Trotz schwächerer Konjunktur ist die Arbeitslosigkeit in Österreich im Jänner erneut gesunken. Die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer sank im Vergleich zum Vorjahr um 2,9 Prozent auf 420.701 Personen. Verantwortlich dafür ist die gute Lage am Bau und im Tourismus, beide profitieren vom wärmeren Wetter. AMS-Vorstand Herbert Buchinger rechnet für heuer allerdings mit mehr Arbeitslosen.

Ende Jänner 2020 standen beim AMS 71.582 sofort verfügbare offene Stellen zur Verfügung, um vier Prozent (+2.759) mehr als im Vorjahresmonat. Damit gibt es rund sechs Mal mehr Arbeitslose und Schulungsteilnehmer als offene Stellen, rechnerisch kommen 5,9 Arbeitslose auf eine offene Stelle. Insgesamt konnten 2020 bereits 54.248 Personen aus AMS-Vormerkung heraus wieder Arbeit aufnehmen.

Trotz schwächerem Wirtschaftswachstum ist die Beschäftigung zum Jahresauftakt 2020 gestiegen: Geschätzte 3,752.000 Personen, um 35.000 bzw. 0,9 Prozent mehr als im Jänner 2019, befanden sich Ende Jänner 2020 in unselbstständigen Beschäftigungsverhältnissen.

Stagnation in Vorarlberg

Rückgängig war die Arbeitslosigkeit in acht Bundesländern, lediglich in Vorarlberg stagnierte sie. Rückgängig war die Arbeitslosigkeit (inklusive Schulungen) sowohl bei Inländern (-4,0 Prozent) als auch bei Ausländern (-0,8 Prozent). Bei Jugendlichen unter 25 Jahren sank die Zahl um 4,5 Prozent, im Haupterwerbsalter (25 bis 49 Jahre) um 4,0 Prozent. Bei Älteren ab 50 Jahren stieg sie geringfügig um 0,1 Prozent.

Nach Branchen betrachtet ist die Bauarbeitslosigkeit (Arbeitslose plus Schulungsteilnehmer) um 7,2 Prozent sehr stark gesunken. In der Beherbergung und Gastronomie und im Gesundheits- und Sozialwesen ging die Arbeitslosigkeit jeweils um 2,2 Prozent zurück, in der Arbeitskräfteüberlassung um 2,0 Prozent und im Handel um 1,5 Prozent. In der Warenproduktion stieg die Arbeitslosigkeit hingegen - wie bereits in den Vormonaten - um 2,2 Prozent an.

Die Arbeiterkammer (AK) wendet sich gegen mehr Druck auf Arbeitslose. Mehr Druck verbessere nicht die Vermittlungsergebnisse, sondern verdränge die Arbeitslosen endgültig vom Arbeitsmarkt. Stattdessen brauche es mehr und bessere Unterstützung bei der Arbeitssuche. Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl spricht sich klar gegen verschärfte Zumutbarkeitsregeln und noch härtere Sanktionen aus. Arbeitsuchende seien bereit, sich auch in andere Bundesländer vermitteln zu lassen, freiwillig und wenn die Rahmenbedingungen passen: anständige Bezahlung, passender Wohnraum und ein gutes Lebensumfeld für die Familie, also etwa entsprechendes Kinderbetreuungs- und Schulangebot oder auch Jobmöglichkeiten für Partner und anderes mehr.

Die Industriellenvereinigung (IV) will eine Entlastung des Faktors Arbeit und eine Gesamtstrategie für qualifizierte Zuwanderung, um Fachkräfte für Österreich zu gewinnen. In Zeiten niedrigeren Wirtschaftswachstums könne die Politik mit einer weiteren Entlastung des Faktors Arbeit am wirksamsten gegensteuern und einen wichtigen Beschäftigungsanreiz setzen, so IV-Generalsekretär Christoph Neumayer. Konkretes Entlastungspotenzial ohne Leistungseinbußen für Unternehmen sowie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ortet die Industrie im Bereich der Unfallversicherung. So sei die Zahl der Arbeitsunfälle seit 1990 um mehr als 40 Prozent gesunken.

Kritik an Bundesregierung

SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch kritisierte das Schweigen der Bundesregierung. "Wenn es um Milliarden an Steuergeschenken für die Wirtschaft geht, hagelt es positive Presseaussendungen von ÖVP-Ministerien, wenn es um Arbeitslose geht, herrscht bei der gesamten Bundesregierung Stille im Wald", wettert Muchitsch. Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) habe sich weder zu den aktuellen Arbeitsmarktdaten geäußert noch zur Prognose des AMS für das laufende Jahr, wonach die Arbeitslosenzahl um 10.000 steigen wird. Österreich habe jetzt eine Arbeitsministerin, "die das alles überhaupt nicht kümmert." Es brauche eine Qualifizierungsoffensive für Mangelberufe wie die Pflege und eine Beschäftigungsoffensive für ältere Arbeitssuchende.

Auch NEOS nahm zu den Arbeitsmarktdaten in einer Aussendung Stellung. Wer die Arbeitsmarktchancen nachhaltig verbessern möchte, der müsse die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer qualifizieren, ist NEOS-Sozialsprecher Gerald Loacker überzeugt: "Nur auf Mobilität zu setzen, ist zu wenig. Wir müssen in Fort- und Weiterbildungen investieren, damit die Menschen aus eigener Kraft am Arbeitsmarkt bestehen können." Die Umsetzung eines Bildungskontos sei dringend notwendig und sollte nicht auf die lange Bank geschoben werden. (apa)