Sie verleiht süßen Speisen einen unvergleichlichen Geschmack und macht aus schlichtem Milchkaffee ein hippes Lifestyle-Getränk. Ihr Aroma entsteigt Duftkerzen und belebt als Bestandteil von Parfüms die Sinne. Die Rede ist von der Vanille. Auf Madagaskar, dem Hauptanbauland für das Gewürz, gilt sie zu Recht als schwarzes Gold. Der Preis für die "Königin der Gewürze" ist in den vergangenen Jahren zum Leidwesen der Abnehmer steil nach oben geklettert, und von einem Absinken auf ein vernünftiges Niveau ist man noch weit entfernt.

600 bis 700 Euro betrug der Verkaufspreis pro Kilo Bourbon-Vanille zuletzt, nach nicht einmal 100 Euro im Jahr 2014. Die Ursachen für den explodierenden Preis sind vielschichtig, weiß Birger Schmidt-Wiking vom traditionsreichen Vanillehandelshaus Aust & Hachmann in Hamburg. In den 1990er Jahren habe Madagaskar durch große Produktionsmengen und Dumpingpreise andere Anbauländer aus dem Markt gedrängt. Durch den Preisverfall lohnte es sich kaum mehr, in den Anbau und die Pflege der Pflanzen zu investieren, die Angebotsmenge sank.

"Auch der eine oder andere Zyklon hat dann Anbaugebiete in Madagaskar zerstört. Einige Jahre später, bei knappem Angebot und steigender Nachfrage, explodierte dann der Preis", so Schmidt-Wiking. Neu angelegte Plantagen würden zwischen fünf und sieben Jahren benötigen, bis die Pflanzen verkaufsfähige Früchte bilden. "Sobald die in den letzten Jahren neu angelegten Gärten am Markt mit anbieten, ist mit einem deutlichen Preisrückgang zu rechnen", sagt der gelernte Außenhandelskaufmann.

Kaum jemand in unseren Breiten weiß, wie mühsam und aufwendig Anbau und Verarbeitung der Vanille - nach Safran das zweitteuerste Gewürz der Welt - sind. Die Vanillepflanze, die zur Familie der Orchideen gehört, benötigt mehrere Jahre, bis sie die ersten Schoten hervorbringt. Die Schoten werden kurz vor der Reife geerntet und anschließend monatelang fermentiert und getrocknet. Das Aroma entwickelt sich beim Fermentieren durch das Vanillin, das sich auf der Frucht absetzt. Da natürliches Vanillin teuer ist, wird weltweit zu fast 100 Prozent synthetisches Vanillin eingesetzt, um ein Vanillearoma zu erzeugen.

Diebstähle und zu frühe Ernte

Bei den derzeit extrem hohen Preisen der echten Vanille ist die Gefahr des Vanillediebstahls in Madagaskar, einem der ärmsten Länder der Welt, besonders hoch, weiß Hartwig Kirner, Geschäftsführer von Fairtrade Österreich: "Die Bauern müssen ihre Ernte bewachen, das ist völlig absurd." Zum Teil ernten sie die Vanille schon grün, um schnelles Geld zu machen, was wiederum zu Lasten der Qualität gehe. Rund 70.000 bis 80.000 Kleinbauern leben auf Madagaskar von der Vanille. Sie bräuchten berechenbare Preise, um investieren zu können und Produktivität und Erträge steigern zu können.