Der Tiroler Kristallkonzern Swarovski  hat am Montag einen massiven Stellenabbau verkündet: Am Standort Wattens wird es künftig um 200 Mitarbeiter weniger geben - weltweit sind es 600. Die Kurzarbeit werde außerdem bis Ende September verlängert, beinahe alle Mitarbeiter sind in Kurzarbeit.

Als Grund für den Schritt gab Swarovski an, dass die Corona-Krise den internationalen Markt für Luxusgüter "schwer getroffen" habe. Im ersten Halbjahr 2020 musste der Konzern "massive Absatzrückgänge" verzeichnen. Im Herbst würden "weitere konkrete Zahlen" genannt. Zwischen Dezember und Mai sei die Nachfrage auf den großen Absatzmärkten in Asien und den USA deutlich eingebrochen. Es werde mit einer langsamen Rückkehr aus dem Einbruch und einem "deutlichen Umsatzrückgang" für 2020 gerechnet. 2019 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 2,7 Milliarden Euro.

Neben den corona-bedingten Begründungen hieß es seitens des Konzerns, sich auch "neu und effizienter aufstellen" zu wollen. Die Organisationsstrukturen und das Geschäftsmodell sollen "grundlegend" verändert werden. Sämtliche "Geschäftsprozesse, -aktivitäten und -felder" würden nun überprüft. "In einem ersten Schritt werden die bisher auf verschiedene Geschäftsbereiche verteilten Marketing- und Vertriebsaktivitäten zusammengeführt und verschlankt", hieß es in einer Presseaussendung.

"Diese Transformation ist für den erfolgreichen Weiterbestand von Swarovski essenziell", sagte der CEO und Vorsitzende der Geschäftsführung, Robert Buchbauer. Bereits die Neustrukturierung der Geschäftsführung sei als Weichenstellung zu deuten. Markus Langes-Swarovski hatte sich mit Ende März 2020 aus dem Executive Board und damit aus der operativen Geschäftsführung zurückgezogen. Er war 18 Jahre lang Teil der Führungsspitze des Unternehmens.

Gewerkschaft kritisiert Stellenabbau

Die Gewerkschaft Pro-Ge kritisiert den am Montag von Swarovski angekündigten Stellenabbau von 200 Mitarbeitern in Wattens scharf. "Es ist für uns moralisch und sozialpolitisch absolut nicht nachvollziehbar, dass auf der einen Seite Kurzarbeitsgelder bezogen werden und auf der anderen Seite Stellen abgebaut werden", sagte Robert Koschin, Geschäftsführer der Gewerkschaft Pro-GeTirol.

"Zuerst werden Steuergelder kassiert und dann so schnell wie möglich Leute auf die Straße gesetzt", so Koschin weiter. Es gebe eine gesellschaftspolitische Verantwortung gegenüber den Arbeitnehmern. "Swarovski kommt dieser Verantwortung leider schon lange nicht mehr nach", fügte der Pro-Ge-Geschäftsführer hinzu. Den betroffenen Mitarbeitern sicherte die Gewerkschaft "vollste Unterstützung" zu. (apa/kle)