Die NEOS stehen den zur Debatte stehenden Charterflügen für Erntehelfer aus der Ukraine kritisch gegenüber. Bevor Arbeitskräfte aus dem Ausland eingeflogen werden, solle das vorhandene Potenzial besser genutzt werden. Es gebe nämlich viele Asylwerber in Österreich, die gerne als Erntehelfer arbeiten würden.

"Wir wissen aus vielen Gesprächen und auch aus Zuschriften von Flüchtlingsbetreuern, dass viele Asylwerber das auch sehr gerne tun würden", sagte NEOS-Asylsprecherin Stephanie Krisper am Sonntag in einer Aussendung. Es gebe jedoch zwei Probleme: Erstens wüssten viele Asylwerber nicht, dass sie als Erntehelfer arbeiten dürfen. Zweitens würde ihnen der Lohn von der Grundversorgung abgezogen bzw. müssten sie Rückzahlungen in Kauf nehmen.

Die Regierung müsse daher "die Menschen, die schon im Land sind und gerne einen Beitrag zur Bewältigung der Krise leisten wollen, erstens informieren und zweitens die Rahmenbedingungen attraktivieren", so Krisper. "Erst danach gilt es zu schauen, welchen Bedarf an Erntehelfern aus dem Ausland es noch gibt."

Außenminister Alexander Schallenberg von der ÖVP hatte am vergangenen Donnerstag mit dem für europäische Integration verantwortlichen ukrainischen Vizepremier Wadym Prystajko über den Einsatz ukrainischer Erntehelfer in Österreich und dafür in Frage kommende Charterflüge für rund 800 Erntehelfer gesprochen.

Hoher Kostendruck, niedrige Löhne

Wegen der Grenzschließungen aufgrund des Coronavirus fehlen in Österreich derzeit tausende osteuropäische Arbeitskräfte. Unter anderem wegen der geringen Löhne ist die Arbeit bei Einheimischen nur wenig beliebt, sagte am Sonntag Martin Risak vom Institut für Arbeits-und Sozialrecht der Uni Wien im Ö1-Morgenjournal des ORF. "Die Arbeitsbedingungen sind nicht sonderlich attraktiv - sowohl das Entgelt und es ist harte körperliche Arbeit", so Risak.

Dass sich am geringen Lohn für Erntehelfer bald etwas ändert, glaubt der Arbeitsrechts-Experte nicht. Die Abhängigkeit von Erntehelfern aus dem Ausland werde in der Coronakrise zwar deutlich sichtbar, diese seien aber zu kurz im Land und auf viele verschiedene Betriebe verteilt. Das erschwere es ihnen, sich zu organisieren. Vonseiten der Bauern werde zudem meist angeführt, dass sie gezwungen seien, auf billige Arbeitskräfte aus dem Ausland zurückzugreifen - "weil die großen Supermarktketten, die einen Großteil ihrer Ernte abnehmen, ihnen keine ordentlichen Preise zahlen wollen, weil die KonsumentInnen auch nichts dafür bezahlen wollen", sagte Risak zum ORF.