Kredite, Darlehensgarantien, Steuerstundungen - diese Hilfen für Unternehmen zur Bewältigung der Corona-Pandemie sind bekannt. Noch am Dienstagvormittag verwies Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) auf das 38-Milliarden-Euro-Hilfspaket für Selbständige, kleine Firmen und Leitbetriebe - wie etwa die AUA. Für jede Firmengröße gebe es entsprechende Hilfsmaßnahmen. Eine Verstaatlichung? Vorerst kein Thema für die Wirtschaftsministerin. Doch in anderen europäischen Ländern werden Verstaatlichungen oder Staatsbeteiligungen unter anderem bei Airlines diskutiert, etwa in Deutschland bei der AUA-Mutter Lufthansa.

Nun berichtet die US-Finanznachrichtenagentur Bloomberg mit Verweis auf einen Insider, dass die AUA einer direkten Investition des Staates mehr als offen gegenübersteht. Die Airline heiße Unterstützung aus Wien willkommen, so ein Sprecher der AUA. Dass es dabei um 500 Millionen Euro oder mehr gehen soll, wie Bloomberg berichtete, dementierte ein AUA-Sprecher gegenüber der Austria Presse Agentur. Man sei erst am Anfang der Gespräche. Zahlen nannte er keine.

Keine Normalität absehbar

Österreich hat, wie viele andere europäische Länder, nicht unbedingt notwendige Flüge im vergangenen Monat ausgesetzt, um die Corona-Pandemie in den Griff zu bekommen. Doch die Ankündigungen, nach Ostern gewisse Einschränkungen wieder zu lockern, um die Wirtschaft wieder in Gang zu setzen, bringt wohl auch die Luftfahrtbranche dazu, davon auszugehen, dass es eine baldige Rückkehr zu einem normalen Flugverkehr in absehbarer Zeit geben könnte.

Die ersten Flugzeuge könnten in einem ganz optimistischen Szenario frühestens ab Mai wieder abheben und in begrenztem Ausmaß bis Juli und August fliegen. Die Passagierzahlen hielten sich freilich weit unter den gewohnten Zahlen vor der Corona-Krise - und das die nächsten zwei bis drei Jahre, so Insider, die mit der Angelegenheit vertraut sind.

Das stimmt auch mit den letzten Aussagen des Bundeskanzlers überein, der sich im europäischen Vergleich für einen recht frühen "Restart" nach dem Coronavirus-Lockdown ausgesprochen hat.

Sommerurlaub ohne Flugreisen

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) machte jedoch auch klar, dass die Österreicherinnen und Österreicher ihren Sommerurlaub ohne Flugreisen planen sollten.

Eine derartige Hilfe aus Österreich würde jedenfalls, so die Insider, andere Maßnahmen, die die Lufthansa getroffen hat, unterstützen, damit die österreichische Tochter mit ihrer Flotte und ihrem Personal - wenn auch reduziert - weiter als Netzwerk-Carrier durch die Krise kommt.

Die Lufthansa hat ihre gesamte Flotte am Boden, um Geld zu sparen. In Deutschland werden Staatshilfen für die Flugline ebenfalls diskutiert. Die Gruppe befindet sich unter zunehmendem Druck, eine staatliche Beteiligung als Teil eines Hilfspakets zu akzeptieren, so die Informanten.

Die AUA ist für die Lufthansa essenziell, insbesondere im Bereich der Businessflüge in Deutschland, der Schweiz und Norditalien. Zur Lufthansa-Gruppe gehören auch die nationale Fluggesellschaft der Schweiz, die Swiss, und die belgische Brussels Airlines, auch in diesen Ländern könnte der Konzern Staatshilfe erhalten.

Offizielle Vertreter der Lufthansa, der AUA und der österreichischen Bundesregierung lehnen eine direkte Beteiligung des Staates bisher ab. Auch wenn Erinnerungen an die kostspielige Rettungsbeihilfe für die Airline 2009 wach werden, um das nationale Luftfahrtunternehmen zu erhalten.

7000 Mitarbeiter in Kurzarbeit

Derzeit ist der reguläre Flugbetrieb der Lufthansa-Konzerntochter bis 3. Mai ausgesetzt, die rund 7000 Mitarbeiter befinden sich in Kurzarbeit. Die Airline geht davon aus, dass sie für den Sommer 2020 eine Nachfrage von nur 25 bis 50 Prozent im Vergleich zu 2019 haben wird. "Auch für 2021 rechnet Austrian mit deutlich reduzierter Nachfrage, und das 'Vor-Corona-Niveau' wird wohl frühestens 2023 wieder erreicht", so die AUA. Mit der Regierung, dem Eigentümer Lufthansa und den Sozialpartnern wurden daher bereits Gespräche aufgenommen.

Zehn Prozent der Maschinen abstoßen

Die deutsche Mutter Lufthansa wollte sich zum Thema Staatsbeihilfen vorerst nicht äußern. Jedoch gab sie einen drastischen Sparkurs bekannt: Rund zehn Prozent der zuletzt gut 760 Flugzeuge sollen dauerhaft aus dem Verkehr gezogen werden. Verkleinert werden die Kernmarke Lufthansa, die Billigflugtochter Eurowings und auch die ausländischen Töchter Austrian Airlines, Brussels Airlines sowie Swiss. Die Tochter Germanwings, die ihre Flüge zuletzt nur noch im Auftrag der Konzernschwester Eurowings abgewickelt hatte, soll den Flugbetrieb ganz einstellen.

Der Vorstand erwarte keine schnelle Rückkehr der Luftfahrt auf das Niveau vor der Krise, hieß es zur Begründung. Es werde "Monate dauern, bis die globalen Reisebeschränkungen vollständig aufgehoben sind und Jahre, bis die weltweite Nachfrage nach Flugreisen wieder dem Vorkrisen-Niveau entspricht."

Die deutsche Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) verurteilte das Vorgehen des Managements scharf. Die Umstrukturierung des Konzerns werde auf dem Rücken der Mitarbeiter vorangetrieben, erklärte VC-Präsident Markus Wahl. "Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Krise zur dauerhaften Absenkung der Tarife genutzt werden soll." Die Flugbegleitergewerkschaft UFO wertete es als gutes Zeichen, dass Lufthansa bei Germanwings nicht wie befürchtet Fakten mit Kündigungen geschaffen habe. Da die Lufthansa ankündigte, mit den Sozialpartnern verhandeln zu wollen, ließen sich Lösungen über Abfindungen und Teilzeit finden, sagte Nicoley Baublies, UFO-Verhandlungsführer bei Germanwings. (ast/apa/bloomberg)