Morgens zur Arbeit, abends retour. Mehr als 2,2 Millionen erwerbstätige Österreicher müssen jeden Tag zu ihrem Arbeitsplatz pendeln. Das sind 53,1 Prozent aller aktiven Erwerbstätigen. Österreich ist ein Land der Pendler. Und es werden immer mehr. In den vergangenen zehn Jahren ist der Anteil der Beschäftigten, deren Arbeitsort nicht der Wohnort ist, um zehn Prozent gestiegen.

Die Ursachen sind vielfältig. Viele Menschen träumen vom Haus im Grünen. Dafür nehmen sie Abgeschiedenheit und lange Arbeitswege in Kauf. Es gibt keine Alternative zum eigenen Auto. In ländlichen Regionen ist das öffentliche Verkehrsnetz dünn. Die Kinder müssen schließlich auch zur Schule, die Einkäufe vom Supermarkt nach Hause gebracht werden. Mit dem Auto bleibt man flexibler.

Manche können sich vielleicht auch den Wohnraum nicht mehr leisten. In Wien steigen die Mieten seit Jahren. Doch die Bundeshauptstadt lockt mit Jobs. Täglich pendeln rund 260.000 Menschen nach Wien. Das ist mehr als ein Viertel aller Erwerbstätigen der Stadt. Menschen mit einem höheren Bildungsabschluss sind in der Regel länger zum Arbeitsplatz unterwegs. Für Arbeiter mit niedriger Qualifikation ist Pendeln oft die einzige Möglichkeit, Arbeit zu finden.

Pendeln kostet Zeit, Geld und Nerven. Auf Dauer kann Pendeln auch krank machen. Pendler stehen ständig unter Zeitdruck. Sie haben weniger Zeit für ihre Familie.

Die Mehrheit, 85 Prozent, nimmt zum Pendeln das Auto. Das verstopft die Straßen, der Verkehr belastet die Umwelt. "Pendler sind ein Zeichen eines enorm hohen Wohlstandsniveaus, welches nur mit dramatisch hohen Preisen der Autonutzung einzudämmen ist", kritisiert etwa der deutsche Mobilitätsforscher Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Viele Ökonomen sehen die Pendlerpauschale als nicht mehr gerechtfertigt. Klimaschädliches Verhalten werde damit subventioniert, argumentieren sie. Manche plädieren, so wie der Klimaökonom Karl Steininger jüngst in der "Wiener Zeitung", für eine Bepreisung von CO2.

Arbeitswelt zwingt zum Pendeln

Pendeln gehört zum modernen Arbeitsleben dazu. Unternehmen orientieren sich mit ihren Standorten dort, wo Arbeitskräftepotenzial und Rohstoffe vorhanden sind. Das Problem sei nicht das Pendeln an sich, sagt Sylvia Leodolter, Leiterin der Abteilung Verkehr und Umwelt der Arbeiterkammer Wien. "Was nie hinterfragt wird: Die Kosten und die Verantwortung für den Arbeitsweg liegen allein bei den Erwerbstätigen."