Der Flugverkehr ist aufgrund der Corona-Pandemie zum Erliegen gekommen. Ohne massive Unterstützung werden bei vielen Anbietern der Branche die Lichter ausgehen. Am Dienstag hat die deutsche Lufthansa als erste große Airline angekündigt, einen Teil ihrer Flotte abzubauen. Die Nachfrage, so rechnet man hier, werde auch nach der Krise deutlich niedriger bleiben. Auch die Lufthansa-Tochter AUA verhandelt mit der österreichischen Bundesregierung über Staatshilfen. Die AUA geht davon aus, dass sie für den Sommer 2020 eine Nachfrage von nur 25 bis 50 Prozent im Vergleich zu 2019 haben wird. Mit einer Rückkehr zum Vor-Corona-Niveau wird frühestens 2023 gerechnet.

Darüber, was diese Situation für den Flughafen Wien-Schwechat bedeutet, hat die "Wiener Zeitung" mit Günther Ofner, dem Vorstandsdirektor, gesprochen.

"Wiener Zeitung": Wie viele Flieger starten und landen derzeit noch in Wien-Schwechat?

Günther Ofner (63) ist Jurist und seit 2011 Vorstandsdirektor der Flughafen Wien AG. - © Moritz Ziegler/Wiener Zeitung
Günther Ofner (63) ist Jurist und seit 2011 Vorstandsdirektor der Flughafen Wien AG. - © Moritz Ziegler/Wiener Zeitung

Günther Ofner: Nur noch sehr wenige, zwischen 15 und 20, und davon sind drei Viertel Frachtflieger. Normal wären es 700. Bei den Passagieren ist der Einbruch noch stärker. Die Einnahmen tendieren also gegen null - und das betrifft nicht nur den Flughafen, sondern auch alle damit verbundenen Firmen: Die Taxis und Mietwagen, die Geschäfte und auch der CAT nach Wien-Mitte ist eingestellt. In Summe geht es um 20.000 Mitarbeiter, die jetzt fast alle in Kurzarbeit sind. Lediglich die fundamentalen Systemerhalter wie Feuerwehr und einige Techniker arbeiten noch.

Welche Folgen hat die Krise für die Betreiber der Shops am Wiener Flughafen, gibt es ein Entgegenkommen bei Mieten?

Das muss jetzt diskutiert werden. Es hängt davon ab, wie lange die Situation noch anhält. Unsere Erstreaktion war einmal, dass wir gegebenenfalls Mieten stunden, wobei die Mieter auch auf staatliche Hilfen zugreifen können. Die umfassenden staatlichen Hilfsmaßnahmen helfen uns sehr, die werden wir auch in Anspruch nehmen.

Wie werden die Rahmenbedingungen für das Fliegen künftig sein: Wird eine Tracking-App oder Impfung zur Voraussetzung, um überhaupt einen Flieger besteigen zu können? Was ist mit Maskenpflicht und halbleeren Flugzeugen zwecks Einhaltung des Abstands?

Wir brauchen dafür europäische und besser noch globale Regularien, um den Flugverkehr wieder in Gang zu bringen. Dazu werden wohl auch Gesundheitskontrollen irgendeiner Art am Boden gehören, vorausgesetzt die Instrumente dazu stehen zur Verfügung. Eine volle Normalisierung wird es wohl erst geben, wenn es eine Impfung oder wirksame Medikamente gegen Covid-19 gibt. Beides würde der Situation viel von ihrem derzeitigen Schrecken nehmen.

Die Regierung hat einen Stufenplan für das Hochfahren der Wirtschaft nach Ostern präsentiert. Mitte Mai sollen Gastronomie und Inlandstourismus folgen. Nur beim grenzüberschreitenden Tourismus samt Fliegen fehlt noch jede Aussicht auf ein Comeback. Mit welchem Zeitplan rechnen Sie?

Fliegen muss bald wieder ermöglicht werden, ansonsten werden die Folgen für die Weltwirtschaft noch massiver als ohnehin schon. Sicher kann man kurzfristig einiges über Video-Konferenzen und Teleworking auffangen, aber auf diese Weise können sie beispielsweise keine Anlagen bauen, dafür braucht es Techniker und Manager vor Ort. Es ist deshalb wichtig, dass wir uns global auf einen Fahrplan mit Prioritäten verständigen, damit sich Flughäfen und Airlines vorbereiten können, natürlich fokussiert auf Länder, die beim Kampf gegen die Pandemie schon erfolgreich sind. Für Wien und ganz Österreich ist ein starker Homecarrier mit internationalem Netzwerk von zentraler Bedeutung für den Standort. Das müssen wir unbedingt erhalten.

Welche Folgen für die globale Flugbranche erwarten Sie?

In Europa wie global sind alle Airlines massiv betroffen. Die meisten werden ohne staatliche Hilfen nicht überleben, deshalb werden auch rund um den Globus entsprechende Pakete geschnürt. Wir Flughafen-Betreiber sind genau so hart getroffen und auf Hilfen angewiesen. Aus jetziger Sicht gehe ich davon aus, dass wir mit den getroffenen Maßnahmen auch eine längere Durststrecke überstehen können. Die Folgen werden uns sicher noch ein, zwei Jahre beschäftigen. Vielleicht wird es sogar drei Jahre dauern, bis wir wieder dort sind, wo wir vor Ausbruch der Corona-Krise schon einmal waren.

Sie rechnen also mit keinen bleibenden Veränderungen?

Das ist heute noch schwer zu beurteilen, aber frühere Krisen haben gezeigt, dass wir die Einbrüche bisher noch stets aufgeholt haben. Es wird aber wohl Unterschiede zwischen den verschiedenen Regionen geben, je nachdem, wie die Staaten diese Krise bewältigen. Dass sich das Reiseverhalten der Menschen grundlegend verändert, glaube ich zum jetzigen Zeitpunkt und nach den bisherigen Erfahrungen aber nicht. Wir haben in Europa und auch weltweit mittlerweile gelernt, mit solchen Schocks umzugehen. Die schnellen und umfassenden öffentlichen Hilfspakete zeigen das. Diese sollte uns helfen, das Schlimmste abzufangen.

Die Billigpreise beim Fliegen werden ebenfalls wieder zurückkehren?

Nein, so billig, wie das Fliegen vor der Krise war, wird es aus meiner Sicht nicht mehr werden. Ob alle Billig-Airlines diese Situation überleben, ist noch offen.