Was 1945 mit einer Werkstätte für Bauernmöbel im oberösterreichischen Haag am Hausruck begann, ist heute die zweitgrößte Möbelkette weltweit. XXXLutz erzielte zuletzt mit 23.800 Mitarbeitern in 12 Ländern einen Umsatz von 4,4 Milliarden Euro. Inklusive Beteiligungen wären es rechnerisch sogar knapp 10 Milliarden Euro. Ikea ist mit Erlösen von knapp 37 Milliarden Euro aber noch eine Nummer größer.

Ab Mitte der 1970er-Jahren expandierten die Brüder Andreas und Richard Seifert mit ihrem Möbel-Familienbetrieb. Oftmals übernahmen die beiden Brüder lokale Traditions-Möbelhäuser, die Nachfolgeprobleme hatten oder in finanziellen Schwierigkeiten waren. Um der schwedischen Billigkette Ikea in Österreich Paroli zu bieten, starteten sie 1989 außerdem den Möbeldiskonter Möbelix. Anfang der 1990er-Jahre begannen sie Deutschland aufzurollen, im Jahr 2000 folgte Tschechien.

Mit schneller Expansion und nie enden wollenden Rabattaktionen brachte die Möbelgruppe mit Sitz in Wels viele Mitbewerber unter Zugzwang - etwa Kika/Leiner in Österreich. Im Schnitt eröffnete die Einrichtungskette sechs Möbelhäuser pro Jahr.

2002 startete man mit dem Einrichtungshaus Mömax eine günstigere, moderne Vertriebslinie. Ein Jahr später überholte XXXLutz in Österreich den bisherigen Marktführer Kika/Leiner. Seit 2008 ist die Einrichtungskette mit Möbelix auch in Ungarn, der Slowakei, Tschechien und Kroatien vertreten. 2020 startet Mömax in Polen.

2019 Jahr der bisher größten Expansion

Den Einstieg beim deutschen Möbelhändler Poco im Jahr 2014 und bei der französischen Einrichtungskette But 2017 wollte nur Andreas Seifert riskieren, er übernahm die Beteiligungen auf eigene Rechnung. Poco und But sind aber über den Giga-Einkaufsverband mit XXXLutz verbunden.

Im Jahr 2019 folgten weitere Zukäufe quasi Schlag auf Schlag. XXXLutz sicherte sich die Osteuropa-Filialen von Kika, kaufte die Hälfte an der fünftgrößten deutschen Möbelkette Roller und übernahm mit Pfister den größten Einrichtungshändler in der Schweiz.

Durch die mehrmaligen Eigentümerwechsel bei Kika/Leiner und die damit verbundene Verunsicherung der Kunden hat XXXLutz die Marktführerschaft in Österreich weiter ausbauen können. Aktuell betreibt die Firmengruppe über 320 Einrichtungshäuser in zwölf europäischen Ländern, dazu zählen Österreich, Deutschland, Tschechien, Ungarn, Slowenien, Slowakei, Kroatien, Rumänien, Bulgarien, Schweiz, Schweden und Serbien. Würde man die Filialen aller Beteiligungen von Andreas Seifert dazurechnen, wären es sogar über 900 Filialen.

Die Welser Möbelkette befindet sich noch immer im Besitz der Familie Seifert, die Firmenanteile sind in der WSF Privatstiftung (Stifter Richard Seifert) und LSW Privatstiftung (Stifter Andreas Seifert) geparkt. Bis heute tritt die Familie nicht öffentlich in Erscheinung, als Gesicht nach außen fungiert Firmensprecher Thomas Saliger. Der gelernte Jurist ist bereits seit 24 Jahren bei der Möbelkette. Im Jahr 2017 verstarb Richard Seifert. Sein Bruder Andreas (65) ist noch höchst aktiv im Tagesgeschäft.

Über Nachfolgeprobleme macht man sich bei der Möbelkette keine Sorgen: Michael Seifert, Nikola Seifert, Nicole Seifert und Julia Fronik sind bereits als Geschäftsleitung der XXXLutz Kommanditgesellschaft (KG) eingetragen, geht aus dem Firmenbuch/"WirtschaftsCompass" hervor. Einen Jahresabschluss mit Gewinnangabe muss XXXLutz als Kommanditgesellschaft nicht veröffentlichen. Nur so viel: Die Gewinnlage sei "gut", sagte Firmensprecher Saliger.

Eigenmarken mit höheren Gewinnmargen gelten im Handel als Cashcow. Je nach Schiene - XXXLutz, Mömax und Möbelix - setzt die Möbelgruppe unterschiedlich stark auf Handelsmarken. Im Schnitt entfällt laut Firmenangaben mindestens die Hälfte des Umsatzes auf Eigenmarken.

Im Online-Handel hat sich die Einrichtungskette Schritt für Schritt aus der Deckung gewagt. Bei Möbelix bietet man seit 13 Jahren einen Online-Shop an und bei Mömax seit zehn Jahren. Bei XXXLutz startete der Internethandel erst vor drei Jahren. Einen Online-Umsatzanteil will das Unternehmen nicht verraten. "Das Möbelkaufen hört online relativ schnell auf, wenn es größere Produkte sind, etwa eine Möbelwand oder Küchen", sagte Saliger. Bei Gartenmöbeln gebe es hingegen "riesige Online-Umsätze". (apa)