Neben Nakowitz sitzen der ehemalige Bawag-Vorstand Christian Büttner und ein weiterer Ex-Bawag-Manager auf der Anklagebank. Die Staatsanwaltschaft legt den Angeklagten zur Last, dass sie im Oktober 2005 einen Kredit über 350 Millionen Euro an das US-Brokerhaus Refco vergeben hätten - wissentlich, dass der Kredit so nicht hätte vergeben werden dürfen. Die Bonität der Besicherung sowie des Kreditantragstellers sei im Vorfeld nicht ausreichend geprüft worden. Zudem sei laut Anklage fragwürdig gewesen, ob eine ordnungsgemäße Entscheidung im Vorstand zustandegekommen war und ob der Aufsichtsrat hätte miteinbezogen werden müssen oder nicht. Refco meldete nur wenige Tage nach der Kreditvergabe in den USA Konkurs an. Das Geld aus dem Kredit konnte nie wieder zurückgeholt werden.

Im zweiten Anklagepunkt heißt es zudem, die Angeklagten hätten Beihilfe zum Betrug des Refco-Chefs Phillip Bennett geleistet. Denn sie hätten dabei geholfen, die Vermögenslage von Refco besser darzustellen, als sie war, und so den damaligen Refco-Käufer, das New Yorker Investmenthaus Thomas H. Lee Partners, über die tatsächliche Finanzlage in dem US-Unternehmen getäuscht. Es gilt die Unschuldsvermutung.

  Angeklagte bekennen sich für nicht schuldig

Die Angeklagten dementierten im Zuge ihrer Befragungen alle Vorwürfe und haben sich für nicht schuldig bekannt. So führte die Verteidigung aus, dass die Angeklagten nicht die Täter, sondern selbst ein Opfer von Refco und Bennett, den einer der Verteidiger in seinem Eröffnungsplädoyer als "Meisterbetrüger" bezeichnete, geworden seien.

Die Anklage verkenne den wahren Betrug von Bennett. Denn dieser habe die Bawag jahrelang - schon vor dem Einstieg der Bawag bei Refco im Jahr 1999 - über die Gewinnsituation der US-Brokerfirma getäuscht. Die Bawag könne daher gar kein Täter oder Mittäter in den von der Anklage dargestellten Punkten sein. Die Bawag sei immer in dem Glauben gelassen worden, Refco sei ein gewinnbringendes und sehr erfolgreiches Unternehmen, das keine Eigengeschäfte betreibe und daher mit sehr wenig Risiko behaftet sei. Die beiden fraglichen Kreditvergaben aus den Jahren 2004 und 2005 seien ordnungsgemäß und unter Einhaltung aller Sorgfaltspflichten erfolgt. (apa/kle)