Moskau. Nach dem Baustopp an der umstrittenen Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 hat Russland jetzt sein eigenes Spezialschiff für die Verlegung von Gasröhren in Bewegung gesetzt. Die "Akademik Tscherski" legte vom Hafen Nachodka im äußersten Osten Russlands im Japanischen Meer ab und nahm zunächst Kurs nach Süden, wie auf Schiffsradaren im Internet am Montag zu sehen war. Laut dem Radar Vesselfinder.com soll das Schiff des russischen Gasriesen Gazprom am 22. Februar in Singapur ankommen.

Russland hatte erklärt, dass die "Akademik Tscherski" die durch US-Sanktionen gestoppte Pipeline in der Ostsee fertigstellen könne. Das mit rund zehn Milliarden Euro veranschlagte Projekt, an dessen Finanzierung neben Gazprom auch andere europäische Energiekonzerne wie die OMV beteiligt sind, ist nach Angaben des Energieministeriums in Moskau zu 94 Prozent fertig. Es fehlten noch rund 160 Kilometer an Röhren, damit die Leitung mit zwei Strängen von insgesamt 2400 Kilometern vollständig sei.

Schweizer Firma beendete
Arbeiten auf Druck der USA

Die Schweizer Firma Allseas, die mit Spezialschiffen Rohre in der Ostsee verlegt hatte, stellte Ende 2019 ihre Arbeiten aufgrund der US-Sanktionen ein. Die USA warnen vor zu großer Abhängigkeit der EU von russischem Gas. Sie wollen das Projekt verhindern und eigenes Flüssiggas, das mehr kostet als russisches Leitungsgas, in Europa verkaufen.

Ursprünglich hätte die Leitung bereits Ende 2019 fertig sein sollen. Deutschland, wo Nord Stream 2 anlanden soll, hatte die Sanktionen der USA kritisiert. Mehrere EU-Staaten, darunter Polen, sind gegen das Projekt, weil sie einen zu starken Einfluss Russlands auf dem Energiemarkt befürchten. Sie unterstützen die US-Position.

Kremlchef Wladimir Putin hatte im Jänner gesagt, dass Russland das Projekt aus eigener Kraft fertigstellen könne - bis Ende 2020 oder Anfang 2021. Es dauert mehrere Wochen, bis die "Akademik Tscherski" in der Ostsee ist. Russland hatte außerdem Gegensanktionen angekündigt, die aber bisher ausblieben.(dpa/kle)