Es ist nun das definitive Aus. Laudamotion, die zweitgrößte Fluggesellschaft Österreichs, bestätigte heute, dass ihre Basis am Freitag, dem 29. Mai, geschlossen wird, wobei mehr als 300 Arbeitsplätze für Piloten und Kabinenbesatzungen verloren gehen werden.  

Der Schritt folgt, nachdem die Gewerkschaft Vida den neuen Kollektivvertrag nicht unterzeichnet hatte. Die Frist endete um Mitternacht in der Nacht auf Freitag.

Laudamotion hatte für diesen Fall die Schließung der Basis in Wien angedroht. Die Tochtergesellschaft des irischen Billigfliegers hatte angekündigt, dann die 300 Mitarbeiter beim AMS zur Kündigung anzumelden. Die Wirtschaftskammer hatte ihre Zustimmung zu dem KV gegeben. Die Billigairline "bedauert auch die Untätigkeit der österreichischen Regierung" und bezog sich dabei darauf, dass der Lufthansa-Tochter AUA in der Coronakrise sehr wohl geholfen werden solle.

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"KV-Verhandlungen sind Aufgabe der Sozialpartner, nicht der Regierung", konterte Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) am Freitag bei einer Pressekonferenz. Er habe sich in die Kollektivvertragsverhandlungen nicht eingemischt. Es wäre gut, "wenn beide Seiten einen Schritt aufeinander zugehen", appellierte er an die Gewerkschaft Vida und die Luftlinie.

Jedes Unternehmen, das die Antragskriterien erfülle, könne Anträge auf staatliche Hilfen stellen und etwa Garantien oder Fixkostenzuschüsse bekommen, versicherte Blümel. Er habe sich das bei Laudamotion nicht angeschaut, ob sie die Kriterien erfüllen würde.

Gehalt liegt unter Mindestsicherung

Don der Vida hieß es, man wollte sich "nicht erpressen lassen und keinen KV unterzeichnen, der mit 848 Euro Netto-Einstiegsgehalt für Flugbegleiter klar unter der Mindestsicherung in Wien (917 Euro) und noch deutlicher unter der aktuellen Armutsgefährdungsschwelle 2019 von 1.259 Euro im Monat für eine Person liegt", so die Position von Daniel Liebhart, Vorsitzender des Fachbereichs Luftfahrt in der Gewerkschaft vida, vor einigen Tagen. Im Übrigen gebe es keinen Zeitdruck, weil Laudamotion ohnehin die Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt habe und daher Geld vom österreichischen Steuerzahler erhalte.

Infrastrukturministerin Gewessler warnt vor Sozialdumping

Die Umwelt- und Infrastrukturministerin Leonore Gewessler (Grüne) hat anlässlich der Laudamotion deutlich vor Sozialdumping gewarnt. "Wir haben am Standort Wien durchaus ein Problem mit der Frage von Sozialdumping, teilweise sehr schlechten Arbeitsbedingungen", sagte sie am Freitag bei einer Pressekonferenz.

Die Zukunft der Luftfahrt müsse klimafreundlich und mit guten Arbeitsbedingungen für die Belegschaft sein. Auf dem Rücken der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit "Dumping-Löhnen" zu agieren und sich auf Kosten der Umwelt einen Gewinn zu sichern, das könne nicht die Zukunft sein, betonte sie. "Da haben wir umfassenden Handlungsbedarf in der Branche."

"Es war keine österreichische Lösung"

Angesprochen auf die vom ehemaligen FPÖ-Infrastrukturminister Norbert Hofer gepriesene "österreichische Lösung" bei der Fluglinie sagte Gewessler, "die vielbesungene österreichische Lösung war ja mit dem Einstieg der Ryanair nicht ganz eine österreichische Lösung". Daher solle man bei staatlichen Lösungen darauf schauen, dass man sich solche Zusagen auch rechtssicher absichern lasse.

Im April bereits hatte die österreichische Ryanair-Tochter Laudamotion den Arbeitnehmervertretern ein Ultimatum gestellt, das zuletzt noch einmal auf den 21. Mai präzisiert wurde. Ohne neuen Kollektivvertrag, der ein Sparpaket mit deutlichen Lohnkürzungen vorsieht, werde die Basis von Laudamotion in Wien geschlossen, und zwar Ende Mai. Die Strecken, nicht aber die Lauda-Basis, würden dann von Ryanair übernommen, indem der Konzern von anderen Basen Wien anfliegt - am Beispiel Roms hieße der Streckenplan dann Rom-Wien-Rom und nicht wie früher Wien-Rom-Wien.

Die Basis Wien ist der mit Abstand größte Stützpunkt der Laudamotion, die zur Zeit in Summe auf eine Flotte von 26 Flugzeugen kommt. Die Maschinen sind wegen der Corona-Pandemie auf den Boden gezwungen.

Die Basen der Fluggesellschaft - © Wiener Zeitung
Die Basen der Fluggesellschaft - © Wiener Zeitung

Flughafen Wien appelliert an Rückkehr an Verhandlungstisch

Der Flughafen Wien hofft unterdessen  doch noch auf weitere Verhandlungen. 300 Mitarbeiter dürften nicht Opfer mangelnder Verhandlungsbereitschaft sein, lautet der Appell an alle Beteiligten. Die Schließung sei ein "fatales Signal für den Standort".

"Ein Zurück an den Verhandlungstisch ist ein Gebot der Stunde", so Flughafenvorstand Günther Ofner in einer Mitteilung. Die "Verweigerungshaltung der Gewerkschaft" sei "ein Schlag gegen die eigenen Mitglieder, denn wo sollten die Betroffenen, ginge ihr Arbeitsplatz verloren, jetzt in der Krise einen neuen Arbeitsplatz finden?", fragt der Manager. (apa, red)