In Wien entstehen vorerst immer mehr Mietwohnungen, Eigentumswohnungen werden weniger. Das ist ein Ergebnis einer Studie zu Wohnbauprojekten, die mittels einer neuen Datenbank erstellt und am Mittwoch präsentiert wurde.  

In der Vergangenheit war öfter der Vorwurf zu hören, dass in der Bundeshauptstadt zu wenige Wohnungen gebaut würden. "Diese Zeiten sind vorbei", analysierte Alexander Bosak, Geschäftsführer von Exploreal. Er gehörte zu den Entwicklern der neuen Datenbank, die - laut eigenen Angaben - faktisch alle Neubauprojekte (ab fünf Wohneinheiten) von Wien dokumentiert, auswertet und so eine realistische Abbildung des Marktes ermöglicht. "Es ist damit zu rechnen, dass mehr Wohnungen auf den Markt kommen als Haushalte gegründet werden", kündigte er mit Verweis auf Daten zur Haushaltsentwicklung der Statistik Austria und auf eigene Berechnungen und Prognosen an.

Laut den Auswertungen der Datenbank waren für heuer 12.700 Bauträger-Wohnungen in der Pipeline, im kommenden Jahr 19.100. 2021 gehe die Neubautätigkeit wieder zurück. Am meisten werde in jenen Bezirken gebaut, in denen es auch die größten Flächenreserven gibt - Leopoldstadt, Landstraße, Favoriten, Floridsdorf, Donaustadt und Liesing.

Großinvestoren setzen auf Vermietung

Während zuletzt in Sachen Neubau noch Eigentumswohnungen dominiert hätten, seien heuer bereits Mietwohnungen in der Überzahl. 2020 würde der Mietwohnungsanteil weiter steigen - vor allem was den geförderten Bereich betrifft. Die Verschiebung von Eigentums- zu Mietobjekten habe vor allem auch damit zu tun, dass große, als Wohnungseigentum geplante Projekte von internationalen Investoren aufgekauft würden, so Bosak. Diese würden die Wohnungen dann vermieten.

Am schnellsten verkaufen sich derzeit Wohnungen bis 300.000 Euro. Diese würden innerhalb eines Jahres vom Markt "absorbiert", so Bosak. Der Verkauf von Apartments um mehr als 600.000 Euro würde im Vergleich dazu zwei Jahre Zeit in Anspruch nehmen. Was die Größe anbelangt, so sind Wohnungen zwischen 50 und 90 Quadratmeter bzw. mit zwei bis drei Zimmern am beliebtesten.

Zu wenig günstiger Wohnraum

Manche Tendenzen werden von Michael Pisecky, dem Wirtschaftskammer-Fachgruppenobmann der Wiener Immo-Treuhändler, aber kritisch gesehen: Offiziell sei der Nachholbedarf bei Mietwohnungen gedeckt, "aber es gibt immer noch zu wenige Wohnungen - vor allem in den Bereichen, wo die Nachfrage in Wien am größten ist. Denn während im höher- und hochpreisigen Segment genügend Wohnraum vorhanden ist, fehlen Wohnungen im leistbaren Segment im Bereich bis circa 700 Euro Monatsmiete."

Kritisch wurde heute auch die rege Bautätigkeit in den Flächenbezirken gesehen - "in der grünen Wiese". Dies sei auch aus ökologischen Gründen zu hinterfragen, hieß es. Hans Jörg Ulreich, Bauträgersprecher für die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), sprach sich dafür aus, den Bestand im innerstädtischen Bereich nachzuverdichten. Dies verhindere aber eine "restriktive Flächenwidmung". Auch volkswirtschaftlich sei es günstiger, nicht im Grünland zu bauen, da dort neben den Baukosten auch Kosten für die Infrastruktur wie Straßen oder Kindergärten hinzukämen.