Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) will im Jahr 2020 zwischen 31 und 34 Milliarden Euro am Kapitalmarkt aufnehmen. Im laufenden Jahr visierte die OeBFA 30 bis 33 Milliarden Euro an und nimmt voraussichtlich 31,3 Milliarden Euro auf. Österreich profitiert als "sicherer Hafen" weiterhin von den Niedrig- bis Negativzinsen und spart dadurch Refinanzierungskosten in Milliardenhöhe.

Aktuell gibt es bei österreichischen Bundesanleihen bei Laufzeiten bis zu 12 Jahren eine Negativrendite, dann wird es erst positiv. Anleger bezahlen mit Negativzinsen eine Art "Prämie", dass sie dem Staat Geld leihen dürfen, weil sie einen "sicheren Hafen" für ihr Geld suchen. Bei der 100-jährigen Austro-Staatsanleihe liegt die Rendite bei rund einem Prozent.

"Das Zinsniveau wird weiterhin auf dem Niveau bleiben, wo wir uns befinden", sagte OeBFA-Geschäftsführer Markus Stix im APA-Gespräch. Der bereits Ende Oktober "ausgepreiste" Brexit und die Anleihenkäufe der EZB würden eine Seitwärtsbewegung bei den Zinsen erwarten lassen.

Schuldenmanagement

Die OeBFA managt die Finanzschulden des Bundes und bietet auch eine Rechtsträgerfinanzierung für die Bundesländer, die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) und die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) an. Per Ende November lag die Finanzschuld der Republik Österreich bei 206,3 Milliarden Euro mit einer effektiven Verzinsung von 2,03 Prozent per annum und einer durchschnittlichen Restlaufzeit von 10,1 Jahren. "Beim Schuldenmanagement sind keine Strategieänderungen geplant", so der OeBFA-Chef.

Das im Oktober von der Regierung für 2020 erwartete gesamtstaatliches Defizit von 0,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und höhere Rechtsträgerfinanzierungen für die Länder sowie ÖBB lassen das geplante Emissionsvolumen (31 bis 34 Miiliarden Euro) der OeBFA im kommenden Jahr leicht steigen. Es liegt über dem Schnitt der letzten zehn Jahre, aber deutlich unter dem Rekordwert von rund 40 Milliarden Euro aus dem Jahr 2017. Damals musste der Staat alleine 8 Milliarden Euro für die Abwicklung der KA Finanz AG, der Bad-Bank der Kommunalkredit, aufnehmen. Auch 2016 war das Finanzierungsvolumen außerplanmäßig höher ausgefallen, weil der Staat für notleidende Banken wie die Kärntner Hypo bzw. deren Abbbauinstitut Heta eingesprungen ist.

Die Begebung österreichischer Bundesanleihen soll im nächstes Jahr 18 bis 21 Milliarden Euro einbringen, geht aus dem heute veröffentlichten vorläufigen "Funding Outlook" der Bundesfinanzierungsagentur hervor. Heuer wird das Volumen von begebenen Bundesanleihen voraussichtlich bei 20,1 Milliarden Euro liegen. Mitte Juli 2020 muss die OeBFA eine große Benchmark-Anleihe der Republik Österreich in Höhe von knapp 15 Mrd. Euro tilgen. Wie jedes Jahr wird es wieder zwölf monatliche Auktionstermine für Bundesanleihen geben, wobei der August wie immer als Reservetermin gilt. "Keine konkreten Pläne" gibt es laut dem OeBFA-Geschäftsführer im kommenden Jahr, die hundertjährige Bundesanleihe aufzustocken und erstmals Bundesanleihen in chinesischer Währung - sogenannte "Panda-Anleihen" - zu begeben. (apa)