Seit Jahren gibt es am Weltspartag nichts mehr zu feiern. Heuer ist das nicht anders. Grund ist das anhaltende Zinstief in Europa. Da die Einlagenzinsen vielfach gegen null tendieren und die Inflation gnadenlos mehr als die mickrigen Netto-Erträge auffrisst, sind heimische Sparer im Regelfall mit realen Verlusten konfrontiert. Gut fährt nur der Staat, der über die KESt, die Kapitalertragsteuer, 25 Prozent von den Brutto-Erträgen abschöpfen kann.

Trotz des tristen Zinsniveaus, das unter dem Strich für eine schleichende Entwertung sorgt und an dem sich nach Einschätzung von Finanzexperten mittelfristig wohl kaum etwas ändern wird, halten hierzulande viele Privathaushalte dem Sparbuch sowie ähnlichen Finanzprodukten die Treue. Jedenfalls waren dort zuletzt laut Auskunft der Oesterreichischen Nationalbank alles in allem rund 260 Milliarden Euro gebunkert, was gut ein Viertel mehr war als vor zehn Jahren.

Wobei die Erste Bank erhoben hat, dass die Rendite bei derlei Sparprodukten seit 2015 wegen der geringen Einlagenzinsen und der in manchen Jahren relativ hohen Inflationsrate im Durchschnitt minus 1,6 Prozent pro Jahr beträgt und somit deutlich negativ ist.

Österreicher bei Geldanlage
mehrheitlich risikoscheu

Rund die Hälfte ihres Geldvermögens haben Österreichs Privathaushalte in traditionellen Spareinlagen und nur etwa ein Viertel in Wertpapieren veranlagt, zeigt eine Analyse des Chefökonoms der Unicredit Bank Austria, Stefan Bruckbauer. Er hat errechnet, dass sich der reale Verlust bei Einlagen in den Jahren 2012 bis 2018 pro Jahr auf 2,9 Milliarden Euro belief. Dem stand im gleichen Zeitraum immerhin ein jährlicher realer Ertrag bei Wertpapieren von rund 2 Milliarden Euro gegenüber.

Geht es nach Bruckbauer, wird sich die negative Bilanz bei Einlagen aus heutiger Sicht in den nächsten Jahren noch verschärfen. Zumal aus Umfragen immer wieder hervorgeht, dass für die überwiegende Mehrheit der sparenden Bevölkerung in Österreich kein beziehungsweise nur ein geringes Risiko und im Idealfall eine Garantie, das eingesetzte Kapital nicht zu verlieren, ausschlaggebende Motive bei Geldveranlagungen sind.

Demnach gilt das Sparbuch seit jeher als des Österreichers liebste Anlageform (vor dem Bausparen, der Lebensversicherung, Wertpapieren und Fonds). Jeder versteht dieses Finanzprodukt auf Anhieb. Das hohe Maß an Sicherheit ist beim Sparbuch dadurch gewährleistet, dass es einen Totalverlust, wie er beispielsweise bei Aktien möglich ist, dank der Einlagensicherung - für maximal 100.000 Euro pro Bank - nicht geben kann.