Das neue Corona-Kurzarbeitsmodell kann seit Donnerstagnachmittag beantragt werden, die Formulare dafür sind beim Arbeitsmarktservice (AMS) online gestellt. Damit sollen die Unternehmen ihre Arbeitnehmer behalten und nicht kündigen, auch wenn durch die Maßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus der Umsatz stark reduziert ist oder ganz entfällt.

In Beispielsrechnungen weisen Arbeiterkammer und Wirtschaftskammer auf die Vorteile des Modells hin: Man könne damit lange Zeiträume mit null Arbeitsstunden überbrücken. Die Arbeitnehmer bekommen deutlich mehr Gehalt, als das Arbeitslosengeld ausmachen würde. Und die Arbeitgeber bekommen den Großteil ihrer Kosten ersetzt.

Die Arbeiterkammer bringt das Beispiel eines Beschäftigten, der bisher Vollzeit (38,5 Wochenstunden) arbeitet und brutto 2000 Euro beziehungsweise 1496 Euro netto monatlich (14 Mal im Jahr) verdient. Zunächst werden drei Monate Kurzarbeit mit der niedrigst möglichen Arbeitszeit von 10 Prozent vereinbart. Gleichzeitig wird ausgemacht, dass anfangs solange wie möglich null Stunden gearbeitet werden. Daher bleibt der Arbeitnehmer zunächst die ersten elf Wochen zu Hause und bekommt 80 bis 90 Prozent des bisherigen Nettoverdiensts. In der zwölften Woche steigt er dann mit 11 Stunden 33 Minuten Arbeitszeit wieder ein und arbeitet in der dreizehnten Woche wieder voll.

Sollte der Arbeitnehmer auch in der zwölften und dreizehnten Woche noch nicht benötigt werden, kann er gleich anschließend auch die nächsten 13 Wochen Kurzarbeit gehen. Dann könnte der Arbeitnehmer die ersten 23 Wochen zu Hause bleiben und nicht arbeiten und erst danach wieder zu arbeiten beginnen: In der 24. Woche dann 23 Stunden 6 Minuten, in der 25. und 26. Woche wieder mit voller Arbeitszeit.

AMS übernimmt Arbeitskosten fast zur Gänze

Die Arbeitskosten für den Arbeitgeber übernimmt während der Kurzarbeit fast zur Gänze das Arbeitsmarktservice. Für 2000 Euro brutto hat der Arbeitgeber 2570 Euro laufende Bruttokosten pro Monat, mit den anteiligen Sonderzahlungen (13. und 14. Gehalt) sind es 2997 Euro. Durch den Lohnausgleich auf 85 Prozent erhält der Arbeitnehmer monatlich netto 1.271 Euro bei durchschnittlich 10 Prozent der Arbeitsleistung während der Kurzarbeitsperiode.

Für den Arbeitgeber fallen während der Kurzarbeitsperiode monatliche Arbeitskosten von 2252 Euro an, er erhält aber eine Kurzarbeitsbeihilfe von 2311 Euro. Damit gewinnt er im laufenden Monat sogar eine zusätzliche Liquidität durch die Weiterbeschäftigung dieses Arbeitnehmers von 58 Euro. Unter Berücksichtigung der anteiligen Sonderzahlungen (Urlaubs, Weihnachtsgeld) liegen die effektiven Monatskosten des Arbeitgebers bei 317 Euro. Dafür erhält er 10 Prozent der ursprünglichen Arbeitszeit in der Kurzarbeitsperiode - und das Arbeitsverhältnis bleibt aufrecht.

Auch die Wirtschaftskammer hat Beispiele berechnet. Der Unterschied zu den Beispielen der AK bestehe darin, dass man die echten Jahreskosten (Sonderzahlungen und Urlaubsansprüche) inkludiert habe, die AK nur die Sonderzahlungen, hieß es von der WKÖ auf Anfrage.

Bei einem Gehalt von 2050 Euro brutto habe der Arbeitgeber bisher monatliche Kosten (in 12 Monaten) von 3072 Euro. Bei 90-prozentiger Arbeitsreduktion reduzieren sich die Kosten auf 575 Euro pro Monat, so die WKO. Das Unternehmen habe eine Ersparnis von 81,3 Prozent. Wenn ein Dienstnehmer 4000 Euro brutto verdient, reduzieren sich die monatlichen Kosten bei einer Kurzarbeit von 10 Prozent von bisher 5993,80 Euro auf 1063 Euro, also um 82 Prozent. Auch bei einem Arbeitnehmer mit 6000 Euro Bruttolohn werden bei 90-prozentiger Arbeitszeitreduktion 83 Prozent der Arbeitskosten des Arbeitgebers vom AMS - also vom Staat - ersetzt. (apa)