Österreichs größte Bank, die Erste Group, sieht in ihrer Kernregion Osteuropa trotz einer leichten Abschwächung der Konjunktur robuste Wachstumschancen. "Wir werden nicht in große neue Märkte gehen, da die Wachstumsaussichten für unsere Region sehr gut sind", sagte Bankchef Bernhard Spalt am Freitag vor Journalisten. Sowohl organisches, als auch anorganisches Wachstum durch Konsolidierungen in der Branche seien möglich, sagte er.

Auch der polnische Markt bleibe für die Österreicher interessant. Zwar habe man sich aus dem Rennen um die zum Verkauf stehende Commerzbank-Tochter mBank genommen, aber dies habe "spezifische Gründe, keine Marktgründe", sagte Spalt.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat die Erste Group von der brummenden Wirtschaft in Osteuropa und einem anhaltend günstigen Risikoumfeld profitiert. Während die Bank 2019 operativ zulegten konnte, schrumpfte der Gewinn aber unter dem Stich von 1,8 Milliarden auf 1,5 Milliarden Euro, wie aus den am Freitag veröffentlichten Ergebnissen hervorgeht. Zu schaffen machte dem Institut ein verlorener Rechtsstreit in Rumänien, wofür eine Rückstellung von 153 Millionen Euro fällig wurde, sowie eine Abschreibung in der Slowakei. Die Aktionäre sollen dennoch eine höhere Dividende von 1,50 (1,40) Euro je Aktie erhalten.

"Die Steigerung des Betriebsergebnisses um 8,7 Prozent auf nahezu drei Milliarden Euro zeigt eindrucksvoll, dass die Erste Group kerngesund ist", sagte Bankchef Bernhard Spalt. Dies sei im europäischen Bankensektor momentan eher selten, fügte er an.

Unterstützend für die Geschäfte wirkte die wirtschaftliche Entwicklung in den osteuropäischen Kernmärkten. "Die Region, in der wir aktiv sind, weist die höchste wirtschaftliche Dynamik in Europa aus", sagte Spalt, der zu Jahresbeginn das Ruder vom langjährigen Vorstandschef Andreas Treichl übernommen hatte. Dies habe zu einer sieben-prozentigen Steigerung sowohl der Einlagen als auch des Kreditvolumens geführt, erklärte die Bank. Auch für das laufende Jahr erwarten die Österreicher ein Kreditwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich.

Die Erste Group betreibt mit rund 47.000 Mitarbeitern über 2600 Filialen in sieben Ländern Mittel- und Osteuropas und zählt zu den größten Kreditgebern in der Region. Die von Aufholbedarf geprägte Region ist nach wie vor der Wachstumsmotor.

Verbessern konnte die Erste Group ihre Kostenstruktur: Die Kosten-Ertrags-Relation (CIR) reduzierte sich auf 59,0 (60,5) Prozent. Bis 2024 soll diese zentrale Kennzahl für die Effizienz eines Kreditinstituts auf etwa 55 Prozent sinken, wie die Bank im November auf ihrem Kapitalmarkttag ankündigte. (reuters)