Im Idealfall sollten Häuser in Zukunft nicht nur Energie verbrauchen, sondern auch produzieren. Photovoltaikanlagen erzeugen Strom, der gespeichert und ins öffentliche Netz eingespeist werden kann. "Wenn die Stromnachfrage sehr hoch ist, können Gebäude zu einem gewissen Grad ausgleichend im Energiesystem wirken", sagt die Ökonomin Angela Köppl vom österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo). Der Energieverbrauch muss aber insgesamt schrumpfen. 2017 wurden rund 37 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente - 45 Prozent aller Emissionen - im Sektor Energie und Industrie ausgestoßen. Hauptverursacher sind vor allem die CO2-intensive Eisen- und Stahlproduktion und die öffentliche Strom- und Wärmeproduktion. In der Industrie sieht Köppl noch großen Innovations- und Forschungsbedarf. Immerhin verabschiedet sich Österreich gänzlich vom schmutzigen Energieträger Steinkohle. Im steirischen Mellach schließt 2020 das letzte Kohlekraftwerk Österreichs.

Der Straßenverkehr verursacht fast ein Drittel aller Treibhausgas- Emissionen in Österreich. - © S. Schuldt
Der Straßenverkehr verursacht fast ein Drittel aller Treibhausgas- Emissionen in Österreich. - © S. Schuldt

Österreich hat lange - und erfolgreich - auf erneuerbare Energien gesetzt. Zwei Drittel des Stroms werden heute durch Windräder, Wasserkraftwerke und Photovoltaikanlagen erzeugt. Das ist EU-Spitze. Doch sie können den Energiehunger nicht mehr stillen. "Der Zuwachs in der Energienachfrage konnte 2017 das erste Mal nicht durch erneuerbare Energien kompensiert werden", sagt die Wifo-Expertin. Statt aufseiten der Energiebereitstellung einzusparen, sollte die Energie produktiver eingesetzt werden, sagt Köppl.

Fleisch als Klima-Sündenbock

Auch die Landwirtschaft trägt einen wesentlichen Teil zu den Treibhausgas-Emissionen bei. 10 Prozent werden durch Nutztierhaltung, Düngemittel, Transport etc. verursacht. Seit 1990 haben die Emissionen in diesem Sektor um 13,3 Prozent abgenommen. Hauptverantwortlich ist der Rückgang des Viehbestandes: Seit 1990 reduzierte sich die Zahl der Milchkühe von 900.000 auf 540.000. Rund 97.000 Betriebe in Österreich betreiben Viehhaltung, 1995 waren es noch knapp 160.000 Betriebe.

Laut Landwirtschaftskammer gehen rund 70 Prozent der Emissionen auf das Konto der Nutztierhaltung. Denn Rinder stoßen jede Menge Methan aus. Dieses Gas belastet das Klima enorm, es ist 25-mal schädlicher als CO2. Immer öfter muss deshalb das Fleisch als Klima-Sündenbock herhalten. Ein Steak: 5 Kilogramm CO2, ein Schnitzel: 800 Gramm CO2. 65 Kilo Fleisch verzehrt ein Österreicher durchschnittlich im Jahr. Umweltorganisationen rufen regelmäßig zu einem geringeren Fleischkonsum auf.

Eine andere Möglichkeit wäre, die Zahl der Nutztiere weiter zu reduzieren. Die Bauern würden jedoch auf die Barrikaden gehen. 60 Prozent aller Betriebe betreiben Viehhaltung. Es ist ihre Existenzgrundlage. Der Umbau des Sektors dürfte sich aber nicht nur deswegen als schwierig erweisen. Werner Zollitsch, Professor für Nutztierwissenschaften an der Universität für Bodenkultur in Wien, spricht von einem Konflikt zwischen Klimarelevanz und anderen Zielen wie etwa Biodiversität. "Das Erhalten von Kulturlandschaften im alpinen Raum wird ohne eine landwirtschaftliche Tierhaltung nur schwer umsetzbar." Die Hälfte der Flächen in Österreich seien Grünland, ein Ackerbau sei oft nicht möglich, weil es zu steil oder zu feucht ist. Es geht also nicht ganz ohne Tiere.