Wenige Tage nach dem Amtsantritt der neuen EZB-Chefin Christine Lagarde fordert Österreichs Notenbank-Gouverneur Robert Holzmann ein schnelles Ende der Negativzinsen. "Negativzinsen stellen für mich gegenwärtig ein falsches Signal dar, und deshalb sollte man sie so rasch wie möglich wieder zurücknehmen", sagte das EZB-Ratsmitglied dem österreichischen Wochenmagazin "Trend".

Lagarde befinde sich hier leider in einem sehr engen Korsett. Aber man müsse sich die Frage stellen, wie Sparer wieder zu befriedigenden Zinsen kommen können. Lagarde, ehemalige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), leitet die EZB seit Anfang November.

Bankinstitute im Euroraum müssen seit 2014 Strafzinsen zahlen, wenn sie Gelder bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Der sogenannte Einlagesatz ist negativ. Im September hatte ihn der EZB-Rat sogar mit sehr großer Mehrheit noch tiefer auf inzwischen minus 0,5 Prozent gesenkt. Um Banken entgegenzukommen, wurde aber ein Teil der Einlagen vom Strafzins ausgenommen.

In Deutschland klagen Banken schon seit langem über die Tiefzinsen, die an ihren Gewinnen nagen. Inzwischen gehen viele Institute dazu über, von Kunden mit hohen Einlagen Strafzinsen zu verlangen. Für Sparer hat die ultralockere Geldpolitik zur Folge, dass ihre Ersparnisse kaum noch Zinsen abwerfen.

"Wenn Sparer ihre Zinsen nicht auf üblichem Weg bekommen, neigen sie dazu, in alternative Anlagen zu gehen", sagte Holzmann dem Magazin. Das könne positiv sein, wenn die Börse dadurch belebt werde. Negativ sei dies aber dann, wenn es zu Verwerfungen wie einer Überhitzung im Immobilienbereich kommen sollte. Dies führe auch zu hohen Wohnungs- und Mietpreisen mit ihren sozialen Auswirkungen. "Und das ist etwas, das lässt auch einen Notenbankgouverneur nicht kalt", sagte Holzmann. (apa/kle)