Die Coronakrise trifft auch den Linzer Stahl- und Technologiekonzern voestalpine hart. Die Nachfrage in den wichtigsten Kundensegmenten sei "innerhalb weniger Tage eingebrochen", deswegen werde in rund 50 europäischen Konzerngesellschaften Kurzarbeit angemeldet, neben Österreich unter anderem in Deutschland, Belgien und Frankreich, teilte der Konzern am Montagabend mit.

Fest steht, dass der Stahlkonzern für bis zu 20.000 der 22.000 Mitarbeiter in Österreich Kurzarbeit beantragen wird. Die Zahl der Leiharbeiter werde weiter reduziert. In der Stahlproduktion sei auf einen Schichtbetrieb mit zwei je zwölf Stunden langen Schichten umgestellt worden.

"Wir werden sehr breitflächig Kurzarbeit beantragen. Es werden aber nicht immer alle Mitarbeiter permanent auf Kurzarbeit sein", sagte Felsbach. Zu Beginn werde die Arbeitsleistung auch nur leicht auf 90 Prozent reduziert, um die bestehenden Aufträge noch abzuarbeiten. Später könnte das Ausmaß aber steigen. Das Corona-Kurzarbeitsmodell sei im internationalen Vergleich sehr positiv, weil es ermögliche, flexibel auf die Auftragslage zu reagieren. Das helfe beim Versuch, jeden Arbeitsplatz zu erhalten, so Felsbach.

Die voestalpine hat einen kleinen Hochofen bereits stillgelegt. Der große Hochofen A sowie ein weiterer kleiner Hochofen blieben aber in Betrieb. In der gesamten Stahlproduktion, in der sogenannten Flüssigphase, wo in Linz tausende Leute arbeiten, sei auf eine 12er-Schicht umgestellt worden. Damit gebe es nur noch zwei je zwölf Stunden lange Schichten und nur noch einen Schichtwechsel pro Tag. Damit ließen sich Personalausfälle aufgrund von Erkrankungen besser kompensieren. Die Schichtübergabe selbst sei kontaktlos, erklärte Felsbach.

In guten Zeiten hat die voestalpine 5 bis 10 Prozent Leiharbeiter, nun werde die Zahl deutlich reduziert. In Bereichen, wo es noch großen Personalbedarf gebe, würden nun Mitarbeiter aus anderen Teilen des Konzern abgezogen und so intern umgeschichtet. Eine Zahl der Leiharbeiter nannte Felsbach nicht.

Wie stark die voestalpine die Kurzarbeit in anderen Ländern nutzen wird, will man in den nächsten Wochen anhand der Produktionsauslastung entscheiden. In Ländern ohne Kurzarbeitsmodelle wird der Stahlkonzern andere Maßnahmen ergreifen. Einige Standorte unter anderem in Frankreich, Italien, Peru, Brasilien oder den USA stehen bereits temporär still. Auswirkungen auf das Ergebnis des laufenden Geschäftsjahres 2019/20 sind für den Konzern aus heutiger Sicht noch nicht abschätzbar.

Einzelne Produktionsbereiche reduziert

"Wenn unsere Kunden die Nachfrage stark reduzieren, Produktionen einstellen und Lieferketten temporär zum Erliegen kommen, müssen wir sofort reagieren", so voestalpine-Chef Herbert Eibensteiner in einer Aussendung. Man werde "in den nächsten Monaten um jeden einzelnen Arbeitsplatz hart kämpfen".

Aufgrund sinkender Kundennachfrage reduziert die voestalpine einzelne Produktionsbereiche, unter anderem wird die Roheisenkapazität am Standort Linz um rund 20 Prozent durch die temporäre Stilllegung eines kleinen Hochofens heruntergefahren. "Die voestalpine steht angesichts der Corona-Pandemie vor der größten wirtschaftlichen Herausforderung des vergangenen Jahrzehnts", so Eibensteiner. Betriebsbedingte Kündigungen seien "aus heutiger Sicht in Österreich nicht geplant". Die Zahl der Leasingmitarbeiter werde aber weiter reduziert, Überstunden und Urlaube abgebaut.

Angesichts der Coronavirus-Pandemie versucht der Stahlkonzern seinen Produktionsbereich zusätzlich abzusichern: Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit der Belegschaft, die derzeit in der Produktion im Einsatz sei, habe "allerhöchste Priorität", hieß es am Montag. "Zusätzlich zu strengen Hygienevorschriften und der Einhaltung von Sicherheitsabständen wurde die physische Anwesenheit auch in betriebskritischen Bereichen bereits stark reduziert." (apa)