300 Millionen Euro an Einsparungen werden den Beschäftigten der Austrian Airlines (AUA) bis 2024 als Sanierungsbeitrag infolge der Corona-Krise abverlangt. Pro Jahr geht es um 80 Millionen Euro, die vom Personal geschultert werden müssen. Nachdem es am Donnerstag geheißen hatte, dass Bordbeschäftigte (Piloten, Flugbegleiter) und Bodenpersonal (Technik, kaufmännische Beschäftigte) zugestimmt hätten, berichtet nun das Nachrichtenmagazin "profil", dass noch die Zustimmung der Gewerkschaft fehle. Damit wäre das Sparpaket noch nicht fix. 

Laut dem Chef der Gewerkschaft vida, Roman Hebenstreit, bestehen die Arbeitnehmervertreter darauf, dass "zuerst eine schlüssige Finanzierung für die AUA auf dem Tisch liegen muss", bevor es zu Einschnitten beim Personal kommt. Die Unterschrift fehle auf dem angeblich fertigen Sanierungsplan noch, wie Hebenstreit gegenüber dem "profil" erklärt. "Eine finale Einigung kann es deshalb gar nicht geben." 

Nun sei Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) am Zug. Er müsse sagen, wie viel das Personal zum Gesamtpaket beitragen solle. "Klar ist, dass die Mitarbeiter alleine die AUA nicht retten, zumal der Anteil der Personalkosten an den gesamten Kosten schätzungsweise 15 Prozent beträgt," wird Hebenstreit zitiert.

AUA-Bordbetriebsrat Rainer Stratberger räumt gegenüber dem "profil" ein, dass kollektivvertragliche Änderungen nötig seien, um die geplanten 300 Mio. Euro bis 2024 einsparen zu können. Dennoch: Das Sparpaket sei "verbindlich und wird umgesetzt", die Unterschrift der Gewerkschaft sei eine "formaljuristische Angelegenheit".

Gehaltsverzicht von bis zu 12,7 Prozent an Bord

Die Einsparungen kommen größtenteils mit den nach der Kurzarbeit fälligen Gehaltskürzungen zustande, aber auch mit bereits früher anstehenden Nulllohnrunden. Außerdem soll es in der Zukunft für viele flexiblere Arbeitszeiten geben. Die Kurzarbeit soll in der AUA aus heutiger Sicht voraussichtlich noch bis zum ersten Quartal 2022 laufen - im Anschluss an die aktuelle Corona-Kurzarbeit will die Lufthansa-Tochter in die klassischen Kurzarbeitsmodelle des AMS wechseln.

Nach Ende der Kurzarbeit treten dann die vereinbarten gestaffelten Gehaltskürzungen in Kraft. Die temporäre Absenkung der Ist-Gagen gilt beim Bodenpersonal für die Zeit vom 20. März 2022 bis 31. Dezember 2023, gekürzt wird hier sozial gestaffelt nach Einkommenshöhen zwischen 2 und 15 Prozent, der langjährige Sozialplan wird verlängert, bis Ende 2025.

An Bord verzichten die Beschäftigten auf Einkommen zwischen 5,9 und 12,7 Prozent, und zwar in den Jahren 2022 bis 2024, sowie auf Pensionskassenbeiträge. In Summe werden die Personalkosten nach AUA-Angaben damit um 20 Prozent gesenkt.

Auf krisenbedingte Kündigungen will das Unternehmen damit verzichten können, verlautet zur APA. "Das Personalpaket erlaubt uns in der Krise möglichst viele Mitarbeiter halten zu können", schrieb AUA-COO Jens Ritter in der Mitteilung. Einem Neustart sei man jetzt ein wichtiges Stück näher gekommen. Die Verhandlungen um Staatshilfen laufen wie berichtet in den nächsten Tagen weiter.

Lufthansa vor Rettung

Unterdessen befinden sich die Verhandlungen zur staatlichen Rettung der AUA-Mutter Lufthansa kurz vor dem Ziel. Damit dürften die Gespräche zur Rettung der AUA auch nicht mehr allzu lange dauern. Bundeskanzler Sebastian Kurz sprach am Donnerstag von "Tagen oder Wochen", Monate könne er ausschließen. "Es ist ein gut aufgesetzter Verhandlungsprozess mit der Lufthansa", meinte der Bundeskanzler. (apa/kle)