Für die Gastronomie, Hotellerie und Freizeitwirtschaft sind die Zeiten katastrophal. Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) sieht in der Coronakrise eine "noch nie da gewesene Ausnahmesituation". Nun ist geplant, die Branche ab Mitte Mai wieder "vorsichtig und schrittweise" hochzufahren. Dafür sind aber bis Ende April Evaluierungen notwendig. Wann wieder Ausländer anreisen werden, ist offen.

Wie das stufenweise Hochfahren der für Österreich so wichtigen Branche konkret ausschauen wird, ist aktuell noch Thema von Gesprächen. "Wir sind dabei, das auszuarbeiten", sagte Köstinger. "Wir beraten gemeinsam mit der Branche immer unter Bedachtnahme von gesundheitlichen Notwendigkeiten", erläuterte sie bei einer Pressekonferenz am Mittwoch.

Köstinger betonte, dass sich Österreich, Europa und die Welt auf "massive Einschränkungen der Reisefreiheit einstellen" werden müssen. "Niemand kann sagen, wie sich die Situation in Europa und der Welt weiter entwickeln wird."

Heimaturlauber sollen Verluste kompensieren

Da noch nicht bekannt ist, wann wieder ausländische Touristen kommen, die bisher für 75 Prozent der Übernachtungen sorgten, sollen sommerurlaubswillige Österreicher wenigstens etwas Abhilfe schaffen. Köstinger appellierte an die Bürger, einen Heimaturlaub anzudenken, sollten sie im Sommer wegfahren wollen.

Michaela Reitterer, Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV),  wünscht sich  "die beste und größte Kampagne für Urlaub in Österreich, die wir jemals gesehen haben." Auch einen einmaligen Urlaubsbonus für Menschen, die durch Kurzarbeit Einkommenseinbußen erleiden, kann sie sich vorstellen. Reitterer: "Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen."

Für die Urlauber, Restaurant- und Gasthausbesucher sowie Nutzer von Freizeitangeboten wird es bestimmte Verhaltensregeln geben, kündigte Köstinger an. Das sei notwendig, "bis wir einen Impfstoff zur Verfügung haben, mit dem wir das Virus bekämpfen können", so die Ministerin. Die Gesundheit der Menschen gehe bei allen Entscheidungen vor.

Dabei geht es etwa um das Einhalten von Sitzabständen, Maskenpflicht auch in Innenräumen oder das zur Verfügung stellen von Desinfektionsmitteln an Ein- und Ausgängen - eben eine konsequente Einhaltung bereits bekannter Regeln auch in der Freizeitbranche, erläuterte ein Sprecher von Köstinger auf Apa-Nachfrage.

Die Tourismusministerin räumte ein, dass es zum Teil "große Verzweiflung" unter den Unternehmern gebe. Neue Hilfsmaßnahmen für die Branche kündigte sie aber nicht an. Köstinger verwies auf die viele Milliarden schweren Hilfsfonds, deren verschiedene Phasen, staatliche Haftungen und Garantien, Steuerstundungen, Kreditmoratorien und das eigens auch auf den Tourismus zugeschnittene Kurzarbeitsmodell. "Wir haben schnell reagiert, wenn es darum ging, die Betriebe rasch zu unterstützen. Die Unternehmen sollen weiter liquid bleiben und die Arbeitnehmer in der Beschäftigung gehalten werden." Alles weitere werde jetzt erarbeitet.

ÖHV-Präsidentin Reitterer regt an, internationale Best-Practice-Beispiele zu übernehmen. So werden in Deutschland, Italien, Spanien und Belgien abgesagte Reisen nicht gleich storniert, sondern in Gutscheine umgewandelt. "Die dringend benötigte Liquidität bleibt in den Hotels, der Staat muss nicht noch mehr Geld hineinpumpen und den Gästen bleibt die Anzahlung komplett erhalten", so Reitterer.

Im Vorfeld der Wiedereröffnungen herrscht weiterhin Unsicherheit vor. So wünscht sich die Branche mehr Klarheit, etwa bezüglich der Einreisebestimmungen.  Der Wiener Cafetier Bernd Querfeldt (Landtmann, Café Wien) sorgt sich zudem, ob die Gäste bei einer Wiedereröffnung mit neuen Regeln auch konsumfreudig bleiben. Er sieht einen großen Feldversuch auf die Gastronomie zukommen. "Wir fokussieren den 15. Mai und überlegen, wie sich die gastronomische Welt mit diesem Zeitpunkt verändern wird - nicht nur bezogen auf Auflagen wie Abstandhalten oder Schutzmasken." Aus Beobachtungen zeige sich, dass in China nun viel mehr abgeholt werde. "Wir fragen uns, ob unsere Gäste dem Service zugesprochen bleiben oder selbst am Counter abholen", so Querfeld. (apa)