Verschärfte Klimaschutzvorgaben zwingen den Stahlkonzern Voestalpine zum Umdenken. Der größte CO2-Emittent des Landes will drei seiner fünf Hochöfen in Österreich durch Elektro-Öfen ersetzen und müsste dafür rund eine Milliarde Euro investieren. Gegen 2030 könnte das "Hybrid-Stahlwerk" Wirklichkeit sein, wie das Wirtschaftsmagazin "trend" in seiner neuen Ausgabe berichtet.

Mit der Maßnahme könnte der Stahlerzeuger seinen Kohlenstoffdioxid-Ausstoß um ein Drittel, also um drei bis vier Millionen Tonnen pro Jahr, senken, so Konzernchef Herbert Eibensteiner. Derzeit ist die Voestalpine für die Hälfte der CO2-Emissionen der heimischen Industrie und somit für rund zehn Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes in Österreich verantwortlich.

"Technisch ist das alles möglich, uns geht es jetzt nur um das Wirtschaftliche", hieß es am Donnerstag aus dem Konzern. Bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres 2019/20 (per 31. März) soll das Projekt fertig durchgerechnet sein. Für die Umsetzung wendet sich der Konzern aber auch um Unterstützung an die Politik. Eibensteiner habe bereits einen Brief an die Vorsitzenden aller Parteien im Parlament, an die Sozialpartner und an Nichtregierungsorganisationen (NGO) geschrieben, berichtet der "trend".

Konkret lobbyiert die Voestalpine für einen Ausbau der Stromnetz-Infrastruktur und billigeren "grünen" Strom etwa durch die Befreiung von Abgaben und Rückvergütungen. Weiters sollten dem Management zufolge die Zahlungen für CO2-Zertifikate über den Umweg eines Innovationsfonds für eigene Investitionen in klimafreundliche Technologien zweckgewidmet werden. Für Wasserstoff hätte die Voestalpine jedenfalls gerne eine Zweckwidmung der aus den CO2-Zertifikaten eingenommenen Gelder.

Ziel des Konzerns ist es, Kohle und Koks als Energieträger für die hohen Temperaturen, die für die Stahlerzeugung nötig sind, zu ersetzen und damit den Kohlenstoffdioxid-Ausstoß zu senken. Die zwei kleineren Hochöfen in Linz und einen der beiden in Donawitz durch Elektro-Öfen zu ersetzen, sei dabei nur ein Zwischenschritt. Denn die langfristige Vision heiße nicht Strom, sondern Wasserstoff. Ein erster kleiner Schritt in diese Richtung wird kommenden Montag gesetzt. Da nimmt die Voestalpine eine Wasserstoff-Pilotanlage an ihrem Stammsitz in Linz in Betrieb. Wasserstoff in der Stahlherstellung gilt konzernintern aber erst nach 2035 als realistische Option. (apa/kle)