Bei dem Streit zwischen der Parfümeriekette Douglas und der nunmehrigen Ex-Mitarbeiterin Sabrina E. ging es am Freitag in die nächste Runde. Wie jetzt bekannt wurde, wurde Frau E. am Freitag fristlos entlassen. Und das, obwohl sie vor kurzem erfolgreich gegen ihre vorangegangene Kündigung durch Douglas geklagt hatte. Das Arbeits- und Sozialgericht hatte Frau E. Recht gegeben und die Kündigung als gegenstandslos qualifiziert. 

Die Mitarbeiterin habe das Verfahren gewonnen, da ihre Kündigung "im Zusammenhang mit einer geplanten Betriebsratswahl stand", erklärte die Gewerkschaft GPA-djp am Samstag. Gemeinsam mit Kolleginnen versuchte Sabrina E. laut Gewerkschaft im Sommer 2019 eine Wahl im Unternehmen zu initiieren. Nach dem jüngsten Gerichtsurteil wollte sie sich weiterhin für die Gründung eines Betriebsrates einsetzen. Die Gewerkschaft will nun auch die Entlassung vom Freitag gerichtlich anfechten.

"Richtig ist, dass jene Mitarbeiterin, mit der Douglas seit einigen Monaten vor dem Arbeits- und Sozialgericht um die Zulässigkeit einer Kündigung streitet, gestern ein Entlassungsschreiben erhalten hat", sagte eine Sprecherin von Douglas Österreich am Samstag zur APA.

"Die Entlassung erfolgte wegen rufschädigenden Verhaltens in der Öffentlichkeit", so die Douglas-Sprecherin. Die Mitarbeiterin verbreitete auf Social-Media-Kanälen ein Video zu dem Fall. In Summe seien bereits gegen drei Teilzeitmitarbeiterinnen aus Wien Gerichtsverfahren abgehandelt worden - in zwei Fällen habe Douglas gewonnen, so die Unternehmenssprecherin weiter.

"Aufgrund der nunmehr erfolgten Verbreitung unwahrer, geschäftsschädigender Tatsachen über Douglas durch Frau E. in der Öffentlichkeit haben wir uns entschieden, das Dienstverhältnis mit sofortiger Wirkung aufzulösen", so die offizielle Begründung des Unternehmens für die fristlose Entlassung vor dem Wochenende.

In Österreich gibt es bei Douglas bisher keinen Betriebsrat

Allen Mitarbeitern stehe es natürlich auch frei, sich in Betriebsräten zu organisieren, wenn vor Ort die dafür notwendigen Voraussetzungen erfüllt seien, meinte die Sprecherin auf die Frage, warum es bei Douglas in Österreich keinen Betriebsrat gebe. "Entsprechend stehen wir einem Wunsch nach einem Betriebsrat auch in unseren Filialen in Österreich offen gegenüber", wiederholte die Sprecherin frühere Angaben.

"Wir sind weiterhin der Überzeugung, dass im Fall von Frau E. eine Wiedereinstellung aufgrund der schwerwiegenden Verfehlungen in der Vergangenheit nicht im Sinne der anderen Douglas-Kolleginnen und Kollegen sein kann - entsprechend haben wir gegen das Urteil des Arbeits- und Sozialgerichts Berufung erhoben", hieß es bei Douglas.

"Wir sind fassungslos, dass das Unternehmen zu solchen Methoden greift. Das ist unter jeder Kritik und gefährdet die demokratische Kultur", so die GPA-djp-Vorsitzende Barbara Teiber in einer Reaktion auf die nunmehrige Entlassung der Douglas-Mitarbeiterin. Wenn es geschäftsschädigend sein solle, sich als Mitarbeiterin öffentlich für die Einsetzung einer gesetzlich vorgesehenen Interessenvertretung auszusprechen, "dann ist das eindeutig ein Signal, das die Beschäftigten einschüchtern soll".

"Wir werden die Entlassung selbstverständlich gerichtlich anfechten und werden auch alle Möglichkeiten ausloten, wie trotzdem eine Wahl im Unternehmen stattfinden kann", kündigte Teiber an und forderte die Beschäftigten von Douglas auf, sich mit der Gewerkschaft in Verbindung zu setzen, sollte es zu Einschüchterungen oder anderen Missständen kommen.

Betroffene erzählt über Spindkontrollen

Bei Douglas waren 2019 in Österreich etwa 450 Mitarbeiterinnen in 46 Filialen beschäftigt, einen Betriebsrat gibt es - noch immer - nicht. Wie eine der Betroffenen 2019 vor dem Arbeitsgericht aussagte, sei sie auf die Idee gekommen, einen solchen zu gründen, als sie die Missstände im Unternehmen erlebte. So habe der Arbeitsinspektor die Verletzung von Brandschutzvorschriften bemängelt. Ein weiterer Vorwurf, den sie dem Unternehmen machte, war, dass Leute im Krankenstand zu Hause angerufen worden seien, ob sie nicht - wegen Personalmangels - doch zur Arbeit kommen können. Ihr sei das selbst einmal passiert, sie sei aber trotzdem nicht zur Arbeit gekommen. Auch an freien Tagen seien Mitarbeiterinnen angerufen worden, ob sie nicht kommen könnten, da zu wenig Personal in der Filiale sei. Auch Spindkontrollen habe es gegeben. Es sei auch zu Kündigungen gekommen, die die Betroffenen als ungerecht empfunden hätten.

Sie habe sich dann an die Gewerkschaft um Beratung für eine Betriebsratsgründung gewandt. Anschließend habe sie Kolleginnen angesprochen, ob sie das Vorhaben unterstützen. Dafür habe sie etwa zwei Monate gebraucht, da sie wegen ihres Studiums meist nur am Samstag arbeitete. "Das ist eine schwierige Sache, einen Betriebsrat zu gründen", schilderte sie. Einige ältere Kolleginnen hätten Angst gehabt und ihr gesagt, das sei ohnehin schon versucht und im Keim erstickt worden. Andere hätten sie zwar unterstützt, aber nur im Geheimen. Einige hätten sie offen unterstützt. Schließlich sei sie Ende August vom Unternehmen gekündigt worden, weil man ihr "Unruhestiften" in der Filiale in Wien vorgeworfen habe. Ihre Frage, ob das mit den Betriebsrats-Bemühungen zusammenhänge, sei verneint worden.

Auch die Österreich-Verantwortliche der Parfümeriekette sagte aus, sie zeichnete hingegen ein völlig anderes Bild. Demnach habe es von den Betroffenen schweres Mobbing gegen eine Vorgesetzte gegeben. Sie hätten der Vorgesetzten Diebstahl vorgeworfen und dass sie Spindkontrollen ohne Anwesenheit der Mitarbeiterinnen durchführe. Das komme aber im Unternehmen nie vor, beteuerte die Geschäftsführerin. Ihr sei auch mitgeteilt worden, dass die Betroffenen "schlechte Stimmung" verbreiten würden. Auf die ihr mitgeteilten Mobbing-Vorwürfe habe sie reagieren müssen und daher die Kündigung der drei Mitarbeiterinnen entschieden. (apa)