Nach den traditionell fulminanten Ski-Openings, die teilweise schon Ende November über die Bühne gingen, sind die heimischen Wintersportregionen gut ins neue Jahr gestartet. "Wir hatten zu Silvester fast kein Zimmer mehr frei", sagt Mathias Schattleitner, Geschäftsführer der steirischen Tourismusregion Schladming-Dachstein.

Volle Häuser gab es aber nicht nur bei den Steirern: Für die Branche insgesamt seien das vergangene Weihnachten und Silvester von den Buchungen her die besten gewesen, die es je gab, berichtete Petra Nocker-Schwarzenbacher, Obfrau der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich (WKO), am Mittwochabend vor Journalisten. Jetzt sei etwas Zeit zum Durchatmen, bevor im Februar, wenn die Kinder in Wien und Niederösterreich die Semesterferien antreten, die zweite Urlauberwelle anrollt.

Die Touristiker sind nicht nur mit der Auslastung zufrieden, auch das neue Regierungsprogramm gibt Anlass zur Freude, ebenso wie die Wiederkehr von Elisabeth Köstinger als "Tourismusministerin", steht sie doch, wie berichtet, nun dem neuen Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (BMLRT) vor. Von Jänner 2018 bis Mai 2019 war Köstinger bereits Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus.

"Plan T" als Grundlage

Sie würde gerne dort weitermachen, wo sie aufgehört habe, so Köstinger. Einen Masterplan für den Tourismus, der 16 Prozent zum österreichischen Bruttoinlandsprodukt beiträgt und zusammen mit der Freizeitwirtschaft über 600.000 Menschen beschäftigt, gibt es bereits. Dieser "Plan T" soll weiterentwickelt werden.

Der Branche geht es vorrangig um Entlastungen, etwa in steuerlicher Hinsicht. Die im neuen Regierungsprogramm vorgesehene Senkung der Körperschaftsteuer (KöSt)von derzeit 25 auf 21 Prozent wird daher begrüßt.

Schon seit Jahren fordert die Bundessparte Tourismus auch die Verkürzung der Abschreibungsdauer auf Gebäude und Einrichtungen. Diese war im Zuge der Steuerreform 2015/2016 von 33 auf 40 Jahre erhöht worden. Im Regierungsprogramm ist in einem eigenen Tourismus-Kapitel davon die Rede, Abschreibungszeiträume an tatsächliche Nutzungsdauern anzupassen. Susanne Kraus-Winkler, Obfrau des Fachverbandes Hotellerie in der Wirtschaftskammer, sieht 25 Jahre als gerechtfertigte Abschreibungsdauer für Immobilien. Böden, Bäder und Installationen bei Neubauten und Wellness- und Freizeitinfrastruktur sollten auf 15 Jahre abschreibbar sein.

Einige weitere, den Tourismus betreffende Punkte im Koalitionspakt: Senkung von Lohnnebenkosten, Weiterentwicklung der Österreich Werbung (ÖW) und weitere Stärkung der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank, Unterstützung der besonders durch den Klimawandel bedrohten Regionen in Richtung ganzjähriger Tourismuskonzepte und Vermeidung von Overtourism.

Mehr Gerechtigkeit

Auch für eine faire Wettbewerbssituation soll gesorgt werden: Unter dem Motto "Mehr Gerechtigkeit für den Tourismus" soll neben der Aufzeichnungspflicht für Plattformen auch eine Registrierungspflicht für alle touristischen Vermieter eingeführt werden. Auf Online-Buchungsplattformen sollen nur beim Finanzministerium registrierte Unterkünfte angeboten werden dürfen.

Um den Fachkräftemangel im Tourismus zu bekämpfen, sollen unter anderem bestehende Jahreskontingente für Saisonniers bedarfsgerecht angepasst werden.

Laut einer Umfrage, die das Market Institut in der ersten Dezemberhälfte 2019 durchgeführt hat, war etwa jeder sechste befragte Betrieb der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft noch auf der Suche nach Personal. Vor allem die größeren Unternehmen hatten noch Bedarf.(ede)