Wien. Über den eigenen Erwartungen lag heuer das Geschäft der Oesterreichischen Kontrollbank (OeKB). "Operativ super" lautet das Fazit von Vorstand Helmut Bernkopf. Das Zinsniveau werde sich zwar auch bei der OeKB auswirken, etwa bei den Pensionsverpflichtungen, doch das operative Ergebnis bleibt davon ausgenommen. Beim Exportservice geht Bernkopf davon aus, dass mit 2020 wieder Wachstumsraten verzeichnet werden können. Bereits drei Jahre hintereinander wurden fünf Milliarden Euro an Neugeschäften realisiert, mit Abschluss 2019 erwartet die Kontrollbank sogar rund 5,6 Milliarden Euro. Bei den Volumina erwartet der Vorstand zweistellige Wachstumsraten.

2019 gab es zwei Themenschwerpunkte. So wurde im Oktober ein neues Produkt platziert, Sustainability Bonds, mit sieben sozialen und vier grünen Kriterien, von denen Projekte hierfür zumindest eines davon erfüllen müssen. 500 Millionen Euro wurden dafür eingeplant, das sind 10 Prozent des Gesamtvolumens. Dabei betrug die Nachfrage gut das Dreifache, berichtet Angelika Sommer-Hemetsberger, das Interesse am Thema nachhaltige Finanzprodukte werde immer stärker, so die Vorständin.

Normalerweise können Investoren entsprechend der Exportquote zinsbegünstigt über die OeKB ihr Projekt (ab einem Investitionsvolumen von 2 Millionen Euro) refinanzieren, die liegt meist bei 60 Prozent. Nun, mit grünem oder sozialem Element, sind 80 Prozent möglich. In Sachen nachhaltige Produkte will die OeKB 2020 weitere neue Produkte auflegen - sofern passende Projekte gefunden werden.

Wirtschaftliche Abkühlung 2020 kein Grund zur Sorge

"Export Invest" ist auch für den Tourismus relevant, zählen Dienstleistungen für Ausländer volkswirtschaftlich ebenfalls in den Export hinein. Hier können etwa Hotels mit hoher ausländischer Nächtigungsquote ebenfalls Investitionen über die OeKB refinanzieren. Nach dem dritten Quartal 2019 gab es hier insgesamt ein Volumen von 600 Millionen Euro an Neuzusagen.

Trotz optimistischer Rück- und Ausblicke erwartet auch die OeKB eine wirtschaftliche "Abkühlung" für 2020, aber keine Rezessionen, so Bernkopf. Das Geschäft der Kontrollbank sei nicht konjunkturabhängig, die OeKB plante mit relativ stabilen Vorzeichen. Nach wie vor sind die großen Volkswirtschaften, wie Russland und China, stabile Partner für Österreichs Exportwirtschaft. Neuzusagen wie etwa in Brasilien, Vietnam, Indonesien, Ägypten und Mexiko bieten gute Entwicklungschancen für Österreichs Unternehmen. Bernkopf betont, dass es auch in Afrika schöne Einzelprojekte etwa im Bereich Infrastruktur, Energie, Müllverbrennung, Spitäler gebe. Der OeKB-Vorstand sieht aber noch viel mehr Potenzial und wünscht sich hier mehr Engagement.

Beim Schwerpunkt Digitalisierung wird ab Jänner 2020 die Zinsfestlegung täglich, anstatt wie bisher monatlich, festgelegt und online publiziert. Außerdem werde die Online-Plattform um weitere Services ausgebaut. So gibt es bereits seit kurzem eine Videoidentifikation für Kunden, die sich außerhalb Österreichs befinden. Auch die Kommunikation zwischen Kunden und Banken soll digitaler werden.