen, intakte Umwelt sowie gesamtwirtschaftliche Stabilität.


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AK Wohlstandsbericht 2019
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Österreich sei in vielen Teilen ein Erfolgsmodell und habe eine ausgezeichnete Basis um den Wohlstand weiter zu verteilen. Andererseits habe man den Eindruck, dass die Wohlstands- und Nachhaltigkeitsdebatte zu wenig Stellenwert im politischen System habe und in dem einen oder anderen Bereich auch ein Zurückfallen drohe. Die AK fordert eine deutliche Ausweitung der öffentlichen Investitionen vor allem im Bereich Klimaschutz, Wohnen, Bildung und sozialer Zusammenhalt, eine innovative Arbeitszeitpolitik und eine Renaissance des sozialen Dialogs.

Im Bereich "Fair verteilter materieller Wohlstand" steht Österreich laut AK im internationalen Vergleich relativ gut da. Hohe Arbeitsproduktivität gemeinsam mit der kollektivvertraglichen Lohnpolitik und einem gut ausgebauten Sozialstaat bedeuten relativ hohe real verfügbare Einkommen - vor allem in der Mitte der Gesellschaft. In der Mitte habe Österreich nach Luxemburg die zweithöchsten realen Einkommen in Europa.

Spendenfreudige Milliardäre

Handlungsbedarf sieht die AK bei der Lücke zwischen Männer- und Fraueneinkommen (Gender Pay Gap), die zwar kleiner werde, aber viel zu langsam. Einen Schwachpunkt ortet man auch in der Vermögenskonzentration. Wenn man sich nur in Erinnerung rufe, wie spendenfreudig die Milliardäre und Milliardärinnen in den letzten Monaten gewesen seien und wie viele Rückschritte in den anderen Bereichen in der Armutsbekämpfung zum Beispiel verzeichnet worden seien, sei das ein Beleg dafür, "dass Vermögenskonzentration gefährlich ist für Demokratie und Gesellschaft", so Marterbauer. Der AK sei es "nach wie vor ernst mit Vermögens- und Erbschaftssteuern".