Bankenverbandspräsident und Bank-Austria-Chef Robert Zadrazil wünscht sich klarere Regeln für Banken zum Thema grüne Finanzierung. Es brauche eine klare Gesetzgebung zum "green supporting factor" und zur Berücksichtigung des Risikos bei nachhaltigen Finanzierungen. Zudem wären steuerliche Anreize vor allem für private Investoren sinnvoll.

Weniger Eigenkapital für grüne Kredite

Der "green supporting factor" sieht vor, dass Banken für grüne Kredite weniger Eigenkapital hinterlegen müssen. Der Begriff fiel im 2019 von der EU-Kommission vorgestellten Aktionsplan für nachhaltige Finanzierung und ist auch im heimischen Regierungsprogramm enthalten.

"Wir benötigen einen klaren rechtlichen Rahmen im Hinblick auf den Umgang mit Risiko. Das Thema Risikomanagement darf natürlich auch bei grünen Maßnahmen nicht unbeachtet bleiben. Wir müssen hier als Bankensektor mit Maß und Ziel vorgehen, dürften also sicher nicht blindlings grüne Kredite vergeben, ohne auf die Kreditrisikotragfähigkeit des Investors zu achten", so Zadrazil am Donnerstag bei einer Pressekonferenz des Bankenverbandes gemeinsam mit dem Geschäftsführer des Klima- und Energiefonds, Ingmar Höbarth.

Zadrazil verwies auch auf den europäischen Bankenverbandspräsidenten, der sich aus ebendiesen Risikobedenken heraus klar gegen einen "green supporting factor" in Europa ausspreche. Auf europäischer Ebene gebe es hierzu derzeit "intensive Diskussionen". Scharfe Kritik an dem Konzept kam in den vergangenen Monaten zumeist aus der deutschen Bankbranche.

KESt-Befreiung für ökologische Investments

Der Banksektor sei jedenfalls ein wesentlicher Bestandteil, wenn es darum geht, den Wiederaufbau der Wirtschaft nach der Coronakrise zu einem grünen Wiederaufbau zu machen, so Zadrazil. Um Finanzmittel aus dem privaten Sektor aber besser hierfür verfügbar zu machen, wären auch steuerliche Anreize sinnvoll. Dementsprechend spricht sich Zadrazil für die Umsetzung der im Regierungsprogramm angeführten Befreiung von der Kapitalertragssteuer (KESt) für Investments in ökologische und ethische Anlageformen aus.

Wichtig sei es darüber hinaus, die Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung für grüne Investitionen weiter voranzutreiben, um auch auf diesem Wege langfristig mehr private Mittel heben zu können, ergänze Gerald Resch, Generalsekretär des Bankenverbandes. Auch hierzu könnte der Bankensektor über Bildungsprogramme und Beratung einen großen Beitrag leisten.

Für heimische Banken und andere Unternehmen des Finanzsektors (Pensionsvorsorgekassen, Versicherungen, etc.) gebe es überdies noch bis 14. August die Möglichkeit, ihr Anlage- bzw. Kreditportfolio auf Klimaverträglichkeit analysieren zu lassen. Organisiert sei die Initiative vom Finanz- und dem Umweltministerium sowie dem Umweltbundesamt. Der Check gebe Banken die Möglichkeit, ihr eigenes Portfolio besser einschätzen zu können und sich besser auf künftige regulatorische Verpflichtungen oder Klimastresstests vorzubereiten, so Zadrazil. (apa)