Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) werden in der Corona-Krise schwer gebeutelt, das Budget für 2020 liegt im Papierkorb. Der Personenverkehr ist um rund 80 Prozent eingebrochen, der Güterverkehr bis zu 30 Prozent. Mit Kurzarbeit, einem Konjunkturprogramm, Anpassen von Verträgen mit den Bestellern und Förderungen für den Güterverkehr will die Staatsbahn wieder aus der Krise fahren.

ÖBB-Vorstandschef Andreas Matthä und Finanzvorstand Arnold Schiefer erläuterten am Freitag telefonisch gegenüber Journalisten die Lage. Nach einem "nostalgischen Rückblick" auf das Ergebnis des Geschäftsjahres 2019, das mit einem stabilen Gewinn und wachsenden Fahrgastzahlen aufwarten konnte, gibt es 2020 viele Unsicherheiten. Jetzt einen Ausblick für das laufende Jahr zu geben wäre zu früh, das hänge vom Wiederhochfahren von Handel und Wirtschaft, der Produktionen und besonders vom Aufsperren der Schulen ab, sagte Matthä. "Das Unternehmen gehört den Österreicherinnen und Österreichern, wir haben hier einen Versorgungsauftrag." Die Bahn garantiere in der Krise auch die Versorgungssicherheit: Bei Konsum-Produkten wie Nudeln, Klopapier und Salz habe man um 10 Prozent mehr transportiert, sonst gibt es allerdings heftige Rückgänge (50 Prozent bei Stahl, 80 Prozent bei Automotive).

Etwa 7000 Mitarbeiter der im Inland rund 35.000 Beschäftigen der Staatsbahn sind derzeit in Kurzarbeit. Betroffen seien nicht nur die Mitarbeiter im Kollektivvertrag, sondern auch die unkündbaren Mitarbeiter machten mit. "Sie treten der Kurzarbeitsvereinbarung bei und haben dann dieselben Rechtsfolgen", so Schiefer.

Täglich fahren um 20 Prozent weniger ÖBB-Züge. Im Nah- und Regionalverkehr sind die Passagierzahlen um rund 80 Prozent eingebrochen, im Fernverkehr um 90 Prozent. Im internationalen Personen-Fernverkehr gibt es nur noch Verbindungen nach Deutschland und Ungarn. Doch auch wenn die Züge derzeit seltener und fast leer fahren, brauche man doch viele Mitarbeiter um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Von der Kurzarbeit betroffen seien Postbuslenker, Zugbegleiter, Beschäftigte in Verschub und Verwaltung sowie technischen Services. Darüber hinaus werde auch Urlaub vom Vorjahr und Zeitguthaben abgebaut. "Wir versuchen, überall zu sparen", sagte Matthä.

Angesprochen auf die kolportierten Gespräche um Staatshilfe sagten die Vorstände, man arbeite auf vielen Ebenen daran die Lage zu verbessern. So gebe es Gespräche mit den Bestellern der Personenverkehre, die Verträge an die derzeitige Lage mit extrem wenigen Passagieren anzupassen. Ansprechpartner seien die Verkehrsverbünde. "Wir müssen hier Anpassungen machen, das sehen wir aber nicht unter dem Titel Staatshilfe", betonte Finanzvorstand Schiefer und wehrte sich gegen allfällige Vergleiche mit der AUA, die um eine Finanzspritze von Hunderten Millionen verhandelt. "Wir fahren, die AUA steht am Boden und fliegt nicht." Außerdem habe die Bundesbahn schon durch den staatlichen Eigentümer Sicherheit für die Liquidität des Unternehmens. "Wir verhandeln mit unseren Bestellern die Rahmenverträge neu, dafür bringen wir auch eine Leistung."

Güterverkehrssparte im Vorjahr gerade noch positiv

Sorgenkind in der Krise ist der Schienengüterverkehr: Die Güterverkehrssparte Rail Cargo schloss schon im Jahr 2019 nur noch knapp positiv. Seit Mitte März mache der Totalausfall ganzer Produktionen, national und international in Automobil- und Stahlindustrie, dem Güterverkehr schwer zu schaffen. Der Ausfall sei bisher zwischen 25 und 30 Prozent gelegen - was allerdings zu wenig sei, um beim Covid-19-Fonds Hilfe zu beantragen, da dafür ein 40-prozentiger Umsatzrückgang erforderlich sei. Hier gelte es, bestehende Förderungen für den Güterverkehr anzuschauen und eventuell zu erhöhen. Matthä warnte davor, dass der Lkw-Verkehr der große Gewinner aus der Krise sein könne. "Neben Corona gibt es auch Klimaschutz", erinnerte er: Eine Rückverlagerung von der Schiene auf die Straße könne nicht im Sinne einer klimafreundlichen Verkehrspolitik sein.

Bei der Infrastruktur setzt der ÖBB-Vorstand seine Hoffnung auf ein Konjunkturprogramm der Bundesregierung im Herbst. Damit könnten die laufenden Bahninvestitionen aus dem Rahmenplan weiter intensiviert werden und nicht nur der heimischen Bahnindustrie, sondern auch Bauwirtschaft und Zulieferern einen Beschäftigungsschub geben. Derzeit laufe die Bautätigkeit nach einer Sozialpartnervereinbarung über Hygiene- und Arbeitsschutzmaßnahmen zu 95 Prozent weiter. Teilweise könnten Reparaturarbeiten auch intensiviert werden, weil rund 20 Prozent weniger Züge fahren.

Einen konkreten Ausblick auf das Ergebnis des laufenden Geschäftsjahres 2020 wollten die Vorstände nicht abgeben. "Hoch gewinnen werden wir's nimmer", scherzte Matthä mit einem Vergleich aus dem Fußball. Und Finanzvorstand Schiefer versprach nur, dass man sich bei der nächsten Bilanzpressekonferenz mit allen Teilunternehmen des Konzerns wiedersehen werde. (apa/kle)