In wenigen Tagen endet bei einem der größten österreichischen Geldhäuser, der börsennotierten Erste Group Bank, die Ära des langjährigen Chefs Andreas Treichl (67). Per 1. Jänner übernimmt dann Bernhard Spalt (51) den Vorsitz im Vorstand. Dort war der aus Vorarlberg stammende Manager zuletzt schon Treichls Stellvertreter. Sein Vertrag als Vorstandschef läuft zunächst dreieinhalb Jahre - bis 30. Juni 2023.

Treichl hält auf seinen Nachfolger, dessen Bestellung bereits im September 2018 erfolgt war, große Stücke. In der Hauptversammlung der Bank Mitte Mai drang insbesondere die Botschaft durch, dass Spalt über profundes Know-how im Umgang mit Krisen verfüge. Treichl nannte ihn "seinen Wegbegleiter - vor allem in den wirklich schwierigen Zeiten". Sollte es in Zukunft einmal wieder grauer werden, sei mit Spalt jemand am Ruder, der alles schon einmal erlebt habe. Bei ihm sei die Bank in sicheren Händen, so Treichl.

Über das Risikomanagement in der Bank groß geworden

Spalt gilt als Urgestein der "Ersten", für sie ist der studierte Jurist bereits seit 28 Jahren tätig. 1991 begann er in der Rechtsabteilung, sechs Jahre später übernahm er dann die Leitung des Vorstandssekretariats, ehe er 1999 zur Erste-Bank-Tochter nach Prag ging. Da war Spalt nach der Akquisition der tschechischen Großsparkasse Ceská sporitelna bis 2002 für das Management von Problemkrediten zuständig.

2002 kehrte er nach Wien zurück, um federführend das Risikomanagement der gesamten Gruppe aufzubauen. In der Folge war Spalt von 2006 bis 2012 Risikovorstand der Erste Group. Danach hatte er als Risikomanager wieder mehrere Jahre im Ausland zu tun: von 2012 bis 2015 im Vorstand der Erste Bank Hungary, von 2015 bis 2016 im Vorstand der Slovenska Sporitelna und 2017 im Vorstand der rumänischen BCR (Banca Comerciala Romana).

Wieder heimgekehrt aus Osteuropa, war Spalt von 2018 bis Ende Juni Risikovorstand der Erste Bank Österreich, gleichzeitig aber auch für das strategische Risikomanagement in der Erste Group Bank, der Dachgesellschaft der Gruppe, verantwortlich. Ab Juli fungierte der Banker, der verheiratet und Vater einer Tochter ist, dort dann als Vizechef - quasi zur Einstimmung auf die Aufgaben seines zukünftigen Postens als CEO.

Den Sparstift wird Spalt vorerst nicht weglegen

Die Bank, die Treichl mit Jahreswechsel an Spalt "übergibt", hat wohl auch heuer einen Gewinn in Milliardenhöhe eingefahren (nach den ersten drei Quartalen waren es 1,23 Milliarden Euro). Um sie weiter auf Kurs zu halten, wurden kürzlich neue Fünfjahresziele ausgegeben, die Spalt nun umzusetzen hat. So soll etwa die bei Banken viel beachtete Kosten-Ertrags-Relation bis 2024 von zuletzt 58,6 auf 55 Prozent verbessert werden. Dabei geht es um Kosteneinsparungen - vor allem durch den Abbau von Filialen in Österreich und Osteuropa, deren Zahl seit dem Höhepunkt 2009 (3071) bereits um ein Viertel auf 2350 gesunken ist. Zum anderen ist der Ausbau des weniger zinsabhängigen Provisionsgeschäfts und der digitalen Vertriebswege geplant. Bis 2021 soll die Banking-Plattform "George" nach ihrer Installation in weiteren Ländern 6,5 statt zuletzt 5,3 Millionen Kunden haben.