Noch am Donnerstagvormittag warb das Alpbachtal in Tirol mit Sonnenskilauf bis Mitte April, doch für den heimischen Tourismus ist die Wintersaison wegen der Corona-Krise gelaufen. Nach Tirol, wo am Freitagnachmittag offiziell bereits 170 Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert waren, stellen auch die Skigebiete in Vorarlberg, Salzburg, Oberösterreich, Niederösterreich und in der Steiermark vorzeitig den Betrieb ein.

Tirols Landeshauptmann Günther Platter vertröstete die Gäste auf die kommende Saison. "Besuchen Sie Tirol später wieder", sagte er bei einer Pressekonferenz in Innsbruck. Der am Wochenende stattfindende Urlauberwechsel mit 150.000 Gästen wäre "unverantwortlich", meinte er.

"Lassen niemanden
im Regen stehen"

Welchen finanziellen Verlust das Ende der Wintersaison in Zahlen bedeuten wird, konnte der Landeshauptmann noch nicht beantworten. Ebenso seien die gesamten wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus für Tirol noch nicht abschätzbar. Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser sagte aber zu, dass man "niemanden im Regen stehen" lassen wird. Auch Arbeiterkammerpräsident Erwin Zangerl sicherte den Arbeitnehmern Unterstützung zu, eine eigene Hotline wurde eingerichtet. Das Epidemiegesetz sehe vor, dass Ersatzansprüche durch den Bund abgegolten werden, vom Land werde es eine entsprechende Unterstützung geben, kündigte Platter an.

Das Paznauntal mit den Gemeinden Ischgl, Kappl, See und Galtür sowie St. Anton am Arlberg sind besonders vom Coronavirus betroffen und wurden daher gemäß Beschluss der Bundesregierung für zwei Wochen unter Quarantäne gestellt. 9500 Einheimische sind betroffen.

Die politisch Verantwortlichen sprechen von einer schmerzhaften Entscheidung für die Branche, deren Buchungslage sich seit Mitte Februar deutlich verschlechtert hat. Sie sei aber im Sinne der Gesundheit der Gäste, der Angestellten und der Bewohner der Wintersportorte unumgänglich, hieß es.

In der Wintersaison 2018/2019 (November bis April) war laut Statistik Austria im heimischen Fremdenverkehr ein Zuwachs bei den Nächtigungen um 1,4 Prozent auf 72,9 Millionen verzeichnet worden. Dabei hatten die traditionellen Wintersportdestinationen Tirol und Salzburg ihre Spitzenposition stabilisieren können - mit 27,4 Millionen (minus 0,4 Prozent) beziehungsweise knapp 16 Millionen (unverändert) Übernachtungen. Am stärksten legte Wien mit einem Plus von 13,7 Prozent auf 7,8 Millionen Übernachtungen.

Auf Prognosen, wie hoch der Einbruch bei den Gästezahlen kurz- oder mittelfristig ausfallen wird, lässt sich momentan niemand ein. "Wir sind im freien Fall", sagte etwa Wien-Tourismus-Chef Norbert Kettner.

Die unklare Situation der 232.000 Mitarbeiter im Tourismus ist der Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Michaela Reitterer, ein Dorn im Auge: "Sie wollen Sicherheit und sie wenden sich in erster Linie an ihre Arbeitgeber. Die brauchen ganz rasch konkrete Informationen, wie es jetzt weitergeht." Reitterer fordert rasch Klarheit darüber, ob, wann und wie der Lebensunterhalt der Arbeitnehmer und Arbeitgeber gesichert ist, die nach den Betriebsschließungen nach § 20 Epidemiegesetz vor dem finanziellen Nichts stehen: "Dass die Lebensmittelversorgung gesichert ist, reicht nicht. Die Lebensmittel müssen auch bezahlt werden."