Für den Wiener Aktienmarkt war 2019 ein gutes Jahr. Allerdings trübt ein Wermutstropfen die Bilanz, denn die Scharte vom Vorjahr konnte der ATX nicht ganz auswetzen. War Wiens wichtigster Börsenindex 2018 tief - um 19,7 Prozent - abgerutscht, so gab es heuer zwar ein schönes Plus von knapp mehr als 16 Prozent. Dies reichte aber nicht, das vorherige Minus komplett wettzumachen. Detail am Rande: Just die beiden letzten Handelstage 2019 bescherten dem ATX noch Verluste - von der erhofften Jahresendrally keine Spur. Sie verliefen für den Leitindex deshalb so enttäuschend, weil sie das heurige Jahresplus relativ stark verkleinerten - in Summe noch um mehr als einen Prozentpunkt.

- © M. Hirsch
© M. Hirsch

Was beim ATX 2019 ebenfalls zu beobachten war: Seine Performance hinkte anderen Aktienindizes in Europa und Übersee zum Teil deutlich hinterher. Der DAX in Frankfurt und der Dow-Jones-Index in New York etwa legten vergleichsweise stärker zu und erklommen noch vor kurzem sogar neue Rekordstände. Davon ist der ATX mit seinem jetzigen Niveau von 3186,94 Punkten freilich weit entfernt, sein Allzeithoch von gut 5000 Punkten liegt mehr als zwölf Jahre zurück. Von der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 hat er sich im Gegensatz zu vielen anderen Indizes demnach noch immer nicht vollständig erholt.

Wegen des Zinstiefs gab es
kaum Alternativen zu Aktien

Dass die Aktienbörsen für heuer fast rund um den Erdball eine positive Bilanz aufweisen, hat vor allem mit der Geldpolitik im Euroraum und den USA zu tun, die sich entgegen vorherigen Marktbefürchtungen weiterhin in einem expansiven Rahmen bewegte. In diesen beiden so wichtigen Wirtschaftsräumen verflüchtigten sich damit allfällige Rezessionsängste. Dennoch hat die Konjunktur weltweit, aber auch hierzulande doch deutlich an Fahrt verloren - nicht zuletzt wegen des Handelsstreits zwischen den USA und China sowie der nach wie vor bestehenden Unsicherheiten rund um den Brexit. Die Anleger bei Laune gehalten haben jedoch die anhaltend niedrigen Zinsen. Zu Aktien gab es für sie daher de facto kaum Alternativen.

Was die 20 ATX-Werte betrifft, so fuhren Anleger heuer am besten mit den Aktien der S-Immo (Jahresplus von 55,4 Prozent), gefolgt von Wienerberger (plus 47,8 Prozent), CA Immo (plus 35,4 Prozent) und OMV (plus 31,7 Prozent). Kursverluste gab es hingegen nur bei vier - besonders konjunktursensiblen - ATX-Titeln: bei FACC (Jahresminus von 14,7 Prozent), Schoeller-Bleckmann (minus 10,4 Prozent), Voestalpine (minus 4,5 Prozent) und Andritz (minus 3,0 Prozent).

Börsenausblick heimischer
Experten fällt positiv aus

Bei Raiffeisen sind die Experten auch für das Börsenjahr 2020 zuversichtlich. Risiken wie Handelskonflikte und Brexit sollten die Weltwirtschaft nicht mehr so stark bremsen wie zuletzt. Aus Sicht von Peter Brezinschek, dem Chefökonomen der Raiffeisen Bank International, ist jetzt die konjunkturelle Trendwende das bestimmende Thema an den Finanzmärkten. Die Aktienmärkte zelebrierten dies jedenfalls schon seit Anfang Oktober mit globalen Kurssteigerungen. Einen triftigen Grund dafür sieht Brezinschek vor allem darin, dass das Wirtschaftswachstum in Europa und den USA im dritten Quartal besser ausgefallen ist als erwartet und es da künftig noch weitere positive Überraschungen geben könnte.

Nach dem sehr guten Aktienjahr 2019 rechnet man bei Raiffeisen für das neue Jahr alles in allem aber mit niedrigeren Kursgewinnen. Die Rede ist von Zuwächsen im mittleren bis höheren einstelligen Prozentbereich, wobei die Giebelkreuzer Europa gegenüber den USA bevorzugen - unter anderem wegen der relativ günstigeren Bewertungen etlicher Einzelwerte.

Für die Wiener Börse geht der Chefanalyst der Erste Bank, Friedrich Mostböck, von einem weiteren ATX-Anstieg auf 3500 Punkte im neuen Jahr aus. In diesem Zusammenhang verweist der Aktienexperte insbesondere auf das aus seiner Sicht intakte Gewinnwachstum der ATX-Unternehmen und deren günstige ökonomische Verflechtung mit Osteuropa, aber auch auf die Unterbewertung vieler Aktientitel. Zum Kauf empfiehlt Mostböck eine Reihe von Werten, darunter S-Immo, Immofinanz, Raiffeisen Bank International, AT&S, FACC, Schoeller-Bleckmann sowie Do & Co.