Vom 2. bis 5. März finden die Wirtschaftskammerwahlen statt. Der Wirtschaftsbund startet am Mittwoch in einer Eishockeyarena in den Wahlkampf: Wirtschaftsbund- und Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer bekommt Rückendeckung von Kanzler Sebastian Kurz und Finanzminister Gernot Blümel (alle ÖVP) - umrahmt von der Eisrevue "Holiday on Ice".

Die Teilorganisation der ÖVP fordert den Bürokratieabbau und die Stärkung des Unternehmertums, zudem sollen Selbständige mehr gefördert werden. In Wien soll es nach Ansicht des Wirtschaftsbundes ein neues Parkpickerlmodell geben und der Standort gegenüber dem Online-Handel gestärkt werden. Der Wiener Wirtschaftsbund-Chef Walter Ruck fordert zudem, den Arztbesuch-Selbstbehalt für all jene Unternehmerinnen und Unternehmer zu streichen, die gesund leben und am SVS-Präventionsprogramm "Selbstständig Gesund" teilnehmen.

Der Sozialdemokratische Wirtschaftsverband lässt mit der Forderung nach einer progressiven Körperschaftssteuer aufhorchen. Denn von der im türkis-grünen Regierungsprogramm vorgesehenen Körperschaftssteuersenkung von 25 auf 21 Prozent profitierten hauptsächlich die Großkonzerne: Mehr als drei Viertel der 1,6 Milliarden Euro gehen an Unternehmen, die über eine Million Euro Gewinn erwirtschaften. Der SWV fordert stattdessen konkrete Maßnahmen zur Förderung der Ein-Personen-Unternehmen sowie der Klein- und Mittelunternehmen. Durch eine progressive Körperschaftsteuer (KÖSt) sollten kleinere Gewinne stärker entlastet werden, während Unternehmen mit Gewinnen ab 500.000 Euro durch einen höheren KÖSt-Satz stärker in die Verantwortung gezogen werden, fordert SWV-Präsident Christoph Matznetter.

"Kompliziertes Kammerwahlprozedere"

Die Grüne Wirtschaft will nun nach der Regierung auch die Wirtschaftskammer bundesweit ergrünen lassen. Österreichweit trete man mit mehr als 1500 Kandidaturen in fast allen Branchen an. Jetzt gelte es, die zahlreichen Kandidaturen auch mit einem entsprechenden Wahlergebnis "nach Hause zu holen", wünscht sich die Bundessprecherin der Grünen Wirtschaft, Sabine Jungwirth. Kritik übt sie am "komplizierten Kammerwahlprozedere". Das beginne bereits bei den Wahlterminen, die zwar alle zwischen 2. und 5. März, aber in jedem Bundesland an unterschiedlichen Tagen stattfinden würden.

Die Freiheitliche Wirtschaft (FW) tritt österreichweit mit mehr als 2500 Kandidaten an. Dabei soll das "freie Unternehmertum" im Mittelpunkt stehen, so der Bundesobmann der Freiheitlichen Wirtschaft (FW) und WKÖ-Vizepräsident Matthias Krenn. Mit dem aus der Wirtschaft kommenden FPÖ-Bundesparteiobmann Norbert Hofer setze man auf Bürokratieabbau, Steuersenkungen, Innovation und Intensivierung der betrieblichen Ausbildung als Alternative zur Rot-Weiß-Rot-Karte, also zur Zuwanderung.

Die Gruppe Neos-Unternehmerisches Österreich (Unos) tritt bei den Wirtschaftskammerwahlen erstmals bundesweit mit mehr als 300 Kandidatinnen und Kandidaten in mehr als 100 Fachgruppen an. "Die Wirtschaftskammer erstickt Unternehmergeist in Bürokratie", kritisiert Spitzenkandidat Michael Schuster. Er fordert die Halbierung der Kammerbeiträge und des Verwaltungsapparates, die Abschaffung der Kammerumlage 2 und die Modernisierung und Aufwertung der Lehre.