Landwirtschaftskammer-Österreich-Chef Josef Moosbrugger sieht das Einfliegen von Erntehelfern aus Osteuropa skeptisch. In Tirol wird derzeit wegen der Coronavirus-Grenzsperren überlegt, 250 Saisonkräfte aus Rumänien und der Ukraine per Flugzeug ins Land zu holen. "Das sehen wir österreichweit kritischer, es ist aber eine Entscheidung der Regionen", sagte Moosbrugger zur APA.

In Österreich habe es Ende März mehr als 560.00 Arbeitslose gegeben, man sollte den Arbeitskräftebedarf in der Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung vorrangig mit diesen Menschen decken, so der Landwirtschaftsvertreter. Wegen der Coronavirus bedingten Grenzsperren fehlen in Österreich für die heurige Ernte tausende Arbeitskräfte aus Osteuropa.

Moosbrugger zeigte sich mit der vor zwei Wochen gestarteten Online-Arbeitskräftevermittlungsplattform "dielebensmittelhelfer.at" zufrieden. Es gebe ein "enormes Interesse". Jetzt müssten alle Regionen beitragen, dass Interessierte auch mithelfen können. Von der Politik wünscht sich der Landwirtschaftskammer-Präsident, dass der Pensionsbeitrag für alle über die Online-Plattform vermittelten Arbeitskräfte vom Finanzministerium übernommen wird.

Gastronomie und Landwirtschaft leiden gleichermaßen

Besonders stark trifft die heimische Landwirtschaft der aktuelle Corona-Shutdown in Gastronomie und Tourismus, weil wichtige Absatzkanäle damit weggebrochen sind. Der Landwirtschaftskammer-Präsident appelliert an die Supermarktketten, wenn es schon keinen "Regionalbonus" gibt, nicht an der Preisschraube bei Lieferanten zu drehen. "Wir kämpfen eher damit, dass nicht über Preisreduktionen nachgedacht wird, das wäre ein Ausnutzen der jetzigen Situation." Er erwarte sich "eine gewisse Handschlagqualität vom Handel".