Wegen der Coronavirus-Pandemie hat die Raiffeisen Bank International (RBI) im ersten Quartal einen Gewinnrückgang verzeichnet und den Ausblick für das Gesamtjahr 2020 nach unten angepasst. Es sei bereits zu erkennen, dass die Covid-19-Krise "deutliche Spuren in unserem Geschäft hinterlassen wird", erklärte Bankchef Johann Strobl am Donnerstag. Während bis März die Betriebserträge wie geplant im Jahresabstand kräftig stiegen, sank  der Konzerngewinn um fast 22 Prozent auf 177 Millionen Euro.

"Die RBI rechnet durch die zu erwartende massive globale Rezession mit einem deutlichen Ergebnisrückgang für das laufende Geschäftsjahr", heißt es im Quartalsbericht zur Anpassung des Ausblicks. Als unmittelbare Auswirkung verzeichnete die Bank dementsprechend im ersten Quartal eine Vorwegnahme von zu erwartenden Kreditrisikovorsorgen in Höhe von rund 96 Millionen Euro, Wertminderungen auf Beteiligungen und Firmenwerte in Höhe von rund 61 Millionen Euro sowie "Modifikationen von Krediten" im Ausmaß von minus 8 Millionen Euro.

Für 2020 werde ein geringes Kreditwachstum erwartet. Für die Risikokosten ist die RBI nun pessimistischer: Die Neubildungsquote dürfte heuer aus aktueller Sicht auf rund 75 Basispunkte steigen, "abhängig von Dauer und Ausmaß des wirtschaftlichen Einbruchs". Mitte März war das Bankmanagement für 2020 noch von 50 bis 75 Basispunkten ausgegangen, im Auftaktquartal hatte die Quote 66 Punkte betragen (0,66 Prozent).

Das "notleidende Exposure" (NPE) lag Ende März bei 2,0 Prozent insgesamt, bezogen auf die Kredite und Forderungen (Non-performing Loans/NPL) bei 2,3 Prozent, in absoluter Höhe bei rund 2,85 Milliarden Euro. Damit verringerte sich das Volumen des notleidenden Obligos gegenüber Ende 2019 sogar leicht.

Steigende Risikokosten zu erwarten

Für die Dauer der Eindämmungsmaßnahmen von Covid-19 erwartet die RBI erhöhte Risikokosten. Deshalb werde man 2020 regelmäßig Szenarien auf Basis aktualisierter Prognosen anpassen müssen. Das gelte insbesondere dann, wenn neue Informationen über die Pandemie-Auswirkungen bekannt würden, "einschließlich einer sehr wahrscheinlichen Anpassung der Schätzungen makroökonomischer Kennzahlen".

Im Auftaktquartal kam es zu einer signifikanten Erhöhung der Wertminderungen auf finanzielle Vermögenswerte um 144 Millionen auf 153 Millionen Euro, nachdem die Risikokosten im Vorjahresvergleich mit 9 Millionen Euro sehr niedrig gewesen seien. Grund dafür seien durch Covid-19 bedingte Wertminderungen von 96 Millionen Euro. Dabei stiegen die Risikokosten im Wesentlichen in der Konzernzentrale um 28 Millionen, in der Slowakei um 25 Millionen, in Ungarn um 20 Millionen, in Rumänien um 15 Millionen und in Russland um 13 Millionen Euro, geht aus dem Quartalsbericht hervor.

Mittelfristig werde eine Cost/Income-Ratio (CIR) von etwa 55 Prozent angestrebt, und man prüfe, wie sich die gegenwärtige Entwicklung auf die Quote im Jahr 2021 auswirken werde. Ende März lag sie bei 53,8 Prozent (vor Jahresfrist bei 59,7 Prozent, Ende 2019 bei 51,7 Prozent). Mittelfristig werde ein Konzern-Return-on-Equity von etwa 11 Prozent angepeilt; für 2020 erwartet die RBI gegenwärtig einen Wert im mittleren einstelligen Bereich.

Für das harte Kernkapital (CET1-Ratio) bekräftigte die RBI ihr Mittelfrist-Ziel von rund 13 Prozent. Basierend auf dieser Zielquote wolle man 20 bis 50 Prozent des Konzernergebnisses als Dividende ausschütten. Die Hauptversammlung für das Geschäftsjahr 2019 wird wegen Covid-19 statt im Juni erst am 20. Oktober stattfinden.

Ende März betrug das harte Kernkapital 9,89 Milliarden Euro, eine Reduktion um 971 Millionen Euro gegenüber Ende 2019. Verantwortlich für die Verschlechterung macht die RBI primär Währungseffekte, neue Wertberichtigungen und Veränderungen bei den anrechenbaren Minderheiten.

Strobl sieht RBI  "solide" kapitalisiert

Die Bank  verfüge über eine "solide" Kapitalausstattung, betonte Strobl. Man habe das Liquiditätsmanagement auf die Unsicherheiten der Krise ausgerichtet und werden die veränderten Bedürfnisse im Kundengeschäft auch in der Bilanzstruktur berücksichtigen. Man sei daher zuversichtlich, die kommenden Herausforderungen zu meistern.

Ende März zählte die RBI 46.760 Mitarbeiter (Vollzeitäquivalente), nach 46.873 Ende 2019. (apa/kle)