Die Wirtschaftskammer bereitet wegen des Ausbruchs des Coronavirus Kurzarbeit in Reisebüros vor. Der zuständige Fachverband sei dazu in Gesprächen mit der Gewerkschaft GPA-djp, sagte WKO-Generalsekretär Karlheinz Kopf am Mittwoch in einer Pressekonferenz. Das Geschäft der Reisebüros mit österreichweit rund 10.000 Mitarbeitern sei "nahezu zum Erliegen gekommen", Buchungen "dramatisch eingebrochen". Später wurde präzisiert, dass sich diese Aussagen auf Unternehmen bezogen, die im China-Incoming-Geschäft tätig seien.

Veranstalter von Gruppenreisen sind laut WKO am stärksten vom Coronavirus betroffen. Das Geschäft mit chinesischen Touristen sei nahezu zum Erliegen gekommen. Betroffen seien auch Busreisen nach Venedig.

Laut Thomas Wolf, Geschäftsführer des Fachverbands der Reisebüros in der WKO, sind die Gespräche mit der Gewerkschaft über Kurzarbeit eine "reine Vorsichtsmaßnahme". Es habe entsprechende Anfragen von besonders betroffenen Betrieben gegeben. Das seien vor allem Asienspezialisten und Nischenanbieter. Große, breit aufgestellte Unternehmen wie TUI betreffe das weniger, erklärte Wolf. Es sei überhaupt kein Thema, dass das alle machen. Auch bei SARS und 9/11 habe es solche Rahmenvereinbarungen für Kurzarbeit gegeben.

Bei TUI, dem größten Reiseveranstalter des Landes, hieß es: "Es läuft alles ganz normal in den Reisebüros." TUI-Österreich-Sprecherin Kathrin Limpel sagte zur Apa: "Bis zur letzten Woche sind die Buchungen ganz normal gelaufen." Jetzt gebe es natürlich eine Zurückhaltung, und der Kundenverkehr sei geringer.  Man werde aber die Entwicklung genau beobachten. "Wir hatten in den letzten Jahren schon mehrere Krisen. Wir haben nie am Tag zwei gesagt, jetzt treffen wir so drastische Maßnahmen", so Limpel. TUI hat in Österreich rund 630 Mitarbeiter und 66 eigene Reisebüros. TUI-Reisen werden aber auch in anderen Reisebüros verkauft.

Auch bei Österreichs größtem Tourismuskonzern, dem Verkehrsbüro, sind Kurzarbeitsmaßnahmen " definitiv kein Thema", sagte Sprecherin Andrea Hansal. In den 110 Ruefa-Reisebüros, die zum Verkehrsbüro gehören, arbeiten rund 500 Beraterinnen und Berater.

Laut Wirtschaftskammer wird derzeit geklärt, ob sich das Instrument der Kurzarbeit auch für kleinere Betriebe eignet. Wenn das geregelt sei, könne die Kurzarbeit in ein oder zwei Wochen umgesetzt werden, sagte Kopf. Ob Kurzarbeit wegen des Coronavirus auch in anderen Branchen Thema sei? "Derzeit nicht", so Kopf. Durch den Ausbruch in Italien sei das wesentlich komplexer geworden, vor allem im Tourismus.

Die Gewerkschaft steht Kurzarbeit aufgeschlossen gegenüber. "Es gab auch in der Vergangenheit schon Fälle, wo sich das Mittel der Kurzarbeit in dieser Branche bewährt hat, um Personalabbau zu verhindern, etwa bei Naturkatastrophen. Wenn sich auf betrieblicher Ebene herausstellt, dass Handlungsbedarf ist, unterstützen wir solche Maßnahmen", teilte der Bundesgeschäftsführer der GPA-djp, Karl Dürtscher, auf Anfrage mit.

Für die österreichische Wirtschaft allgemein gibt sich die Wirtschaftskammer demonstrativ gelassen. Auch die klassische Grippe sei eine Epidemie, so Kopf. Konjunkturhilfen sind für die Interessenvertretung noch kein Thema, denkbar sind für Kopf aber Garantien wie in der Finanzkrise oder nach den Russland-Sanktionen.

Es handle sich derzeit lediglich um Einzelfälle, verwies Kopf auf die zwei bestätigten Coronafälle in Innsbruck. Es gebe neben den indirekten Effekten aus China - Stichwort Lieferprobleme in Pharma, Kfz- und Elektronikindustrie - nun auch direkte Effekte im Tourismus. Kopf erwartet, dass auch der Osterreiseverkehr betroffen sein werde, zur Sommersaison könne man aber noch nicht allzu viel sagen.

Noch keine Schadenschätzungen für Österreich wegen Italien

Allein in Bezug auf China verwies Kopf auf Schadenschätzungen von Wirtschaftsforschern, wonach Österreich mit mehr als einer Milliarde Euro betroffen sein könnte. "Zu Italien gibt es noch keine seriösen Schätzungen", sagte Kopf. Allein in die Lombardei exportiert nach Österreich so viel wie nach Russland oder Spanien, nämlich rund 2,2 Milliarden Euro im Jahr.

Seit dieser Woche, nach dem Ausbruch in Italien, haben die Anfragen bei der Wirtschaftskammer-Hotline zum Coronavirus eine andere Dimension bekommen, so Kopf. Hätten sich die Fragen bisher um China gedreht, gebe es nun seit Montag mehrere hundert Anrufe wegen arbeitsrechtlicher Fragen, Rückkehrern von Dienstreisen, Stornierungen und auch zu Überbrückungsfinanzierungen. Die 30 häufigsten Fragen will die Kammer auf ihrer Webseite beantworten. (apa/kle)