Auf einen Elektroantrieb zu wechseln, wird allerdings nicht reichen. Die Änderungen müssen viel tiefgreifender sein. Dies beginnt bei der Raumplanung und endet beim Ausbau des öffentlichen Verkehrs und des Radfahrnetzes. "Die derzeitige Regelung der Pendlerpauschale macht es extrem unattraktiv, auf langfristige Strukturen überzugehen", sagt der Klimaökonom Karl Steininger vom Wegener Institut für Klima und Globalen Wandel in Graz. Darum hält er eine Bepreisung von Kohlenstoffdioxid für sinnvoll. Produkte oder Dienstleistungen, die mit hohen CO2-Emissionen verbunden sind, würden mit Steuern belegt werden.

Im ländlichen Raum ist der öffentliche Verkehr aber oft nur schlecht ausgebaut. Menschen leben zersiedelt. Das eigene Auto bleibt ein notwendiges Übel. Kritiker werfen ein, dass mit der CO2-Steuer alles auf die Pendler abgewälzt wird. Dem hält der Ökonom entgegen: "Ich muss die Einnahmen so einsetzen, dass ich keine negativen Effekte habe." Ein Ansatz wäre etwa eine Rückverteilung an die Haushalte - wie etwa in der Schweiz.

Dort wurde bereits 2008 eine Kohlenstoffdioxid-Abgabe eingeführt. Damit sollen die Haushalte angeregt werden, die CO2-Emissionen zu senken. Pro Tonne CO2 heben die Eidgenossen 88 Euro ein. Ein Drittel der Gelder fließt in energetische Sanierungen, zwei Drittel werden als "Klimabonus" rückverteilt. Jeder entscheidet selbst, wie viel ihm vom Bonus bleibt. Haushalte, die mit Öl heizen, zahlen mehr Abgabe als solche, die etwa mit Erdwärme heizen. Letzteren bleibt also unterm Strich mehr Geld übrig. Studien zeigen, dass die Abgabe zu spürbaren Emissionsreduktionen geführt hat.

Ölheizungen werden mehr

Noch gibt es aber viel Luft nach oben. 40 Prozent des Energieverbrauchs in der Schweiz entfällt auf Heizöl. Ölheizungen belasten die Umwelt enorm. Doch auch hierzulande erfreut sich der klimaschädliche Brennstoff noch großer Beliebtheit. Rund 16 Prozent aller Österreicher haben eine Ölheizung im Keller stehen. Doch anstatt die Anzahl zu reduzieren, werden es mehr. 626.109 Ölheizungen sind nach aktuellen Daten der Statistik Austria noch immer in Betrieb, 6700 mehr als noch 2013/14.

Der Staat fördert den Ausstieg aus Ölheizungen mit maximal 5000 Euro. Der sogenannte "Raus aus dem Öl"-Bonus ist für heuer schon vergeben. Ob es kommendes Jahr wieder eine Förderung geben wird, hängt von der neuen Regierung ab. Dass es auch ohne Ölheizung geht, zeigen Länder wie Dänemark. Dort sind Ölheizungen verboten. Norwegen will ab 2020 nachziehen. In Österreich sind ab 1. Jänner 2020 Ölheizungen in Neubauten nicht mehr erlaubt.

Die Umstellung auf saubere Energieträger bringt allerdings wenig, wenn die Häuser nicht entsprechend gedämmt werden. Viel Energie geht durch alte Dächer, undichte Fenster und schlecht isolierte Mauern verloren. Die Emissionen im Gebäudesektor sind zwar seit 1990 gesunken, doch nun steigen sie das dritte Jahr in Folge wieder an. Sie machen 10,1 Prozent an den Treibhausgas-Emissionen aus. Energieökonom Lukas Kranzl von der TU Wien sieht enorme Potenziale, sowohl was Umfang als auch Qualität von Sanierungen betrifft. "Es muss ein Mix sein aus Sanierung und besserem Energieeinsatz", sagt Kranzl. So würde eine Umstellung auf eine Zentralheizung bereits viel Energie einsparen. Auch wenn nur schrittweise saniert wird, werde dadurch viel erreicht. "Viele Hausbesitzer haben aber Angst vor so einem Großprojekt, es fehlt an Informationen", sagt Kranzl. Das größte Potenzial zur Einsparung gibt es laut Umweltbundesamt bei Gebäuden aus der Zeit vor 1970.