Auf dem Flughafen Wien in Schwechat hat Montagfrüh freudige Stimmung geherrscht. Das erlebten auch die Passagiere des AUA-Erstfluges nach 90 Tagen Corona-Pause hautnah mit. Sie wurden am Gate F01 von Dutzenden Flugbegleiterinnen empfangen, die Spalier gebildet hatten, dabei jubelten und Fähnchen schwangen. Die Erleichterung war ihnen anzumerken.

"Es fühlt sich wunderbar an, den Flughafen wieder in Betrieb zu sehen", sagte Airport-Vorstandsdirektor Julian Jäger. Er bezeichnete es als "Privileg und Freude, wieder nach vorne schauen zu dürfen". Jäger verwies darauf, dass auf dem Flughafen die Hygienemaßnahmen erhöht worden seien und Social Distancing gelte. Nicht zuletzt freue er sich "auf ein paar Tausend Passagiere" statt - wie in den vergangenen Wochen - einige Hundert.

Ab nach München: Im quasi historischen Flug am Montag war manches ungewohnt, manches gewohnt: Handgepäck bitte unter dem Sitz oder in den Kabinen oberhalb verstauen.  - © APAweb / apa
Ab nach München: Im quasi historischen Flug am Montag war manches ungewohnt, manches gewohnt: Handgepäck bitte unter dem Sitz oder in den Kabinen oberhalb verstauen.  - © APAweb / apa

Einen "sehr emotionalen Tag" erlebte AUA-Chef Alexis von Hoensbroech. Er sei "dankbar, das Fliegen wieder starten zu dürfen", sagte er, ehe mit Kurs OS111 nach München der Linienflugbetrieb von Austrian Airlines wieder aufgenommen wurde. Um 6.45 Uhr hob die Embraer 195 mit dem Kennzeichen OE-LWO in Schwechat ab.

Recht gut gefüllt, und auch bitte noch mit Maske.  - © APAweb / apa
Recht gut gefüllt, und auch bitte noch mit Maske.  - © APAweb / apa

"We are ready to fly"

Im Cockpit der Maschine mit dem Namen "Vienna Johann Strauss Orchestra" befanden sich Embraer-Flottenchef Ewald Roithner und Sicherheitspilot Rudolf Buchsteiner. Roithner begrüßte mit den Worten: "Ich spreche für alle 7.000 Mitarbeiter, wenn ich sage: We are ready to fly."

Der Chef fliegt mit: AUA-Chef Alexis von Hoensbroech ließ sich den Flug nicht nehmen.  - © APAweb / apa
Der Chef fliegt mit: AUA-Chef Alexis von Hoensbroech ließ sich den Flug nicht nehmen.  - © APAweb / apa

Die AUA will im Juni vorerst mehr als 30 europäische Destinationen bedienen. Ab 1. Juli ist die Rückkehr auf die Langstrecke geplant.

Der bis zum Montag letzte Austrian-Linienflug war am 19. März in der Früh in Wien gelandet. Es handelte sich um den Kurs OS 066 aus Chicago.

Um 95,6 Prozent weniger Flüge

Der Betrieb am Flughafen Wien ist im Mai praktisch zum Stillstand gekommen. Nur 20.202 Reisende wurden gezählt, das sind 0,7 Prozent des Vorjahreswertes. Auch die ersten beiden Juni-Wochen waren vergleichbar schwach, ab dem heutigen 15. Juni gibt es aber wieder mehr Linienflüge, sodass es wieder Zuwächse geben wird, die aber weit unter dem Vorjahreswert bleiben.

Die Flugbewegungen verzeichneten im Mai 2020 ein Minus von 95,6 Prozent, das Frachtaufkommen sank um ein Drittel im Vergleich zum Mai des Vorjahres. Völligen Stillstand habe es auf den Strecken nach Nordamerika und Afrika gegeben, teilte der Flughafen Wien am Montag mit.

In den ersten fünf Monaten des Jahres zusammen ging das Passagieraufkommen am Flughafen Wien um 57,6 Prozent auf 5,0 Millionen Reisende zurück.

Am Flughafen Malta fiel das Passagieraufkommen im Mai 2020 um 99,5 Prozent, nur 3.081 Fluggäste wurden gezählt, der Flughafen Kosice verzeichnete keine Passagiere. (apa)