Die Autobranche gibt sich im Vorfeld der Vienna Autoshow verunsichert wegen der möglichen Verkehrspolitik der Grünen in der neuen türkis/grünen Bundesregierung. "Die bisherigen Wortmeldungen der Grünen lassen bei uns die Alarmglocken schrillen", sagt Günther Kerle, Sprecher der Automobilimporteure. Der Sprecher befürchtet eine Erhöhung der Dieselbesteuerung und der Normverbrauchsabgabe (NoVA) - die Abgabe wird fällig, wenn ein Kraftfahrzeug in Österreich an Kunden geliefert wird, oder zum ersten Mal zum Verkehr in Österreich zugelassen wird.

Der ebenfalls anwesende ÖVP-Verkehrssprecher Andreas Ottenschläger betonte, dass noch nichts fix ist. "Es steht nirgends, dass der Diesel in der Sekunde teurer werden soll", sagt Ottenschläger. Für die Ökologisierung gebe es nur eine Vorgabe - es dürfe in Summe nicht zu einer Mehrbelastung kommen. Zur Kritik am Plan der Regierung, den Tanktourismus einzudämmen, kalmierte der Verkehrssprecher. Hier könnten Österreich zwar Millionen an Steuerentnahmen entgehen, dem würden aber mögliche Strafzahlungen durch die Nicht-Einhaltung der CO2-Ziele gegenüberstehen.

E-Ladestation: Im Jahr 2030 könnten laut einer Studie weltweit erstmals mehr Autos mit Elektro-Antrieben als mit Verbrennungsmotoren verkauft werden. - © APAweb / Hans Punz
E-Ladestation: Im Jahr 2030 könnten laut einer Studie weltweit erstmals mehr Autos mit Elektro-Antrieben als mit Verbrennungsmotoren verkauft werden. - © APAweb / Hans Punz

Skeptische
Kunden

War es in früheren Jahren der Druck der Autohersteller auf die Händler, mehr Tageszulassungen durchzuführen, so gab es heuer leise Kritik an den hohen Anforderungen der Industrie an den Handel bezüglich Marketing und Ausstattung der Händler.

Bei einer Umsatzrendite unter einem Prozent lasse sich kaum ein betriebswirtschaftlich gesundes Unternehmen darstellen, so Klaus Edelsbrunner, Obmann des Fahrzeughandels in Österreich. Dass dazu noch der Fachkräftemangel und die Verunsicherung der Kunden bezüglich der Zukunft der Verbrennungsmotoren komme, mache die Situation nicht einfacher.

Der VCÖ wiederum erinnerte daran, dass die erhoffte "Diät" bei den Autos nicht stattgefunden habe. "Um die Klimaziele erreichen zu können, müssen emissionsfreie, schlanke und energiesparende Fahrzeuge rasch der Standard werden", betonte VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen.

Heute startet die 14. Vienna Autoshow in der Messe Wien. Große Anbieter wie Toyota, Fiat, Mazda, Volvo, Citroen und Nissan fehlen jedoch. 40 Marken und 330 Neuwagen werden bis 19. Jänner vorgestellt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf E-Antrieben.

Benziner und Diesel
vor der Ablöse

Sie könnten Benziner und Diesel bald ablösen. Im Jahr 2030 könnten laut einer Studie weltweit erstmals mehr Autos mit Elektro-Antrieben als mit Verbrennungsmotoren verkauft werden. Die Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) rechnet dabei batteriebetriebene Wagen und Fahrzeuge mit Hybrid-Antrieben zusammen.

Treiber für die Entwicklung seien der Druck durch Vorgaben der Regulierer zum Schadstoffausstoß und sinkende Batteriekosten. So dürfte der Batteriepreis zwischen 2014 und 2030 um 80 Prozent fallen, so die Prognose.

Der Anteil verschiedener Typen von Fahrzeugen mit Elektromotoren werde dabei von Region zu Region unterschiedlich sein, betonen die BCG-Experten. So werde in China und Europa zum Jahr 2030 gut jedes vierte neue Fahrzeug nur mit Batterien betrieben werden, während der Anteil von Wagen mit Benzinmotoren auf rund ein Drittel sinken werde. In den USA dürften dagegen nach der Prognose Benziner dann noch auf einen Anteil von 47 Prozent bei Neuwagen kommen - und reine Batterie-Antriebe auf gut ein Fünftel.