Wie Riesen stecken sie in der Landschaft. Gemächlich drehen sich ihre Rotorblätter. Politiker preisen sie als Klimaretter an. Denn sie verpesten die Luft nicht mit klimaschädlichen Gasen und liefern Strom für tausende Haushalte. Wind steht außerdem unbegrenzt zur Verfügung. Ein lachendes Windrad - gäbe es ein besseres Maskottchen für die "Fridays for Future"-Bewegung?

Kohle ist schmutzig, Atomenergie gefährlich, Windenergie sauber, so das Credo. Das letzte Kohlekraftwerk in Österreich schließt 2020, der Atomkraft erteilte die Bevölkerung bereits 1978 eine Absage. Windkraft hingegen spielt eine Schlüsselrolle im Kampf gegen die Klimakrise. Experten sehen in Wind und Photovoltaik die größten Potenziale. Bis 2030 sollen nachhaltige Energieträger wie Wasser, Wind, Sonne, Erdwärme und Biomasse den gesamten Stromverbrauch decken. 72 Prozent der elektrischen Energie liefern sie bereits heute.

Die Energiewende birgt eine gewaltige Herausforderung für die türkis-grüne Regierung. Dutzende Wasserkraftwerke müssen gebaut, hunderte Windräder aufgestellt und hunderttausende Photovoltaikanlagen errichtet werden - in nur zehn Jahren. Die Regierung muss einerseits den Ausbau finanzieren. Andererseits muss die Bevölkerung ihren Sanctus geben, wenn ein neues Windrad oder PV-Anlagen gebaut werden. Und schließlich soll alles auch noch ökologisch und naturverträglich über die Bühne gehen. Ein unmögliches Unterfangen?

1349 Windräder stehen Ende 2019 in ganz Österreich. Sie decken elf Prozent des gesamten Stromverbrauchs, rund 7 Terrawattstunden (TWh). Laut Regierungsprogramm sollen zusätzlich 10 TWh hinzugebaut werden. Der Anteil der Windkraft muss sich also mehr als verdoppeln. Um eine Vorstellung von den Dimensionen zu bekommen: Eine TWh entspricht einer Milliarde Kilowattstunden. Diese Energie würde genügen, um 10 Millionen Zwei-Personen-Haushalte ein Jahr lang mit Strom zu versorgen. In Windräder übersetzt, müssten theoretisch 120 pro Jahr errichtet werden.

Windkraft kämpft mit Flaute

Alle drei Tage ein Windrad also. Theoretisch. In der Praxis ist man meilenweit davon entfernt. Denn der Ausbau der Windkraft ist zum Erliegen gekommen. 2014 erreichte die Branche ihren vorläufigen Höhepunkt mit 141 neu installierten Anlagen mit einer Leistung von 407 Megawatt. Doch seither geht es steil nach unten. Vergangenes Jahr wurden 33 Anlagen (abzüglich Abbau) mit 120 Megawatt in Betrieb genommen. Für 2020 rechnet die Windbranche mit lediglich neun neuen Windrädern. Eine vom Verband in Auftrag gegebene Studie prognostiziert für 2030 insgesamt 2319 Windkraftanlagen. Nicht alle müssten komplett neu gebaut werden. Etwa ein Viertel kann durch "Repowering", also durch eine Erneuerung der Komponenten, aufgerüstet werden.

Die Ursache für den schleppenden Ausbau liegt in den Fördermechanismen. Ein Windrad wird nicht von heute auf morgen in die Landschaft gepflanzt. Die Betreiber müssen Anträge stellen, Genehmigungen von Gemeinden einholen, auf die Zustimmung der Bürger hoffen. Erst dann können sie Förderungen beantragen. Hierin liegt der Knackpunkt. Denn die Fördertöpfe sind schnell leer. Die Windkraftbetreiber haben aber mehr Projekte eingereicht als finanziert werden können. Sie hängen in der Warteschleife. Dass mehrere Jahre vergehen, bis eine Windkraftanlage errichtet werden kann, ist keine Seltenheit. Die Branche klagt über "dramatisch lange Wartezeiten". Sie wirft der Politik vor, den Ausbau aktiv zu verzögern.

Das derzeitige Fördersystem hat Mängel. "Es ist nicht mehr adäquat, um das Ziel 100 Prozent erneuerbarer Strom bis 2030 zu erreichen" sagt die Energieexpertin Dorothea Herzele von der Arbeiterkammer.

Der Hintergrund: Als mit der Erzeugung von Ökostrom, wie zum Beispiel durch Windkraft, in Österreich begonnen wurde, war dieses System sinnvoll, um möglichst rasch viele Anlagen in den Markt zu bekommen. So bekommen Windkraftbetreiber etwa garantiert für 13 Jahre fixe Einspeisetarife für jede Kilowattstunde Strom. Die Politik kann den bisherigen Ausbau zwar als Erfolg verbuchen. Allerdings steht das Stromnetz vor enormen Herausforderungen.