Der Flughafen Schwechat war eine "Zukunftsvision, die Realität wurde und in ganz Europa ihresgleichen" suchte. Mit diesen Worten beschrieb die "Wiener Zeitung" die Eröffnung des Flughafens am 17. Juni 1960. "Wien hat ein neues Tor zu Welt." Und genau das entsprach dem Gefühl jener Tage. Die gesamte Republik vom Bundespräsidenten abwärts war beim offiziellen Festakt vertreten sowie mehr als 1000 Schaulustige. Zwei Tage später brachte die "Wiener Zeitung" ein vierseitiges Dossier über das "Superaerodrom". Ein eigener Artikel widmete sich sogar den Sanitäranlagen.

Mit einem Schlag beziehungsweise einem Bauwerk bugsierte sich die noch junge Republik vom Nachzügler in Sachen Flugverkehr an die erste Position. Zumindest erklärten das damals die Politiker in ihren Ansprachen. In den Protokollen der Zeitungen finden sich etwas pathetische, wohl aber der Zeit und dem Anlass angemessene Worte. Dass es die Nazis waren, die nur wenige Wochen nach dem "Anschluss" bereits damit begannen, in Schwechat einen Militärflughafen zu errichten; dass der Flughafen im letzten Kriegsjahr ein Außenlager des KZ Mauthausen war, blieb an diesem Tag ungesagt. Aber auch das war wohl der Zeit und dem Anlass angemessen.

Die "Arbeiter-Zeitung" beschrieb die Ankunftshalle als "Glaspalast", der dank seiner "8000 Leuchtstoffröhren ein feenhaftes Aussehen" hatte. Piekfeines ließ man sich für die Check-in-Schalter einfallen, sie waren mahagonigetäfelt. Die "Wiener Zeitung" notierte: "Österreich kann es sich nicht leisten, mit billigen Mitteln in den internationalen Flugverkehr einzutreten." Und die "Arbeiter-Zeitung" wies auch auf eine ganz besondere Sensation hin: "Wer die große Halle betritt, braucht sich nicht erst mit den schweren Eingangstüren zu raufen. Sobald ein Passagier den Kontaktteppich betritt, öffnen sich die Türen automatisch." Elektrische Schiebetüren waren damals noch eine Neuheit.

Die Schiebetüren sind heute noch vorhanden, auch der schwarz-weiße Terrazzo-Boden sowie eine Wanduhr, der man die Zeit allerdings in zweifacher Hinsicht ansehen kann. Doch damit hat es sich auch schon. Der Terminal 2 wird gerade grundlegend umgebaut und danach kaum mehr wiederzuerkennen sein. Was einmal ein "neues österreichisches Wahrzeichen" war, wie es diese Zeitung 1960 formulierte, ein Symbol für Aufschwung, Wachstum und Wohlstand, ist aus der Zeit gefallen. Und man könnte sagen: Genau aus diesen drei Gründen: Aufschwung, Wachstum, Wohlstand.