Wie beim Arbeitsmarktservice herrscht derzeit mit Blick auf die Viruskrise auch bei den heimischen Banken Hochbetrieb. Im Zusammenhang mit den staatlichen Hilfen für die Wirtschaft türmt sich dort die Arbeit, vieles rund um Finanzierungen für zigtausend Unternehmen muss geprüft und berechnet werden. Wie aus der Bankenbranche zu hören ist, haben die Geldinstitute seit dem behördlich verfügten Shutdown Mitte März bereits Finanzierungen im Gesamtvolumen von ungefähr 7,5 Milliarden Euro übernommen. Von Kreditklemme könne somit keine Rede sein, heißt es dazu.

"Die Nachfrage nach Stundungen von Kreditrückzahlungen und nach Überbrückungskrediten sowie die Zahl der Förderanfragen sind in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen", berichtet eine Sprecherin der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien. So würden in der Bankengruppe derzeit fast zehnmal so viele Stundungen durchgeführt wie vor der Corona-Krise. Außerdem liege die Neukreditproduktion bei kleinen und mittleren Unternehmen mehr als doppelt so hoch wie normalerweise, so die Sprecherin.

Auch die Bawag und die Erste Bank verzeichnen nach eigenen Angaben eine "starke Nachfrage" nach Kreditstundungen und Überbrückungsfinanzierungen, mit denen die Liquidität von Unternehmen aufrechterhalten und laufende Betriebskosten gedeckt werden können. Seit zwei Wochen bietet die Bawag ihren Kunden die Möglichkeit an, Überbrückungskredite auch online zu beantragen. "Erste Gelder sind bereits in den letzten Tagen ausbezahlt worden", so eine Banksprecherin.

Hohe Nachfrage nach Finanzierungen und anderen Möglichkeiten zur wirtschaftlichen Bewältigung der Corona-Krise registriert auch die Unicredit Bank Austria. "Seit Beginn der Krise vergeben wir jede Woche Kredite in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro, das waren in Summe mehr als 1,6 Milliarden Euro", sagt ihr Chef, Robert Zadrazil. "Wir haben darüber hinaus tausende notwendige Stundungen umgesetzt, um Unternehmen zu unterstützen."

Eigenkapital heute dreimal höher als in der Finanzkrise

Indes sieht niemand in der Branche die Gefahr, dass sich die heimischen Banken bei den jetzigen Hilfen für die Wirtschaft übernehmen könnten und mehrere von ihnen am Ende selbst noch staatliche Hilfe brauchen wie in der Finanzkrise vor elf Jahren. Andreas Treichl, Obmann der Bundessparte Bank und Versicherung in der Wirtschaftskammer, räumte zwar jüngst ein, dass die Krise den Instituten später mehr notleidende Kredite bescheren wird. Der frühere Erste-Group-Chef betonte jedoch, dass das dann "unser Beitrag sein wird, um diese Krise zu lösen". Nachsatz: "Wir werden alle Maßnahmen treffen, die es uns ermöglichen, die österreichischen Unternehmen, die durch die Krise in Mitleidenschaft gezogen werden, durch die Krise zu bringen."

Laut Treichl haben Österreichs Geldhäuser heute dreimal so viel Eigenkapital wie zur Zeit der Finanzkrise: Sie "sind für die Krise gut gerüstet". Auch zur Stabilität des Bankensektors in Osteuropa, wo vor allem die größten österreichischen Institute prominent vertreten sind, meinte Treichl, dass die dortigen Banken gut aufgestellt seien. "Die Systeme von Polen bis Kroatien sind alle sehr gesund." Die dortigen Banken hätten die besten Eigenkapitalquoten. "Ich sehe da keine Gefahrenherde", so Treichl.

Gottfried Haber, Vize-Chef der Nationalbank (OeNB) und unter anderem für die Bankenaufsicht zuständig, spricht dem heimischen Bankensektor ebenfalls großes Vertrauen aus: "Die österreichischen Kreditinstitute haben in den vergangenen Jahren ihre Hausaufgaben gemacht und ihre Kapitalausstattungen erhöht - teilweise sogar verdoppelt."

OeNB-Aufruf zu Verzicht auf Boni und Dividenden

Diese Puffer, so Haber weiter, seien jetzt verfügbar, um in "turbulenten Zeiten" Entwicklungen abzufangen und die Liquiditätsversorgung der Wirtschaft wie bisher sicherzustellen. Bei den Kreditinstituten seien jedenfalls keine wirtschaftlichen Auswirkungen durch die Krise zu bemerken.

Zuletzt - 2019 - haben Österreichs Banken gut verdient, wenn auch etwas weniger als im Jahr davor. Wie die OeNB am Donnerstag mitteilte, sank der konsolidierte Gewinn um 2,9 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro.

Angesichts der aktuellen Krise rief die Notenbank die Kreditinstitute für das heurige Jahr zur Zurückhaltung bei Ausschüttungen von Gewinnen, Boni und Dividenden auf. "Vorsicht ist in Zeiten schwer kalkulierbarer Entwicklungen grundsätzlich ein gutes Leitmotiv", betonte Vizechef Haber in einer Aussendung. "Aufgrund der durch das Corona-Virus bedingten Unsicherheiten macht es jedenfalls Sinn, dass die Entscheidungen über mögliche Ausschüttungen nun in den Herbst verschoben wurden."