Im Bereich Vollbeschäftigung und gute Arbeit gibt es im Bericht gute Bewertungen für Erwerbstätigkeit und Mitbestimmung. Die unbezahlten Überstunden beispielsweise sind im Vergleich 2015 bis 2018 zurückgegangen, aber noch immer relativ hoch. Die Arbeitslosigkeit dürfte aber angesichts der schwächeren Konjunktur wieder steigen, erwartet die AK.

Am Arbeitsmarkt müssten von einer neuen Regierung die Weichen gestellt werden. Die Aktion 20.000 für ältere Arbeitnehmer war für Marterbauer eines der innovativsten Modelle der aktiven Arbeitsmarktpolitik. Wenn man eine solche Maßnahme wieder einführen würde, wäre dies ein schöner Fortschritt, sie müsste ja nicht "Aktion 20.000" heißen. Wichtig für die Wohlstandsentwicklung sind der AK auch Arbeitszeitmodelle wie etwa die 4-Tage-Woche.

Zweiter wichtiger Bereich für die künftige Regierung ist für die AK die Klimapolitik, wobei eine breite Einbindung als nötig erachtet wird. "Wenn es nicht gelingt, die Bevölkerung mitzunehmen, sind die Klimaziele nicht erreichbar", so Silvia Leodolter, Leiterin der AK-Abteilung Umwelt und Verkehr. Sie seien nur zu erreichen, wenn man einen breiten sozialen Schulterschluss zusammenbringe. Arbeiterkammer, Gewerkschaften, Wirtschaft und NGOs beispielsweise müssten miteingebunden werden. Im Verkehr vorrangig sei die Schaffung von klimafreundlichen Alternativen, wichtig dabei aber eine soziale Ausgewogenheit.

Bereich Umwelt schneidet am schlechtesten ab

Der Bereich intakte Umwelt erreicht im Wohlstandsbericht 12 von 24 möglichen Punkten und schneidet damit am schlechtesten der fünf Bereiche ab. Bei Feinstaub sei das Ergebnis nicht so schlecht, die Problembewältigung beim Verkehrslärm durchschnittlich. Größte Sorge sind laut Leodolter die Treibhausgasemissionen und der energetische Endverbrauch. Die AK fordert ein Klimainvestitionspaket 2020 bis 2030 im Ausmaß von einer Milliarde Euro jährlich, wobei dem Ausbau des öffentlichen Verkehrs oberste Priorität eingeräumt wird. Relativ gute Werte weist mit 15 von 24 Punkten die ökonomische Stabilität auf.

Die Zieldimension Lebensqualität schneidet im Wohlstandbericht am besten ab. Sie hat sich demnach in den vergangenen zehn Jahren erhöht und liegt nicht nur deutlich über dem EU-Durchschnitt, sondern auch besser als in Deutschland oder Belgien. Gute Werte erzielten das subjektive Sicherheitsgefühl.

Positiv verlaufe auch die Entwicklung bei der Reduktion von Armut und Ausgrenzung, wobei hier der Ausblick wegen der 2019 beschlossenen Änderung bei der Sozialhilfe bzw. Mindestsicherung auf negativ gesetzt wird. Beim gesunden Verbleib im Arbeitsmarkt bis zur Pension hat die Arbeiterkammer aber die Sorge, dass sich die Erhöhung der Höchstarbeitszeit negativ auswirken könnte. Negativ wirken sich bei der Lebensqualität die hohen und steigenden Wohnkosten aus.