In der Causa Casinos Austria gibt es neue Details zu den hohen Gagen der (Ex-)Manager. Der frühere langjährige Chef Karl Stoss bekam für seine sechsmonatige Beratertätigkeit laut der Tageszeitung "Österreich" 214.000 Euro. Sein zweijähriger Konsulentenvertrag wurde vorzeitig beendet, der hätte 150.000 Euro brutto im Jahr für vier Arbeitsstunden pro Woche vorgesehen.

Laut dem am 18. Mai 2017 geschlossenen Vertrag sollte Stoss nach seinem Pensionsantritt am 1. Juli 2017 eine Konsulententätigkeit für die teilstaatlichen Casinos übernehmen. Vertragsbeginn war der 1. Jänner 2018, die Vergütung betrug jährlich 150.00 Euro brutto - für ein Zeitvolumen, das 10 Prozent einer Vollzeittätigkeit nicht überschreiten sollte. Das sind also maximal vier Wochenstunden oder 16 Arbeitsstunden im Monat.

Für die Dauer der Konsulententätigkeit sollte Stoss (63) eine "angemessene Infrastruktur (Büro, Sekretariat etc.) zur Verfügung gestellt werden, außerdem "ein Dienstwagen samt Fahrer". "Herr Dr. Stoss ist berechtigt, den Pkw samt Chauffeur auch für private Zwecke zu nutzen. Diese Regelung gilt allerdings nur, solange er aktiv eine Konsulententätigkeit ausübt, längstens aber für 24 Monate", heißt es in dem Vertrag.

Vertrag Mitte 2018 aufgelöst

Stoss sollte neben dem Konsulentenhonorar auch einen "angemessenen Aufwandersatz" insbesondere für Reisekosten bekommen, im "Umfang, wie es ihm auch auf Basis seines Vorstandsvertrages vom 21.12.2010 zugestanden ist". Der Vertrag wurde von Stoss und von "Roth..." (die Signatur ist schwer lesbar) unterschrieben. Casinos-Aufsichtsratschef ist Walther Rothensteiner.

Stoss’ Konsulententätigkeit wurde aber schon per 30. Juni 2018 mittels "Aufhebungsvereinbarung" einvernehmlich gestoppt. Für die Beendigung seiner sechs Monate dauernden Beratertätigkeit bekam Stoss zu den bereits erhaltenen 64.000 Euro noch eine "einmalige Pauschalentschädigung" von 150.000 Euro plus 20 Prozent Umsatzsteuer. "Diese Entschädigung ist gemeinsam mit der noch offenen Bonusdifferenz für das Geschäftsjahr 2017, spätestens jedoch am 30.06.2018, auszubezahlen", heißt es in der Vereinbarung, die mit 10. April 2018 datiert ist. Als Grund für die Auflösung des Konsulentenvertrages werden "geänderte Rahmenbedingungen" genannt.

Bestätigung von den Casinos

Die Casinos bestätigten, dass der Stoss’ Konsulentenvertrag vorzeitig beendet wurde - "unter Generaldirektor Alexander Labak, mit dem Ziel, etwas einzusparen", sagte ein Casinos-Sprecher. Daneben bekommt Stoss laut früheren Medienberichten von den Casinos eine jährliche Betriebspension von rund 550.000 Euro brutto, zusätzlich zu seiner gesetzlichen Pension. Dazu äußerten sich die Casinos nicht.

Die Gagen und Pensionen der (früheren) Casinos-Vorstände haben in jüngster Zeit immer wieder für Wirbel gesorgt - ebenso millionenschwere Ablösezahlungen. Auch in den Casinos-Ermittlungen der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft spielen die Abfertigungen eine Rolle. Labank, Stoss’ Nachfolger an der Casinos-Spitze, hat den Beratervertrag von Stoss bei seiner Einvernahme als Zeuge im Dezember 2019 thematisiert.

Kern der strafrechtlichen Ermittlungen in der Casinos-Affäre ist die Frage, ob für die Bestellung des Ex--FPÖ-Bezirkspolitikers Peter Sidlo zum Casinos-Finanzchef der niederösterreichischen Novomatic Glücksspiellizenzen in Aussicht gestellt wurden. Bei den Ermittlungen kam es zu Razzien - unter anderem bei Ex-Vizekanzler und Casinos-Aufsichtsrat Josef Pröll (ÖVP), Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) und Novomatic-Eigentümer Johann Graf. Alle elf Beschuldigten bestreiten die Vorwürfe, es gilt die Unschuldsvermutung. Sidlo wurde als Finanzvorstand schon nach sieben Monaten wieder abberufen, er hat die Casinos auf Auszahlung seines Vertrags geklagt - Streitwert: 2,3 Millionen Euro. Der erste Termin am Wiener Handelsgericht ist für 8. Mai angesetzt.(apa)