Die Arbeiterkammer (AK) Wien hat wieder die Vorstandsgehälter in den ATX-Unternehmen unter die Lupe genommen. Demnach betrug 2019 die durchschnittliche Gage rund 1,9 Millionen Euro. Das ist das 57-fache eines mittleren Einkommens und der zweithöchste Wert seit Beginn der Erhebung 2003, geht aus der AK-Analyse hervor. Der höchste Wert wurde mit 2,0 Millionen Euro 2018 erzielt, entsprach dem 64-fachen eines mittleren Einkommens.

Basis für die Erhebung sind die Geschäftsberichte von 17 der 20 im Wiener Leitindex ATX vertretenen Unternehmen. Es fehlen aufgrund ihres ungeraden Geschäftsjahres die Unternehmen Voest, Do&Co sowie AT&S.

Spitzenreiter im Gehaltsranking ist OMV-CEO Rainer Seele mit 7,2 Millionen Euro vor Mayr-Melnhof-Vorstandschef Wilhelm Hörmanseder mit 5,2 Millionen Euro und Bawag-Boss Anas Abuzaakouk mit 4,9 Millionen Euro. Abuzaakouk hatte im Jahr 2018 noch das Ranking angeführt. Der Bawag-Vorstand verzichtete aber auf den Bonus für 2019. Auch ein allfälliger Bonus für 2020 wird ausgesetzt.

 Auf Platz 10 im Ranking der Spitzenverdiener findet sich nach wie vor der ehemalige Vorstandsvorsitzende der OMV, Gerhard Roiss, der bereits vor fünf Jahren aus dem Vorstand ausgeschieden ist. Er erhält nach wie vor 3,13 Millionen Euro aus einem "Long-Term Incentive Plan" im Rahmen der variablen Vergütung,  womit Roiss mehr verdient als der Großteil der aktiven Vorstände und Vorstandsvorsitzenden.

48,9 Prozent aus variabler Komponente

"Fast die Hälfte der Vergütung, exakt 48,9 Prozent, stammt aus der variablen Komponente, also der klassischen Bonuszahlung", so AK-Betriebswirtin und Studienautorin Christina Wieser. Die Boni sind nach wie vor zumeist vom finanziellen Erfolg des Unternehmens abhängig. Allerdings werden immer mehr Stimmen laut, die Manager auffordern, angesichts von hunderttausenden Arbeitslosen und 1,3 Millionen Menschen in Kurzarbeit auf ihre Bonuszahlungen zu verzichten.

Auch die AK fordert, dass Unternehmen, die auf staatliche Unterstützung zurückgreifen, auf mindestens 50 Prozent der Bonuszahlungen aus dem Vorjahr für das Management verzichten müssen. Zudem sollen Unternehmen, an denen sich der Staat mittels Eigenkapital beteiligt, für die Dauer dieser Beteiligung die Höhe der Vorstandsvergütungen beschränken (auf 500.000 Euro) sowie Bonuszahlungen verbieten.

Abgesehen von der Bawag und dem Baukonzern Porr habe bisher kein börsennotiertes Unternehmen einen Gehaltsverzicht angekündigt, so Wieser. Sie macht im Zusammenhang mit Krisen und Managergehältern zudem auf die Zeit nach der Finanzkrise 2008/2009 aufmerksam: Denn 2009 lag der Anteil des fixen Teils am Gehalt plötzlich bei 60,4 Prozent, 2008 waren es noch 46,6 Prozent. Wieser: "Dies lässt die Interpretation zu, dass sinkende Bonuszahlungen einfach mit einer Anhebung der Fixvergütung kompensiert wurden. So hat das Management auch in den Krisenjahren trotz Personalabbau und Kurzarbeit gut verdient. Diese Fehler dürfen nicht wiederholt werden."

 Mit Spannung werden daher die heurigen Hauptversammlungen erwartet. Denn es kommt erstmalig das Aktienrechtsänderungsgesetz zur Anwendung. Die Aktionäre stimmen dabei zum ersten Mal über die Vergütungspolitik für den Vorstand, die auf mindestens vier Jahre ausgerichtet werden soll, ab. "Gerade in der aktuellen Situation sollte die Vergütungspolitik an die wirtschaftliche Lage angepasst werden. Einsparungen beim Personal stehen ganz klar im Widerspruch zu hohen Managergehältern. Außerdem zeigt uns Corona auch, wie wichtig Ziele in den Bereichen Soziales, Gesellschaft und Beschäftigung sind. Deshalb sollten die Bonuszahlungen in Zukunft zu mindestens einem Drittel an nicht-finanzielle Zielvereinbarungen geknüpft werden", so Wieser.