Laudamotion hat am Mittwoch der Gewerkschaft Vida 24 Stunden Zeit gegeben, den vom Unternehmen geforderten Kollektivvertrag zu unterzeichnen. Nur so könnten 300 Jobs der Ryanair-Tochter in Wien gerettet werden. Die Gewerkschaft hält hingegen den KV-Entwurf in Teilen für gesetzeswidrig und sicherheitsgefährdend, auch würde er Menschen in die Armut führen.

Ein Element des Streits ist die Bezahlung, um die es geht. Laut einer Aussendung von Ryanair würden am unteren Ende "junior cabin crew" auf ein "durchschnittliches Jahreseinkommen" von 24.450 Euro kommen - das wären 14 Mal 1750 Euro brutto. Erfahrene Piloten hätten 133.380 Euro im Monat, also rund 9500 Euro brutto im Monat.

Die Gewerkschaft verweist hingegen darauf, dass es nur 1000 Euro fixes monatliches Grundgehalt gebe, das entspreche knapp 850 Euro netto. Und da seien schon Nacht-, Wochenend-, Feiertags- und Überstundenpauschale enthalten. Zulagen seien zwar schön, aber immer wenn Flüge ausfallen, gebe es auch keine Zulagen, das unternehmerische Risiko liege damit beim Arbeitnehmer.

Gewerkschaft sieht Verdienst von maximal 1500 Euro brutto

Aus Gewerkschaftssicht kommt ein Mitarbeiter bei Vollzeit und ohne Dienstausfälle inklusive Zulage von 9 Euro je Flugstunde auf maximal 1500 Euro brutto. Das seien die einzig garantierten Einkommensbestandteile. Solange nicht oder wenig geflogen wird, entfalle auch der Flug-Zuschlag. Dazu komme, dass Mitarbeiter weniger freie Tage bekommen, wenn sie sich fluguntauglich melden, unbezahlten Urlaub nehmen müssen, wenn keine hohe Betriebsauslastung besteht und auch an freien Tagen zu Diensten eingeteilt werden können. Wer wegen Fehlzeiten ausfalle, könne zu einem Dienstplanmodell mit weniger freien Tagen zugewiesen werden, womit die Fehlzeiten eingearbeitet würden.

Der Kostenersatz ab dem zweiten Jahr decke nicht einmal alle Kosten, die für Uniform, Lizenz und anderes anfallen. Andere Einkommensteile wie Provision für den Bordverkauf könnten jederzeit von Ryanair widerrufen werden. "Würden die von Laudamotion veröffentlichten Jahresgehälter dividiert durch 14 als garantierte Brutto-Monatsgehälter festgeschrieben werden, würde man in KV-Verhandlungen eventuell einen Schritt weiter kommen", so Daniel Liebhart, Vorsitzender des Fachbereichs Luftfahrt in der Gewerkschaft vida.

Die Wirtschaftskammer scheine einen Gegenvorschlag der Gewerkschaft nicht anzunehmen. "Bedauerlicherweise sieht es ganz danach aus, dass WKÖ-Präsident Mahrer der Lauda-Politik der Erpressungs- und Dumpinglohnspiele unreflektiert Folge leistet", so Liebhart und weiter: "Lauda/Ryanair zählt nun wie bei einer Geiselnahme in einem Hollywood-Actionthriller die Stunden runter. Das ist beschämend. Die Entscheidung über die Stationsschließung liegt aber in der exklusiven Verantwortung des Airline-Managements. Lauda hat bereits den günstigsten Kollektivvertrag in Österreich und die Personalkosten werden der Billigairline vom Staat über die Kurzarbeit in Millionenhöhe subventioniert."

Ryanair-Chef Michael O'Leary hat ultimativ eine Senkung der Personalkosten bei Lauda verlangt und andernfalls mit der Schließung der Basis in Wien mit ihren 300 Mitarbeitern gedroht. Dann will Ryanair künftig mit Fliegern anderer Tochterfirmen Wien ansteuern. Die Start- und Landerechte von Laudamotion sind bereits an Ryanair übertragen.

AUA-Aufsichtsrat tagt heute

Unterdessen verhandelt die von der Corona-Krise schwer getroffene AUA  mit der Bundesregierung bereits seit Wochen über Staatshilfen. Beantragt hat die Lufthansa-Tochter Ende April Hilfen in Höhe von 767 Millionen Euro. Auch von Belegschaft und Partnern wie dem Flughafen Wien werden Kostenschnitte verlangt.

Die Regierung fordert ihrerseits seit Beginn der Verhandlungen Zugeständnisse von der AUA und der Lufthansa im Gegenzug für Hilfen. "Genau darüber wird beraten", sagte Finanzminister Gernot Blümel zuletzt. Am Montag präsentierte das AUA-Management den Wirtschaftsprüfern von PricewaterhouseCoopers (PwC) seinen Businessplan für einen Neustart. Laut Medienberichten könnten die Wirtschaftsprüfer der AUA eine Nachfrist für die derzeit laufenden Rettungspaket-Verhandlungen und die Fortbestehensprognose setzen. Heute, Mittwoch, berät der AUA-Aufsichtsrat  über das weitere Vorgehen. (apa/kle)