Bei der Voestalpine ist derzeit Sand im Getriebe. Dass die globale Konjunktur an Fahrt verliert, die USA Strafzölle von 25 Prozent auf Stahlimporte einheben und die Nachfrage nach Autos stottert, bekommt der Linzer Stahltechnologiekonzern deutlich zu spüren. In der ersten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres 2019/20 (per Ende März) hat sich sein operativer Gewinn, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern, auf 229,6 Millionen Euro mehr als halbiert. Was die Konjunktur betrifft, sieht Voestalpine-Chef Herbert Eibensteiner, der Anfang Juli auf Wolfgang Eder folgte, vorerst keine Besserung. Dies zwingt ihn jetzt, den Sparstift nachzuspitzen und noch stärker als bisher auf die Kostenbremse zu treten.

"Wir bereiten uns auf ein weiteres schwieriges Jahr vor", sagte Eibensteiner am Mittwoch bei der Präsentation der Halbjahresbilanz. Vor diesem Hintergrund hat das Management zusätzlich zu schon länger laufenden Kostensenkungsmaßnahmen ein rund 100 Millionen Euro schweres Sparpaket geschnürt. Die Hälfte davon soll im Wirtschaftsjahr 2019/20 wirksam werden.

Den Rotstift will die Voestalpine etwa beim Zukauf von Rohstoffen und Energie ansetzen. Kostenmäßig sind dies große Brocken, hier soll nun jeder Euro mit den Lieferanten nachverhandelt werden. Daneben will der oberösterreichische Konzern auch seine Investitionen drosseln.
Seinen Personalstand hat er im ersten Geschäftshalbjahr (per Ende September) indes bereits zurückgefahren – konkret um rund 700 auf weltweit rund 51.300 Beschäftigte. Im Rohrwerk im steirischen Kindberg etwa wurden im Sommer im Zuge einer konjunkturbedingten Umstellung von Vierschicht- auf Dreischichtbetrieb 125 Mitarbeiter gekündigt.

Weitere Pläne, Stammpersonal in Österreich abzubauen, hat die Voestalpine aus heutiger Sicht jedoch nicht. Wie Eibensteiner erklärte, werde derzeit bei den Personalkosten vor allem gespart, indem man weniger Leiharbeitskräfte beschäftige, frei gewordene Arbeitsplätze nicht nachbesetze und den Abbau von Überstunden vorantreibe. Zudem gebe es bei der deutschen Edelstahl-Tochter Buderus in einzelnen Bereichen Kurzarbeit, so der Manager.

Gewinnziel für 2019/20 gekappt

Besonders weh tut der Voestalpine aktuell, dass von der Autoindustrie, die mit einem Umsatzanteil von knapp einem Drittel eine der wichtigsten Kundengruppen des Konzerns repräsentiert, keine positiven Impulse für ihr Zuliefergeschäft kommen. Die Autobranche leidet nicht nur unter einer schwächeren Nachfrage, sondern auch unter einer gewissen Orientierungslosigkeit, in welche Richtung es technologisch bei den Antrieben letztlich gehen wird. "Die Zeichen in der Automobilkonjunktur deuten darauf hin, dass es nicht zu einer raschen Erholung kommt", sagte Eibensteiner.

Nicht zuletzt deshalb hat das Voestalpine-Management das Ziel für den Betriebsgewinn vor Abschreibungen (Ebitda) für 2019/20 von 1,6 auf 1,3 Milliarden Euro hinuntergesetzt. Bisher war es von einem stabilen Ergebnis im Vergleich zum Vorjahresniveau ausgegangen.