Über einen mangelnden Zustrom an Gästen brauchen sich Österreichs Tourismusbetriebe nicht zu sorgen, betrachtet man die Entwicklung der Ankünfte und Nächtigungen. Die große Herausforderung ist es, Mitarbeiter für die Branche zu gewinnen, vor allem im Westen Österreichs. Nun sollen noch vor Beginn der Sommersaison Schritte gegen den Arbeitskräftemangel gesetzt werden.

Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer und die Ministerinnen Elisabeth Köstinger (Tourismus), Christine Aschbacher (Arbeit) und Margarete Schramböck (Wirtschaft) präsentierten am Donnerstag in einem Pressegespräch nach einem "Arbeitsmarktgipfel Tourismus" ein Bündel an Maßnahmen, das den Betrieben die dringend benötigten Mitarbeiter verschaffen soll.

Den Anfang macht eine Jobbörse für Asylberechtigte am 3. März in der Wiener Gösserhalle. Rund 35 bis 40 Unternehmen, die Personal suchen, werden vor Ort sein. Derzeit leben in Österreich rund 30.000 arbeitslose Asylberechtigte. Arbeitsministerin Aschbacher erwartet, dass über 1000 von ihnen zur Jobbörse kommen werden.

Überregionale Vermittlung von Arbeitskräften

Derzeit sind viel mehr Menschen im Tourismus als arbeitslos gemeldet, als es offene Stellen gibt - mit starkem Ost-West-Gefälle. Die überregionale Vermittlung von Fachkräften soll daher verstärkt werden. Für das Projekt "b.mobile" stehen für 2020 und 2021 insgesamt 2,5 Millionen Euro zur Verfügung, so Ministerin Schramböck. Sie will auch die Rot-Weiß-Rot-Card überarbeiten lassen, damit Fachkräften aus dem Ausland der Zugang zum heimischen Jobmarkt erleichert wird.

Damit Tourismusbetriebe etwa in Mitarbeiterunterkünfte investieren können, sollen die Förderungen über die Österreichische Hotel- u. Tourismusbank auf neue Beine gestellt werden, so Mahrer.

Laut Wirtschaftskammer leiden rund 80 Prozent der heimischen Tourismusbetriebe unter starkem Mitarbeitermangel, und mehr als die Hälfte der Betriebe im Tourismus würden bereits über Umsatzeinbußen klagen, weil sie der touristischen Nachfrage wegen Personalmangels nicht nachkommen konnten. Laut Berend Tusch, Vorsitzender für den Fachbereich Tourismus in der Gewerkschaft Vida, ist dies den schlechten Arbeitsbedingungen in der Branche und der geringen Wertschätzung für die Mitarbeiter zuzuschreiben, was Mahrer vehement zurückwies.

Zuvor hatte Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl wissen lassen, dass es schade sei, dass Arbeitnehmervertreter nicht zum Tourismusgipfel in der Wirtschaftskammer eingeladen wurden, denn sie könnten "sehr viel einbringen, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Dann müssten die Unternehmen auch nicht mehr über Fachkräftemangel klagen", so Anderl. Mahrer betonte, das Treffen sei "kein Sozialpartnergipfel gewesen".(ede)