Sonne, 20 Grad, perfektes Schanigartenwetter: Doch die Gastgärten sind verwaist. Die Gastronomie steckt wegen der Corona-Pandemie noch in einer staatlich verordneten Zwangsruhepause. Seit einem Monat haben Cafés, Restaurants, Hotels, Bars und Nachtlokale geschlossen. Vielen ist der Umsatz komplett weggebrochen, manche halten sich mit Take-Away-Angeboten über Wasser.

Nun gibt es einen ersten Lichtblick. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) kündigte am Dienstag an, dass die Gastronomie ab 15. Mai wieder öffnen kann. Sperrstunde soll um 23 Uhr sein. Für alle Mitarbeiter gelte eine Verpflichtung zu Mund-Nasen-Schutz. Gäste hingegen müssen keinen Mundschutz tragen. Darüber hinaus wird es Regelungen zu Gruppengröße und Gruppenabstand geben.

Skepsis über Maskenpflicht

Fraglich ist dennoch, wie Abstandsregeln und andere Hygienemaßnahmen in der Praxis funktionieren sollen. Wie soll der Abstand in kleinen Bars eingehalten werden? Wann dürfen Diskotheken wieder aufsperren? Und was passiert etwa, wenn Gäste nach übermäßigem Alkoholkonsum auf die Schutzmaßnahmen pfeifen?

Berend Tusch, Vorsitzender des Fachbereichs Tourismus in der Gewerkschaft Vida, spricht sich für eine teilweise Maskenpflicht für Gäste aus, etwa wenn Gäste das Lokal betreten und verlassen oder auf die Toilette gehen. Bei Lokaleingängen kann sich der Tourismusgewerkschafter Desinfektionsstationen vorstellen. "Das sollen Schleusen sein, die man verpflichtend passieren muss", sagt Tusch. Um die Zahl der Gäste zu begrenzen, schlägt er Time Slots vor. Tische würden so nur für eine bestimmte Zeit vergeben. Er plädiert außerdem für einen Tischabstand von bis zu zwei Metern. "Wenn Gäste bestellen, sollte das Servicepersonal einen Meter Abstand haben und mit Gesichtsvisieren arbeiten", sagt Tusch.

Andreas Brunner ist skeptisch angesichts einer Maskenpflicht für Gastronomie-Mitarbeiter. "Das Flair der Gastronomie geht dadurch verloren", sagt er. Zum Restaurant-Erlebnis gehöre es eben dazu, dass der Kellner Schmäh führt. Das sei mit Stoff vor dem Mund schwierig. "Das Tragen der Masken kann im Sommer sehr unangenehm sein, wenn es 30 Grad draußen und 40 Grad in der Küche hat", sagt der Koch.

Brunner ist Inhaber der "Wohnküche". Der Koch hat sich mit dem kleinen Restaurant in Wien-Brigittenau damit einen Traum erfüllt. Die Pandemie machte ihm einen Strich durch die Rechnung.

Seit zwei Wochen bietet er in seinem Lokal Speisen zum Mitnehmen an. "Das ist nicht viel mehr als Schadensbegrenzung", sagt Brunner. Alle 30 Minuten etwa nimmt er eine Bestellung an. "Mir war klar, dass es nicht der Renner wird." Von 17 bis 20 Uhr hat er derzeit geöffnet, gerade mal 300 Euro hat er am Ende des Abends in der Kasse. Alleine sei der Gassenverkauf kaum zu bewerkstelligen. "Ich kann nicht kochen, Bestellungen entgegennehmen und kassieren", sagt Brunner. Seine einzige Mitarbeiterin hat er zur Kurzarbeit angemeldet, sie steht ihm deshalb nur zeitlich begrenzt zur Verfügung.

Brunner hat erst im Mai vergangenen Jahres aufgesperrt. Es lief von Anfang an gut, vor allem der Gastgarten kam gut an. "Alles, was ich mir im letzten dreiviertel Jahr aufgebaut habe, geht jetzt flöten", sagt Brunner. Er hatte Rücklagen am Konto, doch das Geld war für die Sozialversicherung gedacht. Aus dem Härtefallfonds hat er bisher 500 Euro erhalten.

Wann sich das Aufsperren für Brunner wieder lohnt, kann er nicht sagen. "Das hängt von vielen Dingen ab, zum Beispiel, ob ich meinen Schanigarten komplett aufsperren darf?" Dort hat er 24 Sitzplätze. Davon werden einige wahrscheinlich wegfallen, wenn ein Sicherheitsabstand vorgeschrieben wird. Im Lokal hat er rund zehn Tische. Er schätzt, dass unter Einhaltung des Abstandes rund ein Drittel unbesetzt bleiben würde.

Von 0 auf 100 sein Lokal wieder hochzufahren, sei eine Herausforderung, sagt Brunner. Er muss früh genug beim Großmarkt vorbestellen. Denn auch dort läuft der Betrieb nur auf Sparflamme. "Da kann es schnell zu Lieferengpässen kommen, wenn alle plötzlich wieder einkaufen wollen."

Viktor Gruber hat sich bereits darauf eingestellt, dass er das restliche Jahr nur 20 bis 30 Prozent seines letztjährigen Umsatzes macht. Gruber ist Inhaber der Bar "Franz von Hahn" im zweiten Wiener Gemeindebezirk. Rund 50 Gäste hatte er vor der Krise an einem Abend. Um den nötigen Sicherheitsabstand einzuhalten, rechnet er nun mit zehn bis 15 Gästen. "Ich sperre aber auch nur für drei Gäste auf", sagt er. Er sei froh darüber, dass die Lokale laut Ankündigung nun bis 23 Uhr offen sein dürfen. Denn es war bereits die Rede davon, dass um 18 Uhr Schluss ist. Gruber hat einen Schanigarten, die Leute kann er deshalb - je nach Witterung - besser verteilen.

Unsicherheit bei Clubs

Ganz anders sieht es bei Clubs und Nachtlokalen aus. Auf Tanzflächen den Kontakt zu vermeiden, dürfte schwierig werden. Deshalb ist beim Wiener Club "Celeste" die Stimmung derzeit angespannt. "Selbst, wenn wir als Veranstaltungsort später aufsperren dürfen, ist im Sommer bei uns tote Hose", heißt es vom Besitzer des "Celeste".

Ohne Besucher würde keine Club-Atmosphäre entstehen, deretwegen die Besucher ja schließlich kommen würden. Ausweichen könnte man auf den Schanigarten. "Der Garten könnte uns halbwegs über die Runden bringen, aber alles ist extrem unsicher. Es ist die Frage, ob es sich überhaupt auszahlt, den Garten aufzusperren", heißt es. Um das Überleben zu sichern, hat der Club eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Bisher kamen rund 7000 Euro zusammen.

Trotz der ersten Ankündigungen bleiben bei den Gastronomen Unsicherheit und ungeklärte Fragen. Antworten darauf kann nur die Regierung geben. Bis es soweit ist, müssen die Gastronomen noch eine Woche warten. Kurz kündigte an, erst dann weitere Maßnahmen präsentieren zu wollen.