Nach wochenlangen Verhandlungen haben sich Österreich und die Lufthansa über ein Hunderte Millionen Euro schweres Rettungspaket für die strauchelnde Tochter Austrian Airlines (AUA) geeinigt. "Ich bin froh, dass wir ein gutes Ergebnis erzielen konnten", sagte Kanzler Sebastian Kurz am Montag in Wien. Demnach greift Österreich der von der Corona-Pandemie schwer getroffenen Fluggesellschaft mit 450 Millionen Euro unter die Arme.

Lufthansa und Republik Österreich schießen der AUA je 150 Millionen Euro zu, der Staat haftet zudem zu 90 Prozent für einen 300 Millionen Euro schweren Bankkredit, der mit den Aktien der AUA besichert ist. Das heißt, falls die Airline die Schulden nicht zurückzahlen kann, gehen die - dann zahlungsunfähige - AUA und deren nicht geleaste Flugzeuge in das Eigentum des Staates über.>

Mitarbeiter im Callcenter kommen aus der Kurzarbeit zurück

Was passiert nun mit dem Geld? Die AUA will nun nach Erhalt des frischen Kapital die offenen Rückerstattungsforderungen aus der Coronakrise begleichen. "Wir haben schon damit angefangen und arbeiten den Rückstau ab", sagte AUA-Chef Alexis von Hoensbroech am Montagabend in einer Pressekonferenz.

Es sei mittlerweile ein Berg von 10.000 Fällen angehäuft worden und es sollen deshalb alle Mitarbeiter des Kundencenters aus der Kurzarbeit zurückgeholt werden.

Die Finanzhilfen von Staat und Eigentümer Lufthansa würden ausreichen, um dauerhaft zu überleben - solange es keine neue Naturkatastrophe gibt.

Dazu, dass das Drehkreuz in Wien proportional zu München und Frankfurt wachsen soll, wie im Standortvertrag mit der Regierung vereinbart, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr, dass es in den nächsten Jahren nicht um Wachstum, sondern um eine Reduzierung gehen wird. Der Lufthansa-Konzern werde durch die Krise um 100 Flugzeuge kleiner.

Deshalb stünden in nächster Zeit auch keine Investitionen in die Flotte an. Mit 150 Mio. Euro könne man gerade mal ein Langstreckenflugzeug kaufen, sagte Spohr. Es ginge erstmals darum, dass Unternehmen zu stabilisieren, so Hoensbroech.

Der 300 Millionen Euro schwere, staatlich garantierte Kredit muss in sechs Jahren zurückgezahlt sein, er ist mit der AUA und ihren Flugzeugen besichert. Wie Hoensbroech sagte, stehen rund 70 Prozent der Flieger im Eigentum der AUA. Eine Beteiligung ist nicht Teil des Pakets.

Die AUA nimmt ihren Flugbetrieb am 15. Juni nach rund drei Monaten wieder auf. Die Rückflug-Garantie der Lufthansa werde auch für die AUA gelten, hieß es. Den geplanten Mindestpreis von rund 40 Euro auf Flugtickets begrüßte Spohr als Modell auch für andere Länder. Der Mindestpreis richte sich gegen zu billige Tickets, die sowohl ökologisch als auch ökonomisch ein Wahnsinn wären.

Bei einer Fahrtzeit mit Zug unter drei Stunden wird der Flug von der AUA künftig - so wie bereits bei Linz-Wien - auf die Schiene verlagert. "Salzburg-Wien fällt da darunter, die restlichen Strecken stehen derzeit nicht zur Disposition", sagte Hoensbroech. Dies sei außerdem "keine Muss- sondern eine Kann-Bestimmung" im Vertrag.

Der ebenfalls vertraglich vereinbarte Erhalt der Marke sei für die AUA "ein ganz natürliches Anliegen" gewesen. Auch der Standort Wien sei nicht infrage gestanden: "Die Lufthansa-Gruppe braucht die AUA und braucht den Markt Österreich", sagte Spohr. Die Verhandlungen bezeichnete er als "zäh, aber fair".

Der Standortvertrag zwischen Lufthansa, AUA und Regierung ist nicht öffentlich.

Zudem bekommt Österreich zwei Vorstandsposten in der heimischen Privatstiftung der AUA, einer davon ist der Vorsitz, sowie einen Aufsichtsratsposten bei der AUA. Darüber hinaus werde die Finanzspritze an eine Ökologisierung der Airline geknüpft. Insgesamt gilt, im Vergleich zu 2005 soll der CO2-Ausstoß bis 2030 um 30 Prozent reduziert werden.

Rettungspaket kleiner als geplant

Das Rettungspaket ist damit kleiner ausgefallen als gedacht. Ursprünglich hatte die AUA Staatshilfe von 767 Millionen Euro beantragt. Österreichs größte Fluggesellschaft hatte wegen der Corona-Krise ihren Betrieb Mitte März weitgehend eingestellt und hebt seither nur für Sonder- und Frachtflüge ab. Die 7000 Mitarbeiter wurden in Kurzarbeit geschickt. Bereits im ersten Quartal schrieb die AUA tiefrote Zahlen. Der operative Verlust belief sich auf 197 Millionen Euro.

Ab dem 15. Juni will die AUA wieder abheben. Vorerst sollen von Wien aus vor allem europäische Destinationen angeflogen werden, ab Juli sind auch wieder Langstreckenflüge geplant. Zudem wurde ein Sparpaket geschnürt, um die Personalkosten um ein Fünftel zu senken. Etwa 1000 Stellen sollen abgebaut werden und die Flotte von rund 80 Flugzeugen auf etwa 60 Maschinen verkleinert werden.

Die seit über zehn Jahren zur Lufthansa-Gruppe gehörende AUA kam schon mehrmals in Turbulenzen. Bevor sie 2009 unter die Kranich-Flügel schlüpfte, bekam die defizitäre Airline vom österreichischen Staat noch einen Zuschuss von 500 Millionen Euro. Die Fluggesellschaft kämpft seit jeher mit hohen Personalkosten und zuletzt auch mit der starken Konkurrenz durch Billigrivalen am Flughafen Wien.