Inmitten des internationalen Handelsstreits und der Wirren um den Brexit sind die heimischen Warenausfuhren 2019 um 2,5 Prozent auf 153,9 Milliarden Euro weiter gestiegen, wie aus ersten Prognosen der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) hervorgeht. Das Wachstum war damit aber deutlich gebremst, denn 2018 hatten die Exporte laut Statistik Austria noch um fast 6 Prozent auf 150,1 Milliarden Euro zugelegt.

"Seit Beginn der 2000er Jahre haben wir 121 Prozent Exportwachstum - das muss uns einmal jemand nachmachen", betonte WKÖ-Präsident Harald Mahrer am Mittwoch. 50 Prozent aller Arbeitsplätze in Österreich hingen am Export. "Die Lage der österreichischen Exportwirtschaft ist sehr rosig", meinte Mahrer. "Wir sind eigentlich überall im Plus, es gibt keine großen Einbrüche."

Auch die Lieferungen an den EU-Austrittskandidaten Vereinigtes Königreich hätten 2019 noch einmal um rund 10 Prozent zugelegt - nach einem relativ schwachen Jahr 2018. "Es könnte besser sein, aber wir sind zufrieden, wie stabil es ist, und glauben, dass es mit einem guten Abkommen (mit der EU, Anm.) so weitergeht", sagte Mahrer mit Blick auf den am Freitag anstehenden Brexit und die Übergangsphase bis Ende 2020, in der sich vorläufig nichts ändert. "Ich glaube, dass wir dort relativ gut im Geschäft bleiben." Die Briten gehören zu den Top-10-Zielländern für heimische Waren - sie rangieren auf Platz neun und somit vor China.

Deutschland größter Kunde

Deutliche Bremsspuren bei den zahlreichen österreichischen Kfz-Zulieferbetrieben hinterlässt allerdings der Nachfrageeinbruch in der Automobilindustrie. "Wir haben ein Thema in der Automobilindustrie. Die Frage ist, welche Antriebstechnologie wird sich in Zukunft durchsetzen, ob Elektro, Wasserstoff oder eine andere", sagte Mahrer. "Das weiß die Autoindustrie, und die macht große Umbauarbeiten." Man müsse dem Zeit geben. "Da wir Zulieferer - speziell für Deutschland - sind, haben wir da einen gewissen Betroffenheitsgrad", so der WKÖ-Chef. "Die Exporterfolge könnten größer sein, hätten wir dort bessere Zahlen."

Der Großteil der heimischen Ausfuhren geht nach Deutschland. Dorthin wurden im abgelaufenen Jahr rund viereinhalb Mal so viele österreichische Produkte geliefert wie in den auf Platz zwei folgenden Zielmarkt USA. Zu den Top-5-Exportmärkten gehören weiters Italien, die Schweiz und Frankreich. Rang sechs, sieben und acht belegen die osteuropäischen Länder Ungarn, Tschechien und Polen.

Plus bei Dienstleistungen

Österreichs wichtigste Exportgüter sind Maschinenbauerzeugnisse und Fahrzeuge (40 Prozent), bearbeitete Waren (21 Prozent) und chemische Erzeugnisse (14 Prozent).

Die vorliegende Exportstatistik bezieht sich nur auf Warenausfuhren. Zu diesem Volumen von knapp 154 Milliarden Euro addieren sich 2019 noch Dienstleistungen im Wert von 65 Milliarden Euro (plus 3,5 Prozent). Das wichtigste Exportgut bei den Dienstleistungen war der Tourismus mit 31 Prozent Anteil.(apa/kle)